23. Februar – ein Tag für trunken versunkene Erinnerungen

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Als Geburtstag der „Roten Armee“, genauer der „Roten Arbeiter- und Bauernarmee“, ist in den Chroniken der 23. Februar 1918 notiert. Er war kein echter Gründungstags, sondern einer der rückwirkend festgesetzt wurde.

Nicht weil Lenin erst 1922 den dreiundzwanzigsten zum Feiertag (nicht arbeitsfrei) erklärte, sondern weil im „Befehl Nr.95“ des Obersten Befehlshabers Stalin vom 23. Februar 1943 die Hintergründe dieses Tages beschrieben sind: „Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Kommandeure und politische Funktionäre, Partisanen und Partisaninnen! Heute feiern wir den 25. Jahrestag der Roten Armee … Der 23. Februar 1918, an dem die Abteilungen der Roten Armee vor Pskow und Narwa den Truppen der deutschen Landräuber aufs Haupt schlugen, wurde zum Geburtstag der Roten Armee erklärt.“ Rot deswegen, weil man anschließend gegen die Weißen, die Menschiwiki, kämpfte.

Ab dem Jahre 1946 war der 23ste der Tag einer umbenannten Roten Armee, der „Tag der Sowjetarmee“. Noch immer kein arbeitsfreier Tag, aber besonders vom männlichen Teil der Gesellschaft gerne zum Umtrunk genutzt, entpuppte er sich zu einer Art „Männertag“. Der in Westeuropa so furios gestartete „Frauentag“ wurde in Russland erstmals 1913 gefeiert.

Erst 1993 wurde der 23. Februar zum arbeitsfreien Feiertag ernannt – und dabei erneut umgetauft. Fortan war und ist es der „Tag der Vaterlandsverteidiger“, der die Nackenmuskulatur der Schnelltrinker stärkt.

Für die russische Jugend ist das Schnee von gestern. Aber es gibt noch viele Veteranen, denen jährlich, neben Wodkagläsern, alte, wohlbehütete rote Fahnen demonstrativ in die Hände springen. Sie sind genervt von den ewigen Umbenennungen und beschweren sich seit fünfzehn Jahren regelmäßig über die ehrenrührige Traditionspflege der „Großen Kriege“ seitens der neuen Kremlherren.

Für all diejenigen, die gerne – aber nicht unbedingt rot – süppeln wollen, seien ein paar Datumsdaten aus der jüngeren russischen Geschichte als Beiwerk für Trinksprüche hervorgekramt.

1945 starb Alexeij Nikolajewitsch Tolstoi, Verfasser der monumentalen Romane „Der Leidensweg“ und „Peter der Grosse“. Nicht zu verwechseln mit Lew Nikolajewitsch Tolstoi, dessen sowjetische Verfilmung seines Werkes „Krieg und Frieden“ am 23.2.1967 in deutschen Kinos startete.

1994 beschloss das russische Parlament eine Amnestie für die Anführer des August-Putsches gegen Gorbatschow (1991) und des Oktober-Aufstandes gegen Jelzin (1993). Last not least, es brannte, ohne große Schäden zu verursachen, am 23. Februar 1997 für vierzehn Minuten auf der Raumfähre MIR.

Alles dreiundzwanzig? Prosit! [ russland.RU ]