Alle Vereinbarungen nur Augenwischerei?

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Gestern, am Samstag, berichteten wir:
Eine sofortige Feuereinstellung und der Austausch von jeweils 50 Gefangenen wurden am Donnerstag bei der ersten Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe im Jahr 2016  in Minsk vereinbart und bereits gestern wurde mit der Umsetzung der Vereinbarungen begonnen.“

Das Verteidigungsministerium der ostukrainischen Donezker Volksrepublik (DVR) teilte ebenfalls gestern über die Donezker Nachrichtenagentur mit, dass von einer „sofortigen Feuereinstellung“ keine Rede sein könne. Die ukrainischen Regierungstruppen beschossen am Freitag 24 Stunden lang die Dörfer Lozovoye (im Yasinovatoye Bezirk), Kominternovo (im Süden des Donbass), Ozeryanka (am Stadtrand der Stadt Gorlovka), Zhabichevo und Spartak (im Norden von Donezk) und die Umgebung des in Trümmern liegenden Flughafens Donezk.

Insgesamt wurde 35 Mal mit Mörsern von 120 und 82 mm Kaliber geschossen und eine Anti-Panzer-Rakete traf das Gebiet der DVR. Außerdem feuerte das ukrainische Militär aus mechanisierten Infanterie-Kampffahrzeugen 15 Mal und 60 Schüsse wurden aus Granatwerfern abgegeben.

Zeitgleich, also ebenfalls am Freitag, meldete der Generalstab der ukrainischen Armee in einem Bericht auf Facebook, das in der Ukraine die siebte Einberufungswelle bevorstehe. Und dass diesmal, um die Wehrpflichtigen besser zu motivieren, den Rekruten ein über die Zeit der Wehrpflicht um ein halbes Jahr längerer Dienstvertrag mit entsprechend höherem Sold angeboten werde, Zeitsoldaten mit einer höheren zivilen Qualifikation könnten nach einem 3-monatigen Lehrgang sofort in den Offiziersstand übernommen werden.

Das ukrainische Verteidigungsministerium gab die Stärke der Armee mit 280.000 Soldaten, hauptsächlich aus den Wehrpflichtigen früherer Einberufungswellen bestehend, an. 70.000 von ihnen seien an der Frontlinie zu den Donbassrepubliken im Einsatz.

Die mit nicht ganz 10 % der Sitze in der Rada (Parlament) viertstärkste Partei »Oppositionsblock« sieht in den Unterschieden zwischen Aussagen und tatsächlichen Handlungen auch, „dass die Regierung nicht die Absicht hat, die Minsk Vereinbarungen umzusetzen, sondern im Gegenteil beabsichtigt, die Ukraine erneut in einen Krieg abgleiten zu lassen.“
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)