Biathlon: Überraschender russischer Doppelsieg bei Weltcup in Antholz

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Anton Schipulin war der Sieg im Verfolgungsrennen zuzutrauen gewesen, zumal es mal wieder zum bereits klassischen Duell mit Simon Schempp kam. Eine faustdicke Überraschung war dagegen der erste Platz von Jekaterina Jurlowa, die sich damit am Samstag den ersten Weltcupsieg in der Karriere holte. Russlands Biathlon-Fans sind nach diesem Doppelschlag glücklich wie lange nicht mehr.

Bereits am Freitag hatte Maxim Zwetkow im Sprint Silber für Russland eingefahren, sodass er auch in der Verfolgung als Geheimfavorit galt. Damit war es allerdings gleich beim ersten Schießen vorbei – vier Fehltreffer setzten den Hoffnungen ein jähes Ende. Zwetkow blieb aber im weiteren Verlauf des Rennens fehlerfrei und erkämpfte sich zum Schluss noch einen beachtlichen 11. Rang.

Schempp und der „Schipulin-Komplex“

Schipulin litt bis dato an so etwas wie einer Ladehemmung – mehrere dritte Plätze und der Sieg in der ersten Staffel der Saison waren nicht das, was von ihm erwartet wurde und was er – sein größter Kritiker – von sich selbst erwartete. Vielleicht fehlte ihm einfach Simon Schempp, um zur Hochform aufzulaufen. Die Duelle der beiden sind inzwischen legendär – man denke nur an den Schlussspurt bei den Olympischen Spielen in Sotschi, als Schipulin Schempp die lange Nase zeigte. In Russland spricht die Sportpresse inzwischen von Schempps „Schipulin-Komplex“.

Gestern war es nicht die Zielgerade, wo sich die beiden Platzhirsche trafen, sondern das letzte Schießen. Beide ließen eine Scheibe stehen, wobei Schipulin schneller als Schempp schoss und damit einen psychologischen Vorteil hatte. Er verließ sieben Sekunden vor seinem deutschen Gegner die Strafrunde und ließ sich auf den letzten 2,5 Kilometern nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. „Das ist ein Sieg für die ganze Mannschaft“, sagte Trainer Ricco Groß nach dem Rennen.

Um Platz drei entwickelte sich ein dramatischer Kampf zwischen Johannes Thingnes Bö und dem Weltcup-Führenden Martin Fourcade, bei dem der Norweger zum Schluss die besseren Karten hatte. Fourcade legte auch ohne Podiumsplatz eine saubere Leistung hin: gestartet als 28., machte er 24 Plätze wett.

Jurlowa übertrifft sich selbst

„Wach ich oder träum ich“, wird sich Jekaterina Jurlowa denken – sie war schon Freitag über den dritten Platz im Sprint total baff gewesen, und nun kommt auch noch ein Sieg dazu. Zunächst sah es in der Verfolgung der Damen nach einer Neuauflage des Duells zwischen Olga Podtschufarowa und Dorothea Wierer aus, aber die Italienerin patzte beim dritten Schießen und ließ die Russin ziehen. Jurlowa war zu dem Zeitpunkt Dritte.

Und dann erwischte es Podtschufarowa – beim letzten Besuch am Schießstand ließ sie drei schwarze Scheiben zurück und kam nur als achte ins Ziel. „Ich kann mir nicht erklären, was da passiert ist“, sagte sie später. Jurlowa nutzte dagegen die Chance, schoss eine runde Null und lief allen davon – Selina Gasparin und Dorothea Wierer belegten die Plätze zwei und drei.

[sb/russland.RU]