Der Ball rollt wieder – russische Premierliga geht mit Superderby auf die Endgerade

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Am vergangenen Wochenende hat die Fußball-Premierliga nach drei Monaten Winterpause ihren Betrieb wiederaufgenommen. Gleich zu Beginn ging es mit dem russischen Liga-Klassiker ZSKA-Spartak ans Eingemachte. Das letzte Drittel der Saison wird ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Europameisterschaft im Juni in Frankreich stehen.

So richtig will das nicht klappen mit der Umstellung von „Frühjahr-Herbst“ auf „Herbst-Winter“, denn im Grunde hat sich nicht viel mehr geändert als der Name des Kindes. Wie früher fängt die Winterpause Anfang Dezember an, und – wie früher – geht das Liga-Kicken Anfang März weiter. Nur dass die vermeintlich zweite Saisonhälfte mit dem 19. Spieltag beginnt, also bis zum Schluss im Mai nur noch elf Mal angepfiffen wird.

Für die Europa-Wettbewerbe nicht gewappnet

Eines der gewichtigsten Argumente für die Umstellung auf das westeuropäische System, das aktuell im vierten Jahr gilt, war die bessere Vorbereitung auf die europäischen Wettbewerbe gewesen. Aber genau hier hat man sich offensichtlich erheblich verrechnet: Sowohl Lokomotive Moskau als auch Krasnodar hatten in ihren Sechzehntel-Finalen im Februar nichts zu melden und schieden sang- und klanglos aus. Denn es war wie immer: Während die Gegner Fenerbahce und Sparta in ihren Ligen schon auf Tour waren, steckte den russischen Vereinen immer noch die berüchtigte Winterschwere in den Beinen – eben genau wie früher. Da stellt sich dann schon die Frage nach Sinn und Zweck der Übung.

Der Auftakt in den Rest der Premierliga-Saison erbrachte auch nicht viel Neues. Das Hauptstadtderby ZSKA gegen Spartak wurde zwar als „neues Kräftemessen“ der Traditionsklubs annonciert, aber die Kräfte waren genau dort, wo sie schon vor drei Monaten waren – die Armeekicker waren dominant, und die Rotweißen waren weiter auf der Suche nach erkennbarer Handschrift und hauseigenem Stil. Sie hatten Glück, dass es nur 0:1 ausging.

ZSKA weiter dominant, Rostow das „russische Leicester“

ZSKA Moskau steht mit 40 Punkten weiterhin an der Tabellenspitze, drei Punkte dahinter hat sich überraschend Rostow niedergelassen. Der Verein aus dem Süden Russlands, der in den letzten Jahren immer wieder in finanzielle Schieflage geraten war, wird in den Sportmedien bereits als „russisches Leicester“ ausgelobt – analog zu dem englischen Überflieger, an dem sich in dieser Saison alle üblichen Meisterschafts-Aspiranten auf der Insel die Zähne ausbeißen.

Zenit St. Petersburg liegt inzwischen bereits neun Zähler hinter ZSKA zurück. Dafür sind die Blau-Weiß-Blauen Russlands einzige Hoffnung auf europäischer Bühne. Bereits am Mittwoch geht es im Rückspiel des Champions League-Achtelfinals gegen Benfica um Alles. Die erste Begegnung vor drei Wochen in Lissabon war mit einer knappen 0:1-Niederlage zu Ende gegangen.

Kerschakow schießt wieder Tore, Arschawin womöglich nach Kasachstan

In diesem Frühjahr steht natürlich alles im Zeichen der anstehenden Europameisterschaft. Die russische Nationalelf testet am 26. März gegen Litauen und am 29. März gegen EM-Gastgeber Frankreich. Einer, der es unbedingt zurück in den Kader schaffen will, ist Alexander Kerschakow. Bei Zenit aufs Abstellgleis gestellt, wechselte der Petersburger für eine halbe Saison als Leihgabe zum FC Zürich. Dort soll er helfen, den drohenden Abstieg zu verhindern. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase nimmt der russische Rekordstürmer das Tore-Schießen wieder auf – so ermöglichten seine zwei Treffer den Schweizern den überraschenden Einzug in das Landespokalfinale.

Im erweiterten Kader von Nationaltrainer Leonid Sluzki ist sein Name bereits wieder zu lesen. Andrej Arschawin, ein weiterer Altvorderer der Sbornaja, errechnet sich dagegen keine Chancen mehr auf eine EM-Teilnahme. Aber ihm steht nach dem Vertragsausstieg bei Kuban Krasnodar im Januar womöglich ein Engagement bei Kairat Almaty in Kasachstan bevor. Damit wäre das frühzeitige Aus seiner großen Karriere erst einmal abgewendet.

[sb/russland.RU]