Die Entwicklung des Erdöl- und Gasmarkts

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[Dr. Christian Wipperfürth] Erdgas ist je Energieeinheit seit Jahrzehnten deutlich günstiger als Öl. Und Deutschland kann Gas merklich preiswerter erstehen als Japan, die USA jedoch profitieren vom Schiefergasboom.

Der Gaspreis war in Europa traditionell an den Erdölpreis gebunden. Hieran hatten sowohl der Produzent, also nicht zuletzt Russland, als auch der Abnehmer ein Interesse, um eine gewisse Planungssicherheit zu gewinnen. Zudem trat das Gas in den 1970er, 80er und 90er Jahren in manchen Sektoren an die Stelle des Erdöls, bspw. bei der Stromerzeugung. Auch insofern war es naheliegend, den Gaspreis an denjenigen für Öl zu binden.

In den vergangenen Jahren jedoch haben sich die Machtverhältnisse auf dem Gasmarkt verschoben. Die Stellung des Abnehmers ist stärker, diejenige des Produzenten schwächer geworden. Dies lag vor allem an der deutlichen und unerwarteten Steigerung der nordamerikanischen Gasgewinnung aus sogenannten nicht-konventionellen Quellen.

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Die Gaspreise in den USA sanken deutlich.

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Gas wurde wettbewerbsfähiger und deutlich verstärkt für die Stromerzeugung genutzt, sodass auch die Kohlepreise in den USA in den Keller gingen. Die US-Produzenten exportierten deutlich mehr Kohle als zuvor, folglich gerieten auch die Kohlepreise weltweit unter Druck.

Dies hat wiederum dazu beigetragen, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern merklich mehr Kohle für die Stromerzeugung eingesetzt wurde. Deutsche Importeure mussten für eine Tonne Kohle 2014 weniger zahlen als 1990, während die Gaspreise um etwa 170% angestiegen waren, wenngleich deutlich weniger als beim Erdöl.

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Der klimaschädlichste Energieträger, die Kohle, ersetzte den klimafreundlichsten Kohlenwasserstoff, das Gas. Folglich stieg auch der CO2-Austoß bei der deutschen Energieerzeugung an, trotz der stark steigenden Stromgewinnung durch Wind und Sonne.

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Die Nachfrage nach Gas stagnierte, zumindest aber konnte von den vor dem Schiefergasboom prognostizierten Zuwachsraten keine Rede mehr sein.

Norwegen und mit einem gewissen Zögern auch Russland mussten sich in den vergangenen Jahren darum teils zu Preissenkungen durchringen, teils sich dazu bereit erklären, den Gas- vom Ölpreis abzukoppeln.

Die Preisdifferenz zwischen dem Gas- und dem Ölpreis wurde größer. Gas war zwar für deutsche Verbraucher schon immer günstiger gewesen als Öl, aber dieser Kostenvorteil des Gases hat sich deutlich vergrößert:

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Der Öl- und Gaspreis sind in den vergangenen 18 Monaten in den Keller gestürzt. Eine seriöse Vorhersage, wie sie sich in Zukunft entwickeln werden lässt sich nicht machen. Zweierlei kann jedoch festgehalten werden:

  1. Gas war in der Vergangenheit durchweg preiswerter als Öl, dies wird sehr wahrscheinlich auch in Zukunft so sein. Die Differenz ist sogar noch gewachsen. Darum wäre es wirtschaftlich, Öl verstärkt durch Gas zu ersetzen, bspw. im Verkehrswesen.
  2. Deutschland profitiert von der Nachbarschaft sehr bedeutender Gasexporteure, nämlich Russlands und Norwegens. Gaspreise wie in Japan würden uns einen zweistelligen Milliardenbetrag im Jahr mehr kosten. Japan muss zu hohen Kosten Flüssiggas importieren, vor allem aus Katar und Australien. Den Bau eines Flüssiggasterminals, für den immer wieder geworben wird, können wir uns sparen.

 

1.: http://www.welt.de/finanzen/article112556596/So-profitieren-Anleger-von-der-US-Energierevolution.html

2.: http://www.eia.gov/dnav/ng/hist/n9190us3M.htm

3.: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Energiedaten: Ausgewählte Graphiken, S. 44; http://bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiedaten-und-analysen/Energiedaten/gesamtausgabe,did=476134.html

4.: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Energiedaten: Ausgewählte Graphiken, S. 24; http://bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiedaten-und-analysen/Energiedaten/gesamtausgabe,did=476134.html

5.: BP Statistical Review of World Energy, June 2015, bp.com/statisticalreview, Seite 27

Über den Autor

Dr. Christian Wipperfürth
Arbeitet als Freier Publizist, Er hat zuvor für das Europäische Parlament bzw. den Deutschen Bundestag gearbeitet und Internationale Beziehungen an der Universität in St. Petersburg gelehrt.