Es weihnachtet in Russland: Putin als Kirchgänger im Dorf seiner Ahnen

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Während Wladimir Putin eine Dorfkirche aufsuchte, zelebrierte Patriarch Kirill die nächtliche Weihnachtsmesse feierlich in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche im Beisein von Premier Dmitri Medwedew.

Der live vom Staatsfernsehen übertragene Festgottesdienst unter Leitung des Patriarchen begann traditionell kurz vor Mitternacht. Das Kirchenoberhaupt hatte zuvor in einer kurzen TV-Ansprache den orthodoxen Christen zu Weihnachten gratuliert und sie aufgefordert, sich mit Feinden zu versöhnen und Beziehungen vernünftig zu gestalten, so dass auf der Welt Frieden statt Streit herrsche. Dann gebe es mehr Licht und Ruhe nicht nur im Familienleben, „sondern auch im Leben der Völker und Staaten auf unserem Planeten“.

Allein in Moskau besuchten über 300.000 Gläubige die Weihnachtsgottesdienste in den 389 orthodoxen Kirchen und Klöstern der russischen Hauptstadt. Insgesamt verfügt die russisch-orthodoxe Kirche weltweit über etwa 30.000 Gemeinden in 70 Ländern. Auch auf dem Stützpunkt Chmeimin bei Latakia, von wo die russische Luftwaffe Angriffe auf Ziele in Syrien fliegt, hielt ein Militärgeistlicher einen Weihnachtsgottesdienst in einer kurz zuvor eingerichteten Feldkirche ab.

Patriarch: Beten für Frieden in der Ukraine

In seiner offiziellen Weihnachtsbotschaft, die vom Patriarchat in 20 Sprachen veröffentlicht wurde, wandte sich Patriarch Kirill explizit an die Bevölkerung der Ukraine: „ Der brudermörderische Konflikt, der im ukrainischen Land entstanden ist, soll die Kinder der Kirche nicht teilen, indem er in den Herzen Hass erregt. Echte Christinnen und Christen können weder Nächste noch Ferne hassen“, sagte das Kirchenoberhaupt. Kirill forderte „alle Kinder der multinationalen Russischen Orthodoxen Kirche“ auf, für ein schnellstmögliches Ende der Feindschaft in der Ukraine zu beten.

Im größten Gotteshaus von St. Petersburg, der Isaak-Kathedrale, wurde dieses Jahr zum ersten Mal seit 1928 wieder eine nächtliche Weihnachtsmesse abgehalten. Dabei läutete erstmals eine erst im November installierte 17 Tonnen schwere Glocke, die nach historischen Zeichnungen rekonstruiert worden war. Die Russisch-orthodoxe Kirche hatte im vergangenen Jahr um die Rückgabe der vom Staat als Museum betriebenen Kathedrale gebeten, die 12.000 Menschen Platz bietet. Die St. Petersburger Stadtverwaltung lehnte dies jedoch mit Rückendeckung durch das Kulturministerium ab.

Weihnachten auch auf höchster politischer Ebene

In Russland ist Weihnachten der einzige kirchliche Feiertag, der auch gesetzlicher Feiertag ist. Seit 1992, als der damalige Präsident Boris Jelzin erstmals einen Weihnachtsgottesdienst besuchte, ist es üblich, dass Vertreter der Staatsführung an der Weihnachtsmesse des Patriarchen teilnehmen. In der Hauptkirche der russischen Orthodoxie, der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche, war aber nur Premierminister Dmitri Medwedew zugegen.

Wladimir Putin besucht die Weihnachtsmesse üblicherweise in Kirchen irgendwo im Land. Dieses Jahr erschien er, für die Gläubigen völlig unerwartet, in der Kirche des Dorfes Turginowo im Gebiet Twer. Dort wurden Putins Eltern getauft, seine Großmutter ist in dem Dorf begraben. Der Kreml-Chef hatte diese Kirche 2011 einmal besucht. Nach dem Gottesdienst besichtigte Putin ein neben der Kirche neu errichtetes geistliches Bildungszentrum für Kinder, um dessen Errichtung der Dorfpriester Putin bei dessen ersten Besuch gebeten hatte. Das Gebäude verfüge auch über Fitnessräume und ein Schwimmbad, berichtete Ria Novosti.

Auch die orthodoxen Kirchen von Georgien, Serbien und Jerusalem, die Athos-Klöster in Griechenland sowie die ukrainische griechisch-katholische Kirche feiern Weihnachten am 7. Januar. Ihre Festtage richten sich nach dem alten Julianischen Kalender, der inzwischen 13 Tage hinter dem Gregorianischen Kalender zurückbleibt.

[ld/russland.RU]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.