Fakt oder Fake: Verunglimpfte das ZDF Separatistin? [Videos aus YouTube]

Falsche Übersetzung in den Mund gelegt, damit aus besorgter Frau blindwütige Furie wird?

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ARD und ZDF arbeiten bei ihrer Ukraine-Berichterstattung fleißig an der Geschichte „Euromaidan gut, Separatisten böse“. Von der Gegenseite werden da schnell gezielte Falschmeldungen unterstellt, wobei man in öffentlich-rechtlichen Redaktionsstuben eher mit einer geschickten Auswahl von dem arbeitet, was man berichtet und was nicht, aber eben auch mal Tatsachen verschönert  – aber natürlich offene und damit enttarnbare Falschmeldungen vermeidet, um den „guten Ruf“ (oder was davon übrig ist) nicht zu gefährden.

Die Donezker Separatistin

Mit einem prominenten Vorwurf einer gezielten Lüge durch das ZDF aus dem Internet wollen wir uns heute in unserer Reihe „Fakt oder Fake“ beschäftigen, die inzwischen weite Kreise gezogen hat: Der Donbass-Beitrag aus dem Heute-Journal vom 12.07.2014.  Hier die Sequenz in einer Bearbeitung, die unter deutschen Sympathisanten der Separatisten aktuell durch das Netz zieht:

Die Darstellung des gesendeten Beitrags in diesem Video ist richtig, was sich in der Mediathek des ZDF überprüfen lässt. Wie jeder merkt, der Russisch kann sagt die Frau (herunter gedreht):

„Geht weg von hier! Lasst uns in Ruhe! Ich will leben und meine Kinder in Frieden erziehen!“

Das ZDF macht in seinem unterlegten Kommentar wirklich daraus:

„Merk Dir mein Gesicht Poroschenko! Ich werde persönlich nach Kiew kommen und Dich und Deine Familie umbringen.“

So wird nach dem ersten Eindruck aus einer Sympathisantin der Separatisten, die sich in ihrem Statement Frieden für sich und ihre Kinder wünscht, plötzlich durch eine falsche Übersetzung eine separatistische potentielle Mörderin von Präsidenten und Kindern. In der ZDF-Mediakthek findet sich am Anfang des Beitrags übrigens dieser kleine Text:

Bildschirmfoto 2014-07-25 um 06.43.18

Dem ZDF scheint nicht entgangen zu sein, dass die falsche Übersetzung entdeckt wurde und nun durchs Internet geistert. Man hielt es dann sogar für nötig, ein kleines eigenes Zusatzvideo zu produzieren unter dem Titel „Keine Manipulation im Interview mit ukrainischer Frau“:

Keine Manipulation? Andere Manipulationsmethode!

Das ZDF weist mit diesem Video jedoch nur nach, dass es sehr wohl manipuliert, aber eben auf seine „sanfte“, gewohnte Art mit dem System von Informationen weglassen und andere bringen, gezielten Schnitten, aber eben nicht mit einer offenen Lüge, wie von der Gegenseite hier fälschlicherweise unterstellt.

Die Form der Bearbeitung ist offenbar wirklich ein Versehen. Ein „wegzuschneidender“ Teil wurde gelassen und falsch unterlegt, der „gewollte“ aus Versehen weg geschnitten. Das ZDF dürfte wissen, dass es in Deutschland Leute gibt, die Russisch können. Manipulativ ist jedoch der geplante Schnitt des Beitrags an sich, der hier ausnahmsweise einmal vom ZDF selbst offen gelegt wird, weil man sich dazu gezwungen fühlt.

Von der Aussage der Frau sollte im Heute-Journal der Teil des Reuters-Material, der positiv gewirkt hätte (ich sorge mich um die Kinder, ich will Frieden) verschwinden, während der Teil, der sich schlecht ausschauen lässt (ich töte den Präsidenten und seine Kinder) alleine übrig bleibt. So verschleiert der geplante, geschickte Schnitt den Grund, warum die Frau gegenüber Poroschenko so aufgebracht ist (er bringt Krieg in ihre Heimat) und stellt sie damit als grundlose „blindwütige Fanatikerin“ dar und nicht als eine Frau, die überdreht, weil ein Präsident Krieg in ihre Heimat bringt.

So funktioniert geschickte Manipulation, bei der sich keine echte Lüge nachweisen lässt – der vollständige Text des Interviews wäre ja ohne den „Fauxpas“ nie ans Licht gekommen und der aus den Zusammenhang gerissene Teil wäre alleine stehen geblieben. Man sollte Meinungsmachern großer Medien nie Dummheit oder die „globale Weltverschwörung“ unterstellen, da auch an der gezielt falschen Darstellung eines Konfliktes durchaus intelligente Leute arbeiten, die von der Richtigkeit des Lagebildes in ihrem Kopf nur so überzeugt sind, dass sie bereit sind, die Darstellung der tatsächlichen Lage vor Ort darauf anzupassen und nicht umgekehrt. Das funktioniert bei russischen Staatsmedien nicht anders – erschreckend ist es jedoch, wenn westliche „Apostel der Meinungsfreiheit“ so arbeiten.

Große Meldung – kleines Dementi

Zusätzlich ist es für das ZDF natürlich geschickt, dass das „Dementi“ aktuell knapp 7.000 Zuschauer hatte, der falsche Bericht im abendlichen Heute-Journal jedoch mehrere Millionen, die man ein weiteres mal manipulieren konnte, obwohl dabei etwas richtig schief lief. Diese konnten mehrheitlich nämlich weder Russisch, noch konnten sie den leise gedrehten O-Ton hören. Somit ist die Manipulation durch eine falsche Übersetzung ein Fake – die Manipulation des ZDF durch seine Berichterstattung an sich jedoch leider Fakt.