Gas von der Krim wärmt Menschen in der Ukraine

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Die Einwohner von Genitschesk im Südosten der Ukraine haben es wieder warm. Sie bekommen wieder Gas zum Heizen und Kochen.

Gleich nach Beginn des neuen Jahres war das passiert, womit niemand im Winter rechnen konnte – es wurde kalt, saukalt. Sowohl in der Ukraine, wie auch in Russland drehten die Menschen die Heizungen auf, um es schön kuschelig zu haben. Das funktionierte aber in Genitschesk im Südosten der Ukraine, am Rande der Halbinsel Krim, nicht, weil es kein Gas gab. Die Bevölkerung fror in ihren Wohnungen, es wurden in aller Eile an mehreren Standorten in der Stadt Aufwärmstationen eingerichtet für all jene, die keine Möglichkeit hatten, mit Elektroenergie zu heizen. Dabei war der nur wenige Kilometer entfernte unterirdische Gasspeicher von Glebowkoje gut gefüllt.

Das Problem ist nur, dass das Reservoir auf der Krim liegt, die ja bekanntlich vor zwei Jahren der Russischen Föderation beigetreten ist. In diesem Zusammenhang hatten die neuen Machthaber auf der Halbinsel alle Lagerstätten von Bodenschätzen zu ihrem Eigentum erklärt, einschließlich des Erdgasspeichers von Glebowskoje, der nach Angaben der ukrainischen Energie-Gesellschaft Naftogas, aus dem Chersoner Vorkommen auf ukrainischer Seite gespeist wird, als Reserve für den Winter. Das ist notwendig, weil Genitschesk nicht an das Erdgasnetz der Ukraine angeschlossen ist. In den frostfreien Zeiten wird die Stadt unmittelbar aus der Gasquelle versorgt, nur eben im Winter reicht die geförderte Menge dafür nicht aus, so dass der unterirdische Speicher angezapft werden muss. Im vergangenen funktionierte das offenbar reibungslos.

Man hatte sich vor dem Beginn der Heizperiode auf dem „kleinen Dienstweg“ mit stillschweigender Zustimmung der Landesobersten über die Bedingungen verständigt und so strömten 330.000 m³ Erdgas über den Winter von der Krim auf die Ukraine. Nur im vergangenen Herbst hatte die ukrainische Seite versäumt, sich mit den Partnern auf der Krim ins Benehmen zu setzen. Vielleicht wegen der Kohle fürs Gas, vielleicht auch aus Prinzip. So kam es offensichtlich dazu, dass das staatliche Energie-Unternehmen der Krim, Tschernomorneftegas, ab dem 1. Januar 2016 den Gashahn in die Ukraine zudrehte und die Einwohner von Genitschesk nicht mehr die wärmende Fürsorge ihrer Stadtführung spürten.

Was nun folgte, gehört wieder ins Propaganda-Gruselkabinett: Vorgestern teilte Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow mit, es sei die Bitte des Bürgermeisters von Genitschesk um die Lieferung von 150.000 m³ Erdgas eingegangen, „um die Bevölkerung der Stadt nicht frieren zu lassen“. Präsident Putin habe – als humanitäre Geste – dieser Bitte entsprochen und den entsprechenden Auftrag erteilt.

Als die Äußerungen Peskows durch die Medien gingen, konterte der Genitschesker Stadtchef Alexander Tulupow, er habe sich nie mit einem derartigen Anliegen an den russischen Präsidenten gewandt. Hat er auch nicht, aber er setzte sich mit der Führung auf der Krim in Verbindung, wie Sergej Axjonow, Präsident der Autonomen Republik Krim mitteilte, um eine Lösung des Problems zu finden. In Simferopol wollte man sich dafür aber das Placet aus Moskau holen. Natürlich haben die Russen sofort die Gaslieferung angeordnet, konnten sich aber die Steilvorlage für ihre Propaganda nicht entgehen lassen. Wobei die nächste Runde sehr bald folgen dürfte, nämlich bei der Frage, wer denn nun für die Lieferung bezahlt.

Aber das einzig Wichtige ist, dass die Einwohner von in Genitschesk wieder im Warmen sitzen, weil sich beide Seiten, trotz aller Wortgefechte mit Platzpatronen, zum Wohle der Menschen letztlich verständigt haben. Vielleicht ist das ja ein gangbarer Weg für die Zukunft.
(Hartmut Hübner/russland.ru)

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.