„In“ in Deutschland: Nachrichten „Made in Russia“

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Angesichts des Images, das die großen deutschen Medien russischen Newsanbietern pauschal  zu verpassen versuchen, könnte man es nicht für möglich halten, aber es ist wahr: Nachrichten „Made in Russia“ gewinnen im deutschsprachigen Internet mehr und mehr an Boden.

20 % mehr Follower in vier Monaten

Es ist noch keine vier Monate her, als wir eine Auswertung der Follower russischer und auf Russland spezialisierter Newsanbieter in den deutschsprachigen Sozialen Netzwerken machten. Nun haben wir noch einmal einen Blick nach Facebook und Co. geworfen und konnten feststellen, dass die Anzahl der Follower der deutschsprachigen Programme aus Russland in dieser kurzen Zeit um etwa 20 % gestiegen ist – von knapp 350.000 auf über 430.000, also um über 80.000 Follower.  Es ist davon auszugehen, dass 95 % von ihnen – wie bei uns – in Deutschland, Österreich und der Schweiz wohnen. Die aktuellen Zahlen teilen sich wie folgt auf:

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Für Kreml-Medien lohnt sich kämpferisches

Sehr deutlich ist zu sehen, dass es innerhalb der vom russischen Staat abhängigen Medien große Verschiebungen gibt. Voll auf geht weiter das Konzept von RTdeutsch, das sich in Deutschland erfolgreich das Image des kämpferischen „Anti-Mainstreams“ verpasst, auch wenn es haargenau der aktuellen russischen Mainstreamlinie folgt. Betont kämpferisch tritt die deutsche RT-Abteilung mit Büro in Berlin auf und hängt damit die noch etwas mehr auf Renomee und Sachlichkeit setzende Sputniknews ab, die eher stagnieren. RTdeutsch ist in deutscher Sprache in allen nennenswerten Sozialen Netzen zum russischen Platzhirsch mutiert, der sehr zahlreichen Anti-Werbung der deutschen Kollegen zum Trotz – oder vielleicht gerade wegen ihr? Auch der Zoff mit  zuvor unterstützenden deutschen stark rechtslastigen Strategen tat dem Erfolg keinen Abbruch. Besonders zugelegt hat man in den letzten Monaten auf Facebook und YouTube – ein Manko von Sputniknews ist die aktuell fehlende eigene Online-Videoproduktion, die auch beim Vorgänger RIA Novosti nicht so richtig lief. Ganz weit abgeschlagen ist das eher auf „versöhnlich“ und Imagepflege setzende Onlineangebot von „Russia beyond the headlines deutsch“, das als einziges der „Kremlmedien“ auch manchmal Kritik an der russischen Regierung enthält – aber das ist es wohl nicht, was deutsche Surfer suchen, wenn sie auf staatlich russischen Medien unterwegs sind.

Die Reihen der Unabhängigen lichten sich

Der einzige russische, aber nicht staatliche Newsanbieter auf deutsch mit einem erheblichen Marktanteil sind wir – russland.RU. Wir konnten auch als einzige Unabhängige stärker wachsen, als der Gesamtmarkt, was vor allem an unseren Zuwächsen bei YouTube und Facebook im Herbst und Winter liegt. Oberhalb des Promillebereichs gibt es sonst nur noch das unpolitische Russlandjournal, das vor allem auf Sprach- und Landesinfos setzt sowie die deutschsprachige Abteilung des Krimsenders Newsfront, die im Ukrainekonflikt entstanden ist.  Beide verlieren aber mehr und mehr den Anschluss an die größeren, ebenso wie „Russia beyond the headlines“ und schon lange zuvor sämtliche anderen Minizeitungen auf deutsch, die es zwischen Kaliningrad und Moskau gibt und die meist nur über regionale Leser verfügen, selbst Medien mit Print, Budget und viel Tradition wie die Moskauer Deutsche Zeitung. Fast alle kleinen verfügen jedoch nur über einen winzigen Bruchteil des Budgets, das die vom Kreml finanzierten Nachrichtenorgane raus hauen können. Das sollte man beim Vergleich von Marktanteilen immer im Hinterkopf behalten und betrifft auch russland.RU – bei den Followern pro ausgegebenem Euro behaupten wir mal, uns in der absoluten Spitzengruppe zu befinden.

Wo russische News auf deutsch zu lesen sind

Bei der Verbreitung von Nachrichten aus Russland spielt mit Abstand Facebook die größte Rolle mit mehr als drei Vierteln aller deutschen Follower, wo außer russland.RU alle Anbieter ihre stärkste Vertretung haben. Daneben spielen nur noch YouTube, wo wir selbst am stärksten sind und Twitter eine  Rolle, während alle anderen Sozialen Netze nur Followerzahlen im Promillebereich zu unserer obigen Grafik beisteuern, auch das einstmals noch etwas bedeutendere Google+. Nicht in der Auswertung enthalten ist Tumblr, wo außer uns aber auch nur RTdeutsch vertreten ist und man Fanzahlen fremder Seiten nicht von außen einsehen kann – so haben wir unsere eigenen ebenfalls weg gelassen.  Einen Spitzenreiterplatz haben wir übrigens bei einem im Newsbereich weniger wichtigen Netz: Auf Instagram folgen uns die meisten, seit Anna Smirnowa von ihrer Arbeit für uns in Petersburg fleißig Fotos postet. Petersburg ist halt interessant. Aber das sollten wir vielleicht hier nicht schreiben, bevor es die Konkurrenz liest 🙂

Foto und Grafik (c) russland.RU 2016

 

Über den Autor

Roland Bathon
Geboren 1970 in Franken und dort seitdem wohnhaft, aber regelmäßig in Russland und mit familiären Banden dorthin. Zum Thema Russland bin ich ursprünglich über meine allgemeine Osteuropa- und Reiseleidenschaft in den 90er Jahren gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten das Land ausgiebig individual kennengelernt. Später habe ich auch mehrere Bücher über Russlandreisen und andere Russlandthemen mit verfasst, bis es mich Mitte des letzten Jahrzehnts mehr und mehr in die Richtung Film, vor allem den Schnitt verschlagen hat. Bei russland.RU seit 2007 zuständig zunächst für den Aufbau und bis heute die inhaltliche Schwerpunktsetzung von russland.TV. Bei Eigenproduktionen meist zuständig für den Schnitt und eine Art Schaltzentrale für viele wichtige Mitarbeiter und Kontakte.