Jähes Ende eines Pleitejahres: Biathlon-Jahresabschluss in Russland wegen Sturm abgesagt

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Mit zwei Massenstarts sollte am Sonntag die Biathlon-Saison 2015/2016 abgeschlossen werden. Aber stürmische Winde mit Orkanböen ließen den Wettbewerb nicht zu – die Rennen wurden abgesagt. Symbolisch für die schlechte Leistung der Russen in diesem Jahr: Im windverwehten Stadion von Chanty-Mansijsk stürzte ein Lichtmast auf die Schießanlage. Nichts geht mehr!

Bis dahin hatte es bei der heimischen Abschluss-Weltcup-Etappe wieder keine Medaillen für die russischen Biathleten gegeben. Beste war ausgerechnet Tatjana Akimowa, die im Einzel immerhin Platz 12 einfuhr. Der Internationale Biathlonverband (IBU) kürte sie denn auch zur „Newcomerin des Jahres“ – genau wie zuvor schon den Russen Anton Babikow. Wenigstens das ist ein Trost und lässt hoffen, dass die Nachrücker es in Zukunft besser richten.

Das hat selbst das Wetter nicht ausgehalten…“

Die Saison war ein derartiger Reinfall für die Russen, dass in Chanty-Mansijsk ein Scherz die Runde machte: „Selbst das Wetter konnte das nicht mehr aushalten.“ Laut einem Reporter von „Sport-Express“ waren die russischen schießenden Skifahrer heilfroh, von der Himmelskanzlei erlöst zu werden. So hatte die Quälerei endlich ein – wenn auch sehr abruptes – Ende.

Einziger Lichtblick in der abgelaufenen Saison war die Etappe im italienischen Antholz, wo die Russen richtig abräumten – viermal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze standen zum Schluss auf der Habenseite. Dem folgte allerdings – nach dem zweiwöchigen Ausflug nach Nordamerika, den viele als überflüssig und kontraproduktiv kritisierten – eine absolute Schlappe bei der Weltmeisterschaft am Holmenkollen in Oslo.

Trainer ohne Rezept?

Letzt Hoffnung und letzte Chance war Chanty-Mansijsk im heimischen Sibirien. Aber auch dort wollte es nicht laufen – die Athleten hatten keine Kräfte, keine Emotionen und keine Lust mehr. Und der Trainerstab hatte mal wieder nichts anderes zu sagen als: „Wir werden alles einer tiefen Analyse unterziehen.“ Bei diesen „Erklärungen“ durfte der Klassiker natürlich nicht fehlen, der in allen Sportarten herhalten muss, wenn es nicht läuft: „Das ist eben Biathlon!“

Offensichtlich gibt es Spannungen zwischen den Trainern untereinander und zwischen Trainern und Sportlern. Auffällig ist die schlechte Atmosphäre in der Mannschaft. Hier bedingt eins das andere: Die Resultate stimmen nicht, also geht die Stimmung in den Keller, und umgekehrt.

Sport-Express“ wagt einen Ausblick: „Welche Änderungen nach dieser Saison im russischen Biathlon erfolgen, ist noch unklar. Aber dass sie notwendig sind, ist eindeutig. Obwohl das nicht heißt, dass es hinterher besser wird. Wie die Praxis zeigt, rufen Resultate, die heute fürchterlich erschienen, nach einer gewissen Zeit warme Erinnerungen hervor. Aber daran wollen wir lieber gar nicht denken. Jetzt sollten alle einfach durchatmen. Endlich ist diese Saison vorbei. Wollen wir hoffen, dass unsere Mannschaft niemals mehr etwas Derartiges erleben wird.“

[sb/russland.RU]