Masleniza – die Russen vertreiben den Winter

Masleniza_in Belgorod_Bild_Лобачев_Владимир_CC-BY-SA_4.0Masleniza_in Belgorod_Bild_Лобачев_Владимир_CC-BY-SA_4.0
image_pdfimage_print

Sie sind unübersehbar, die riesigen Strohfiguren auf dem Gelände der ehemaligen Volkswirtschaftsausstellung  (WDNCh) in Moskau und künden vom Beginn der Masleniza, der russisch-orthodoxen Fastnachtswoche. Sie dauert bis zum „Großen Fasten“, das vom 13. März bis Ostern Enthaltsamkeit verlangt.

Die Bezeichnung Masleniza kommt vom russischen Wort „Maslo“ für Butter und bedeutet, dass in dieser Woche noch einmal richtig geschlemmt werden darf. Vor allem  „Bliny“, in Deutschland, je nach Region bezeichnet, als Eier- , Pfannkuchen oder auch Plinsen, die mit allerlei Belägen – hausgemachter Marmelade, Banane, Erdbeeren und Mascarpone, Äpfeln und Ahornsirup, Lachspastete, mit bayerischen Würstchen und Käse, mit Thunfisch und Chili – versehen sind.

Bis zum Sonntag wird die Zentrale Allee der WDNCh zum Fastnachtszentrum Moskaus. Die Gäste erwarten u.a. eine Bliny-Messe, das Erschaffen von Kunstobjekten aus Heu und Stroh, aber auch Ökologie-Meisterklassen, Konzerte mit der Musik der Völker Russlands und ein umfangreiches Programm mit Zeichentrickfilmen und vielerlei Vergnügungen für die Kinder. So können die Kleinen lernen, Holzlöffel zu bemalen und Puppen aus dem Bast zu flechten.  Höhepunkt ist am Sonntag, dem letzten Tag  der Fastnachtswoche, um 17 Uhr das Verbrennen der Strohpuppen, womit der Winter endgültig vertrieben werden und dem Frühling an die Macht verholfen werden soll.

Maslenita_Strohpuppe_Foto_Schekinov_Alexey_Victorovich_CC-BY-SA-3.0_300

Maslenita_Strohpuppe_Foto_Schekinov_Alexey_Victorovich_CC-BY-SA-3.0_300

Gefeiert wird aber überall in der Stadt: Alle Kultureinrichtungen – Parks, Bibliotheken, Kulturhäuser, Museen, Kunstschulen, Theater und Kinos bieten spezielle Programme für alle Altersgruppen. Insgesamt wird es in der Stadt an 500 Orten über anderthalb Tausend Veranstaltungen geben. Nach Schätzungen der Stadtverwaltung werden daran im Laufe der Woche zwei Millionen Bewohner der Hauptstadt und mindestens eine halbe Million Touristen teilnehmen.

Ihren Höhepunkt erreichen die Feste der Fastnachtswoche am 12. und 13. März in 25 Moskauer Parks. Der Besucher erlebt einen Bliny-Schnellback-Wettbewerb, Prozessionen mit Rasseln und Tröten, volkstümliche Wettkämpfe, wie Tauziehen, eine Schlacht mit Säcken und den traditionellen Wettbewerb des Erklimmens der Masleniza-Säule. Nicht fehlen dürfen die traditionellen Reihen von Verkaufsständen, Konzerte und Feuerwerke. Und überall endet das fest mit dem Verbrennen der Strohpuppen.

Am Puschkin- und am Krim-Ufer der Moskwa findet am Wochenende ein zweitägiges Folk & Rock-Musikfestival statt. Ebenfalls am Puschkin-Ufer wird eine Installation des ungarischen Malers Gabor Szoke zu sehen sein. Sie besteht aus zwei Teilen – einer  fünf Meter hohen Bärenhöhle und einem dreieinhalb Meter großen graubraunen Bären, der in dieser Höhle seinen Winterschlaf hält. Die Bärenhöhle verbrennt und verschwindet wie der Winter, während der Bär als Symbol des erwachenden Frühlings weiter im Park lebt.

Wer sich nicht selbst unter das feiernde Volk begeben will, kann in diesem Jahr auch das Angebot des hauptstädtischen Internet-Dienstes „Fenster in die Stadt“ nutzen und über die zahlreichen in der Stadt installierten Video-Überwachungskameras die meisten Masleniza-Veranstaltungen online in Echtzeit verfolgen oder sich die interessantesten Events für einen Besuch auswählen. Man kann sich dieses Programm auch als App auf sein Mobiltelefon  herunterladen und sich die Staus auf dem Weg zu seinem Ziel anzeigen lassen. Die Hauptveranstaltungen auf dem Manege-Platz und bei Kusnezkij Most können auf einer speziellen Masleniza-Seite der Moskauer Stadtverwaltung verfolgt werden.

Am Sonntag wird mit Gottesdiensten die Fastenzeit eröffnet, die unmittelbar vor dem Osterfest am 30. April endet.
(Hartmut Hübner/russland.ru)

Boris Kustodiev Maslenitsa, 1919

Boris Kustodiev Maslenitsa, 1919

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.