Michail Sergejewitsch Gorbatschow


Michail Sergejewitsch Gorbatschow war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und von März 1990 bis Dezember 1991 Staatspräsident der Sowjetunion. Durch seine Politik der Glasnost (Offenheit) und der Perestroika (Umbau) leitete er das Ende des Kalten Krieges ein. Er erhielt 1990 den Friedensnobelpreis.

News Archiv

Michail Gorbatschow - Biografische Daten

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in der Familie eines Bauern im Dorf Priwolnoje (Rayon Krasnogwardejsk, Region Stawropol) geboren.

1955 absolvierte er die Moskauer staatliche Lomonossow-Universität (Jura) und 1967 in einem Fernstudium die Agrarhochschule von Stawropol (Wirtschaft).

Ab 1955 übte er verschiedene Funktionen im Komsomol (Leninscher Kommunistischer Jugendverband) aus: Erster Sekretär des Komsomolkomitees der Stadt Stawropol, stellvertretender Leiter der Abteilung für Propaganda und Agitation, zweiter und Erster Sekretär des Komsomolkomitees der Region Stawropol.

Ab 1962 ging er zur Arbeit in der KPdSU über: Parteiorganisator der territorialen und produktionstechnischen Verwaltung der Kolchose und Sowchose der Region Stawropol; ab 1966 Erster Sekretär des Stadtkomitees der KPdSU von Stawropol, ab 1968 zweiter Sekretär des Parteikomitees der Region Stawropol; 1970 – 1978 Erster Sekretär des Parteikomitees der Region Stawropol.

1970 wurde er in den Obersten Sowjet der UdSSR gewählt. Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU (1971 – 1991). Ab November 1978 Sekretär des ZK der KPdSU für Landwirtschaft; zur selben Zeit zog er mit ständigem Wohnsitz nach Moskau um.

Von Oktober 1980 bis Juli 1991 Mitglied des Politbüros des ZK der KPdSU.

Am 11. März 1985 wurde Gorbatschow bei einem außerordentlichen ZK-Plenum zum Generalsekretär des ZK der KPdSU gewählt, am 6. Mätz 1986 wiedergewählt.

1985 – 1988 verwirklichte Gorbatschow radikale Veränderungen im außenpolitischen Kurs der Sowjetunion. Auf dem 27. Parteitag der KPdSU (Februar – März 1986) gab er das sowjetische Programm für den Aufbau einer atomwaffenfreien Welt bis zum Jahr 2000 bekannt.

Am 1. Oktober 1988 wurde er zum Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR gewählt. Vom 25. Mai 1989 bis März 1990 war er Vorsitzender des Obersten Sowjets der UdSSR. Am 15. März 1990 wurde Gorbatschow zum Präsidenten der UdSSR gewählt. Er sollte in der Geschichte der Sowjetunion ihr erster und letzter Präsident bleiben.

Der von Michail Gorbatschow verkündete Kurs auf Glasnost führte insbesondere dazu, dass 1990 ein Gesetz über die Presse verabschiedet wurde, das die staatliche Zensur abschaffte. Der Präsident der UdSSR ließ das Akademiemitglied Andrej Sacharow aus der politischen Verbannung nach Moskau zurückkehren. Es begann der Prozess der Rückverleihung der sowjetischen Staatsangehörigkeit an diejenigen, denen sie abgesprochen worden war, und an die des Landes verwiesenen Dissidenten. Eine umfassende Kampagne der Rehabilitierung der Opfer der politischen Repressalien setzte ein.

Im April 1991 unterzeichnete Gorbatschow Abkommen mit den Leitern von zehn Unionsrepubliken der UdSSR über die gemeinsame Vorbereitung des Entwurfes eines neuen Unionsvertrages, dessen Aufgabe darin bestand, die Sowjetunion zu erhalten. Die Unterzeichnung wurde für den 20. August angesetzt. Am 19. August gaben die engsten Mitstreiter Michail Gorbatschows, darunter die Vertreter der Sicherheitsministerien, die Schaffung des GKTschP (Staatliches Komitee für den Ausnahmezustand) bekannt. Sie forderten von dem Präsidenten, der auf Urlaub auf der Krim weilte, im Lande den Ausnahmezustand einzuführen oder aber zeitweilig die Macht an den Vizepräsidenten G. Janajew zu übergeben. Da Gorbatschow diese Forderungen ablehnte, wurde er für drei Tage in der Präsidentenvilla in Foros (Krim) isoliert und kehrte am 21. August nach Moskau zurück.

Am 24. August 1991 legte er die Funktion des Generalsekretärs des ZK der KPdSU nieder. Am 25. Dezember 1991, nach Unterzeichnung der Abkommen von Beloweschskaja Puschtscha (Auflösung der UdSSR), erklärte M. Gorbatschow, er stelle seine Tätigkeit auf dem Posten des Präsidenten der UdSSR ein, und unterzeichnete einen Erlass über die Übergabe der Verfügungsgewalt über die strategischen Kernwaffen an den Präsidenten Russlands Boris Jelzin.

Durch seinen allerletzten Erlass gründete der Ex-Präsident der UdSSR auf der Basis der ehemaligen Forschungsinstitute beim ZK der KPdSU eine Internationale Stiftung für sozialökonomische und politologische Forschungen („Gorbatschow-Stiftung“), der er seit Januar 1992 als Präsident vorsteht.

Am 27. April 1996 wurde er zum Vorsitzenden der gesellschaftspolitischen Bewegung „Bürgerforum“ gewählt. Als vorrangige Aufgabe der Bewegung wurde die Unterstützung der Kandidatur Gorbatschows bei den Präsidentenwahlen im Sommer 1996 formuliert.

Seit Juni 1993 ist Gorbatschow Präsident der internationalen Umweltorganisation „Grünes Kreuz“.

Im März 2000 wurde er Vorsitzender der Russischen Vereinigten Sozialdemokratischen Partei.

Im Mai 2000 trat Gorbatschow an die Spitze des gesellschaftlichen Rates der Fernsehgesellschaft NTV. Seit dem 24. November 2001 steht er der Sozialdemokratischen Partei Russlands (SDPR) vor, die auf der Basis der russischen Vereinigten Sozialdemokratischen Partei (Gorbatschow), der Russischen Partei der Sozialdemokratie (K. Titow) und der Bewegung „Sozialdemokraten“ (G. Popow) gegründet wurde. Gorbatschow hat den Titel eines Doktors der Internationalen Universität (Moskau 2002) inne.

Präsident von MWD (Men’s World Day) ab November 2000.

Von seinen drei Leninorden bekam er den ersten, als er noch Kombineführer gewesen war, außerdem wurde er mit dem Orden der Oktoberrevolution, des Roten Arbeitsbanners, dem Ehrenabzeichen und mehreren Medaillen ausgezeichnet.

Träger des Friedensnobelpreises (1990) sowie vieler ausländischer Auszeichnungen und Preise.

Er wurde der höchsten Auszeichnung Deutschlands gewürdigt: des Verdienstkreuzes der höchsten Stufe, das ihm für seinen Beitrag zur Sicherung der deutschen Einheit zuerkannt wurde (1999). Auch ist er Träger des Preises „Russischer nationaler Olymp“ und des Titels „Mann der Epoche“ (März 2000).

Träger des amerikanischen Preises der Delta Airlines „für globales gegenseitiges Verstehen, die Festigung des Friedens und den Umweltschutz“ (April 2001).

Gorbatschow schrieb mehrere Bücher, darunter: „Perestroika und neues Denken für unser Land und die ganze Welt“, „Das Leben und die Reformen“; er ist publizistisch tätig und hält Vorträge in vielen Ländern der Welt. Seine Hobbys: Schöngeistige Literatur, Theater, Filmkunst, Musik, Spaziergänge zu Fuß.

Seine Frau, Raissa Maximowna, starb am 20. September 1999 in einer Klinik von Münster an akuter Leukämie.

Gorbatschow hat eine Tochter (Irina) und zwei Enkelinnen.