Palmyra: Russische Ermitage hilft bei Rekonstruktion

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St. Petersburg/Palmyra – Die Petersburger Ermitage hat unmittelbar nach der Zurückeroberung von Palmyra durch syrische Truppen zugesagt, die syrische Regierung bei der Wiederherstellung des antiken Ruinenkomplexes zu unterstützen. Vorausgegangen waren massive Luftschläge der russischen Luftstreitkräfte.

Eine europäische Kultur-Kommission, die die Reste der antiken Anlage als erste begutachtete, befand, dass die Schäden, die die historischen Plätze davon getragen hat, durchaus reparabel seien. Zwar wurden von den Terrormilizen etliche Fragmente des mächtigen Komplexes in blindem Hass zerstört, jedoch seien die Schäden nicht so eklatant wie zuerst befürchtet und relativ einfach zu rekonstruieren.

Unverzüglich nach der Befreiung der Oasenstadt versicherte Michail Piotrowski, der Direktor des staatlichen Kunstmuseums Ermitage in St. Petersburg, den Wiederaufbau des Weltkulturerbes Palmyra zu unterstützen. Die Ermitage gilt als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt und beschäftigt etliche hervorragend ausgebildete Kunsthistoriker und Restauratoren in ihren Reihen.

Russisches Engagement und der Appell zur Unterstützung

In einem Interview mit dem russischen Sender „Rossija-24“ erläuterte der Direktor: „Es ist sehr wichtig für uns, die symbolische Rolle Palmyras bei der Wiederherstellung zu bewahren. Ich glaube, dass die Restaurierung die internationalen Bemühungen vereinen wird. Selbstverständlich werden auch wir uns mit all unserer umfangreichen Erfahrung beteiligen.“ Denn laut Piotrowski ist die Befreiung Palmyras nicht nur ein erfreuliches Ereignis und ein wichtiger militärischer Erfolg für die syrischen Truppen, sondern sie führt auch vor Augen, dass der Kulturaspekt alle Geschehnisse in einem neuen Licht zeigen kann.

Piotrowski sprach davon, dass gerade Leningrad/St. Petersburg viel Erfahrung beim Wiederaufbau zerstörter Kulturdenkmäler habe. Er erinnerte dabei besonders an die Vorstadtresidenzen in Peterhof und Zarskoje Selo, die nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch in Ruinen lagen.

Unterdessen habe sich ein erster Trupp russischer Pioniere vom Flughafen Tschkalowski bei Moskau auf den Weg gemacht, um das Gelände von zurückgelassenen Minen zu säubern, vermeldete der russische TV-Sender „Erster Kanal“. Demnach seien an Bord einer Antonow An-124 zunächst eine Gruppe Pioniere samt Spürhunden und Ausrüstung nach Palmyra gebracht worden. In den nächsten Tagen sollen weitere Suchtrupps sowie Robotertechnik entsendet werden.

Nicht dass jetzt der Anschein aufkäme, Russland wolle diesen Part allein für sich beanspruchen. Unmittelbar nach der Bekanntgabe der notwendigen Unterstützung Syriens erfolgte der ermutigende Aufruf Moskaus an Vertreter anderer Länder, sich an dieser Operation zu beteiligen. Angesichts der Tatsache, dass sich die Regierungen in London und Washington vehement dagegen wehren, die tragende Rolle des russischen Militärs bei der Befreiung Palmyras anzuerkennen, darf man gespannt sein, wer nun gewillt ist, helfend mit anzupacken.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.