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Flattr this 01-04-2006 Personalie
Sergej Iwanow seit fünf Jahren Verteidigungsminister Russlands. Was kommt weiter?
Am 28. März 2001 ist der erste Zivilist zum Verteidigungsminister Russlands ernannt worden. Was hat sich denn in diesen fünf Jahren nach der Berufung von Sergej Iwanow in dieses Amt geändert? Die Pressekonferenz habe nach seinen Worten nichts mit diesem Datum zu tun, das sei ein einfaches zeitliches Zusammenfallen. So oder anders, gab Iwanow auf der Pressekonferenz einige Zahlen bekannt:

- in den fünf Jahren hat sich der Militärhaushalt Russlands auf 711 Milliarden Rubel mehr als verdreifacht, wobei die Ausgaben für den Erwerb neuer Kampftechnik und Rüstungen von 117 Milliarden auf 236 Milliarden Rubel stiegen;

- das Verhältnis zwischen Budgetmitteln für den Unterhalt und die Entwicklung der Streitkräfte änderte sich von 70 zu 30 auf 60 zu 40;

- 2005 wurden 400 neue Muster von Waffen in den Dienst gestellt;

- die Entsoldung der Armeeangehörigen nahm zu;

- das Personal der Armee ging zurück, während die Zahl der Militärs auf Vertrag dagegen wuchs;

- allein 2005 wurden mehr als 30 groß angelegte Manöver ausgetragen;

- Schiffe der russischen Flotte unternahmen 28 Langzeitfahrten.

Iwanow gab auch traurige Fakten bekannt, die er als "unzulässig" bezeichnete:

- das Niveau der Kriminalität in der Armee bleibt unzulässig hoch, 2005 kamen 1064 Armeeangehörige aus verschiedenen Gründen ums Leben;

- in den fünf Jahren starben 202 Soldaten an den Folgen von Schikanen durch Dienstältere.

Zum (verkrüppelten Soldaten) Sytschow sagte Iwanow, dieser Fall habe dieses Problem noch aufmerksamer behandeln lassen. "Vieles wurde bislang getan, alle Anweisungen an Kommandeure, was sie zu melden haben - selbst die geringsten Vorfälle, die auch nicht unbedingt mit Rechtsverstößen zu tun haben, - sind durchgearbeitet."

Der Verteidigungsminister versprach unter anderem:

- dass der Wehrdienst ab 2008 nur ein Jahr dauert;

- dass die Zahl der Wehrdienstaufschübe geringer wird, die aber für Studenten weiter gültig bleiben;

- dass alle Armeeangehörigen, die ihre Verträge vor dem 1. Januar 1998 geschlossen haben, zum Jahr 2010 mit Wohnungen versorgt werden.

"Ich glaube daran und werde das durchsetzen, dass wir keine obdachlosen Militärs mehr haben, die nach dem Gesetz das Recht auf eine Wohnung haben", sagte Iwanow. Was soll das? Versionen

Von Journalisten auf eine mögliche Beförderung zu einem höheren Amt in der Regierung Russlands angesprochen, sagte Iwanow, er denke nicht an andere Posten außer denen, die er bekleidet. "In jedem Fall wäre es schade, das Amt des Verteidigungsministers zu verlassen. Aber irgendwann werde ich das tun müssen. Ich bin doch kein Unsterblicher und werde nicht ewig im Verteidigungsministerium sitzen. Irgendwann kommt die Zeit, dass ich gehen werde. Aber an andere Posten denke ich nicht, weil ich wenigstens das verwirklichen soll, was ich versprochen habe, im Laufe von sechs bis sieben Jahren zu tun."

Dennoch trägt sich die russische Presse in den letzten Tagen mit ernsthaften Analysen für Chancen Iwanows, das wichtigste Amt in Russland zu bekleiden. Es sei daran erinnert, dass Iwanow Ende März ernsthaft politisch befördert wurde - zum Leiter der ständigen Regierungskommission für den Militär-Industrie-Komplex. Zu den Ursachen für diesen "politischen Favoritismus" äußern einige Politiker ziemlich eindeutig: Iwanow sei einer der wichtigsten Nachfolger Putins. Der Führer der Kommunistischen Partei Russlands, Gennadi Sjuganow, ist der Ansicht, dass Iwanow jetzt nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Ministerpräsidenten fällt und nicht unbedingt auf Michail Fradkow hören muss. Einer ähnlichen Meinung ist auch Alexej Mitrofanow. Er stimmt ebenfalls zu, dass Sergej Iwanow und Dmitri Medwedew jetzt aktiv in führende Ämter ernannt werden. Kurz vor den Wahlen werde sich herausstellen, wer besser abgeschnitten habe.

Dagegen sieht der Kovorsitzende der Partei Rodina, Sergej Glasjew, Iwanow nicht in der Rolle des Präsidenten. "Er hat nicht einmal im Amt des Verteidigungsministers die erforderliche Qualität an den Tag gelegt." Der stellvertretende Vorsitzende der Partei Jabloko, Sergej Mitrochin, ist davon überzeugt, dass der Fall Andrej Sytschow das Ansehen Iwanows ruiniert und in der Zukunft noch mehr ruinieren wird. Andererseits erinnern mehrere Politiker und Vertreter des öffentlichen Lebens an die Zeit, als Putin auf dem politischen Schauplatz erschien: Als Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) sei er einem Präsidenten nicht ähnlich gewesen... Geäußert wurde auch ein schärferer Gedanke: "Einen Nachfolger zwei Jahre vor der Wahl hat es in Russland bislang nie gegeben." Deshalb kann dieser Rechenschaftsbericht Iwanows nicht als eine Vorbereitung auf die Wahlkampagne betrachtet werden. Das ist eher eine Rechtfertigung für Sytschow und ein Versuch, die Arbeit des eigenen Ministeriums transparenter zu machen.

Die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" bringt Äußerungen von Experten, die meinen, dass die PR-Komponente in den jüngsten Handlungen des Ministers immer deutlicher zum Vorschein kommt.

Andrej Rjabow, Mitglied des wissenschaftlichen Rates des Moskauer Carnegie-Zentrums, ist der Ansicht, dass die beiden potenziellen Nachfolger (Iwanow und Medwedew - Anm. der Redaktion) in der ersten Etappe keine Bonuspunkte bekommen, sondern vielmehr sie verloren haben. Medwedew habe offenkundige Probleme mit nationalen Projekten. Auf Iwanow lasteten der Fall Sytschow, ununterbrochene Veröffentlichungen über Schikanen in der Armee und die Kritik an der Militärreform. Die jüngsten Handlungen der beiden Politiker erklärt Herr Rjabow mit ihren Versuchen, die früheren negativen Momente mit gegenwärtigen PR-Aktionen zu vertuschen. "Iwanow ist sich bestens darüber im klaren, dass sein Ansehen vor allem unter den Jugendlichen durch den Fall Sytschow ernsthaft beschädigt wurde", meint der Politologe. Negatives bei Iwanow sei krass gewesen. Deshalb nehme sich jetzt das Positive an ihm deutlicher aus als bei Medwedew. Aber das sei keine Wahlkampagne, sondern eher ein Bestreben zu beweisen, dass sie würdig seien, Nachfolger zu werden.

Sergej Iwanow. Biographisches

Sergej Iwanow wurde am 31. Januar 1953 in Leningrad (jetzt St. Petersburg) in der Familie von Angestellten geboren. 1975 absolvierte er die Dolmetscher-Abteilung der Philologischen Fakultät der Leningrader Staatlichen Universität. Nach dem Studium nahm er die Arbeit beim KGB der UdSSR auf.

1976 absolvierte Iwanow höhere KGB-Kurse in Minsk.

Seit 1979: Arbeit im zentralen Apparat des KGB im System der Ersten Hauptabteilung (derzeit Auslandsaufklärungsdienst Russlands).

1981: Abschluss des Studiums an der 101. Schule der Ersten Hauptabteilung des KGB (jetzt Andropow-Institut).

1981-1983: Zweiter Sekretär in der sowjetischen Botschaft in London. 1983 wurde er aus Verdacht auf Spionageaktivitäten ausgewiesen.

Iwanow betrieb Aufklärungsaktivitäten auch in Finnland und Kenia, mag sich aber nicht zu seiner 18-jährigen Arbeit im Aufklärungsdienst nicht äußern.

Bis August 1998 leitete Iwanow das Department für Analysen, Prognosen und strategische Planung im Föderalen Sicherheitsdienst (FSB). Gerade dieses Department erstellt Berichte, die dann dem Präsidenten vorgelegt werden. Iwanow war seit Somer 1998 bis Herbst 1999 im Grunde genommen für die Informationsversorgung des Kremls verantwortlich.

August 1998: Ernennung zum stellvertretenden FSB-Direktor und zum Direktor des Departments für Analysen, Prognosen und strategische Planung im FSB.

15. November 1999: Ernennung zum Sekretär des Sicherheitsrates Russlands durch Präsidentenerlass.

28. März 2001: Absetzung als Sekretär des Sicherheitsrates und Berufung zum Verteidigungsminister Russlands.

24. Februar 2004: Rücktritt gemeinsam mit dem Kabinett Michail Kasjanow auf Präsidentenerlass.

9. März 2004: Ernennung zum Verteidigungsminister im Kabinett Michail Fradkows durch Präsidentenerlass.

Mai 2004: Nach der Amtseinführung des wiedergewählten Wladimir Putin wird Iwanow wieder zum Verteidigungsminister ernannt.

Generalleutnant a. D. Sergej Iwanow ist ständiges Mitglied des Sicherheitsrates Russlands. Iwanow spricht fließend Englisch und Schwedisch.

Sergej Iwanow ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Seine Frau Irina, Jahrgang 1953, gebürtige Moskauerin, hat ökonomische Hochschulbildung. [ RIA Novosti ]
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