Alexej Mordaschow - Russischer Milliardär steigt bei Arcelor ein
Alexej Mordaschow macht um sich selbst kein Aufhebens. Diskret und schwerreich, verkörpert der Severstal-Chef den Typ Unternehmer, der im heutigen Russland am erfolgreichsten ist. Mit 40 Jahren hat er bereits ein Vermögen von 7,6 Milliarden Dollar angehäuft und sich damit auf Platz 64 der "Forbes"-Liste der reichsten Leute der Welt platziert.
Als Mitglied des Klubs der Oligarchen geht der Stahlarbeitersohn im Kreml ebenso ein und aus wie in westlichen Wirtschaftsführerzirkeln. Sein Einstieg beim europäischen Stahlkonzern Arcelor ist da nur konsequent. Bisher einziger Makel an der Weste des russischen Magnaten: der hochöffentliche Rosenkrieg mit seiner Ex-Frau.
Mordaschow stammt aus Tscherepowez, der Stahlkocherstadt im Norden Russlands, rund 400 Kilometer von Moskau entfernt. Schon seine Eltern arbeiteten im örtlichen sowjetischen Hüttenkombinat, der Sohn stieg nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium in Sankt Petersburg dort ein. Als Severstal privatisiert wurde, sicherte sich der damals 30-Jährige nicht nur persönlich einen beträchtlichen Anteil an der Firma, sondern stieg 1996 auch zu deren Vorstandsvorsitzenden auf. Sein Ruhm rührt daher, dass er Severstal nicht kaputt sanierte, sondern erfolgreich modernisierte, so dass das Unternehmen heute zu den führenden russischen Stahlkonzernen zählt.
Seine gesamte Karriere hindurch spann Mordaschow auch Fäden in den Westen.
2001 machte er an der Universität von Northumbria in Großbritannien den Abschluss als Betriebswirt (MBA). Ab 2000 gehörte er der vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Russlands Präsident Wladimir Putin geschaffenen "Arbeitsgruppe für strategische Fragen der deutsch-russischen Kooperation im Wirtschafts- und Finanzbereich" an. 2005 tat sich seine Severstal Group mit dem europäischen Medienunternehmen RTL zusammen, um den russischen Fernsehsender REN-TV zu kaufen, an dem er bis heute 35 Prozent hält. In Russland wurde der Coup als Hilfestellung für Putin bewertet, denn dadurch erhielten die Behörden die Kontrolle über den letzten regierungskritischen TV-Sender zurück.
Überhaupt kommt Mordaschow auf seine unauffällige Art gut klar mit dem russischen Präsidenten. Zwar ist er Mitglied der Arbeitgeberorganisation RSPP, die sich für den inhaftierten Industriellen Michail Chodorkowski eingesetzt hat. Doch er selbst hielt sich in der Angelegenheit äußerst bedeckt - eine Hand wäscht die andere. Nicht nur erhielt Severstal den Auftrag zur Lieferung der Stahlrohre für die Ostsee-Pipeline. Auch die Arcelor-Fusion "wäre ohne eine politische Übereinkunft ganz oben" nicht möglich gewesen, schätzt der Analyst Rob Edwards von der Investmentfirma Renaissance Capital.
Nur einmal sorgte der Mordaschow für Aufsehen, und das ganz gegen seinen Willen. Der Rosenkrieg mit seiner Ex-Frau beschäftigte die russischen Medien
2001 über Monate. Jelena Mordaschowa protestierte öffentlich dagegen, dass Alexej sie 1996 mit der Dreizimmerwohnung, dem Lada und tausend Dollar im Monat abgespeist hatte. Denn unmittelbar nach der Trennung hatte er die Leitung von Severstal übernommen - und wurde Milliardär.[ Von Lucie Godeau ]