russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



29-05-2005 Sankt Petersburg
Restaurateure enthüllen Geheimnisse des Alexandrinski Theaters
Eines der ältesten Theater Russlands, das Alexandrinski Theater in Sankt Petersburg, wird gegenwärtig restauriert. Über die Entdeckungen, die von den Fachleuten im Verlauf der ersten Restaurierung seit dem Bestehen des Theaters gemacht werden, berichtete Prof. Alexander Tschepurow,

stellvertretender Direktor des Theaters für den wissenschaftlich-literarischen Bereich, in einem Interview für die Tageszeitung „Rossijskaja gaseta".

Das Theater wurde zu Ehren der Gattin des Zaren Nikolaus I. - Alexandra Fjodorowna - benannt. Das Gebäude wurde 1832 nach einem Entwurf des Architekten Karl Rossi, der Herkunft nach Italiener, errichtet. Rossis gesamtes Schaffen hing mit St. Petersburg zusammen.

Wie Prof. Tschepurow sagte, wurden zu der Zeit, da das Gebäude erst auf die Restaurierung vorbereitet wurde, unter der Stuckschicht Fragmente einer Bemalung in Form der Himmelskuppel mit vergoldeten Sternen entdeckt, die zu den Zeiten der Zarin Marija Fjodorowna /1847-1928/, Gattin von Alexander III., ausgeführt worden war.

In der Wand entdeckten die Restaurateure unter der Stuckschicht einen altertümlichen geschmiedeten Heizkörper mit gebrochenem Monogramm. Wie sich herausstellte, funktioniert dieser Heizkörper auch heute noch - durch ihn fließt störungsfrei heißes Wasser.

Den Worten von Tschepurow nach verfügt das Theater über ein überaus umfangreiches Archiv. Vor kurzem wurde darin zum Beispiel das Inspizientenbuch der Komödie „Der Revisor" von N. Gogol mit Vermerken des Verfassers - Repliken der handelnden Personen, Präzisierungen des Arrangements, konkreten Wünschen an die Schauspieler - entdeckt. Dank diesen Vermerken wurde klar, wie der Verfasser selbst sich die zukünftige Aufführung vorgestellt hatte.

In dem Archiv gibt es einen Beleg, aus dem ersichtlich ist, welches Honorar A. Tschechow für die Aufführung seines berühmten Bühnenstücks „Die Möwe" am Alexandrinski Theater erhalten hat, wie auch ein Zeugnis dafür, dass der große russische Dichter A. Puschkin Bühnenstücke russischer Verfasser vorzog und gewöhnlich für die ganze Saison ein Abonnement für die dritte Loge des ersten Rangs kaufte, Gogol beschaffte sich dagegen Eintrittskarten für die neunte Reihe. Auch der Schriftsteller F. Dostojewski, Autor der Romane „Der Idiot" und „Die Brüder Karamasow", sah sich ständig die Aufführungen an, für ihn wurden zwei Außensessel in der zehnten Reihe reserviert. Der Meinung des stellvertretenden Direktors des Theaters nach sollen alle diese unschätzbaren Einzelheiten publik gemacht werden, darum trägt sich die Führung des Theaters heute mit der Idee, ein Museum des Alexandrinski Theaters zu gründen. (RIA)