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20-06-2005 Sankt Petersburg
“Bilder anziehen”
In einer Sonderausstellung zeigt das Russische Museum ab dem 23. Juni im Marmorpalast über hundert Rahmen aus der Zeit vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Neben Bilderrahmen aus bekannten Werkstätten werden Exemplare gezeigt, an denen die Bildautoren selbst mitgearbeitet haben.

Der Rahmen, auch wenn er noch so prächtig ist, nimmt der Museumsbesucher in der Regel kaum oder nur am Rande wahr. Wenn er sich aber nur einen Moment lang überlegt, wie die Bilder “nackt” aussehen würde, ist ihm sofort klar, wie wichtig ihre “Bekleidung” in Wirklichkeit ist.

Auch die Kunstgeschichte hat sie bisher als Nebensächlichkeit behandelt, doch beginnt die Forschung sich zunehmend mit ihnen zu beschäftigen. Mit seiner Ausstellung – der ersten ihrer Art in Russland - macht das Russische Museum einen Anfang. Aus seiner Sammlung, die mehrere tausend Exemplare umfasst und eine der grössten Russlands ist, zeigt es eine Auswahl. Damit öffnet es den Blick auf ein Kunsthandwerk, das ganze Museumsabteilungen mit Herstellung, Restaurierung und Lagerung beschäftigt.

Rahmen aus dem 18. Jahrhundert zählen zu den rarsten Stücken, da rund 95 Prozent aller Bilder aus dieser Zeit nicht mehr die Originalrahmung besitzen. Einerseits wurde im 19. Jahrhundert aufgrund eines anderen Kunstgeschmacks viele Bilderrahmen ausgewechselt, andererseits gingen während der Sowjetzeit und während des Zweiten Weltkriegs viele verloren.

Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit des Rahmenhandwerks, und man stellte nicht nur Rahmen in allen Grössen und aus den unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Metall oder Papiermaché her, sondern kombinierte Farben und Material miteinander. Dank der grossen Nachfrage entstanden während dieser Zeit viele Rahmenwerkstätten und sogar –Fabriken. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern begannen diese damit, ihre Produkte zu kennzeichnen, so dass man ihre Herkunft heute ermitteln kann. Die Rahmenmacherei erreichte um die Jahrhundertwende einen Höhepunkt mit der Herstellung kunstvoll verzierter Jugenstilrahmen.

Die Ausstellung zeigt mehrheitlich Rahmen ohne Inhalt. Um jedoch die wichtige Verbindung zwischen Bild und Rahmen ersichtlich zu machen, wurden auch einige komplette Exemplare ausgewählt. Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung ist jenen Rahmen gewidmet, an deren Gestaltung die Künstler selbst mitgewirkt haben.