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17-09-2004 Sankt Petersburg
St. Petersburger Eremitage ist weltweit präsent
Die in St. Petersburg beheimatete Eremitage, die weltweit zu den größten Museen zählt, ist dank einer aktiven Kulturpolitik jetzt in mehreren Städten der Welt präsent. Nach der prachtvollen Ausstellung "Das kaiserliche St. Petersburg von Peter dem Großen bis Katharina II." in Monte Carlo eröffnete die Eremitage eine Ausstellung im US-amerikanischen Las Vegas.

Die russische Exposition unter dem Motto "Auf der Jagd nach Vergnügen" führt vor Augen, dass Glücksspiele und das Streben nach Vergnügen die Menschheit seit Jahrhunderten begleiten.

Die 40 Gemälde, die in Las Vegas gezeigt werden, geben Aufschluss über den Alltag in den zurückliegenden 500 Jahren. Es handelt sich um Arbeiten von Tizian, Velazquez, Rubens und Fragonard, aber auch um Gemälde von Meistern des 20. Jahrhunderts wie Beckmann und Picasso. Die Besucher, die Stunden an Roulette, Baccara-Spiel oder "einarmigen Banditen" verbringen und halb wahnsinnig in die Ausstellung kommen, bewundern das unschuldige Vergnügen von Menschen in vergangenen Jahrhunderten - das Flirten am Hofe, Tänze auf dem Montmartre oder Verliebte in einem Pariser Cafe.

Im Vergleich zum Vulkan der Leidenschaften namens Las Vegas nehmen sich die Vergnügungen der Vergangenheit wie ein Kinderspiel aus.

In London zeigt die Eremitage eine Sammlung islamischer Kunstwerke unter dem Motto "Der Himmel auf Erden". Russland und Asien waren immer aufs engste miteinander verschmolzen - entweder durch Krieg oder durch Frieden. Die Sammlung fasziniert durch ihre Üppigkeit und Schönheit. Unter den Exponaten sind einmalige Schätze, die Nadirschach der russischen Zarin Elizabeth geschenkt hat, sowie persische Miniaturen aus raren Manuskripten sowie mit Brillanten und Rubinen verzierte Waffen.

Die britische Presse und das Publikum haben die Ausstellung gelobt. Zuletzt war etwas Ähnliches in London im Jahre 1976 zu sehen, als in der britischen Hauptstadt ein "Festival des Islam" stattfand.

Gemeinsam mit dem Guggenheim-Museum zeigt die Eremitage in Berlin eine Sammlung von Fotos Robert Mapplethorpes und von Gravüren aus der Zeit des Manierismus - "Mappletthorpe und die klassische Tradition". Der Fotograf Mapplethorpe kam 1989 auf tragische Weise ums Leben. Expressive Fotos des Meisters in Verbindung mit trägen und erlesenen Manieristen-Gravüren sorgen für einen erstaunlichen Effekt. Es stellt sich heraus, dass Vergangenheit und Gegenwart doch viel gemeinsam haben.

Als Gegenleistung zeigen die Deutschen in der Eremitage das berühmte Gemälde "Die Blendung Simsons" von Rembrandt aus der Sammlung des Museums des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main. In der Geschichte Deutschlands wurde das Gemälde kaum mehr als dreimal im Ausland gezeigt.

Die Exposition des Rembrandt-Gemäldes setzt die Tradition der populären Ausstellungen "Meisterwerke von Museen der Welt in der Eremitage" fort.

Die Energie, die das St. Petersburger Museum in vieler Hinsicht dank den Bemühungen seines Direktors, Michail Piotrowski, an den Tag legt, macht die Eremitage heute weit bekannt in Russland. Bilder aus der Eremitage sind sogar in Mobiltelefonen gespeichert. Das Museum geht ziemlich aggressiv vor, um seine Exposition im System der Massenkommunikationen durchzusetzen.

Die Eremitage kapselt sich nicht in den Räumen des Winterpalastes ab. Die künstlerische Politik des Museums kann durchaus mit der Politik eines großen Fernsehsenders verglichen werden.

Nur dank der Eremitage konnte der Regisseur Alexander Sokurow seinen einmaligen Film "Die Russische Arche" drehen. Das Museum gab Platz für einige tausend Statisten, präsentierte bislang im Depositorium aufbewahrte Sammlungen von kostbarem Geschirr und ließ hunderte rare Luster wieder aufleuchten. Im Endergebnis brachte Sokurows Meisterstück allein in den USA einen Gewinn von drei Millionen Dollar. Das ist bislang ein nie dagewesener Erfolg für einen Art-House-Film.

Aber die Eremitage expandiert nicht nur in Richtung Westen. Gemälde aus dem berühmten Museum sind gegenwärtig auch in Städten Sibiriens und des Fernen Ostens Russlands zu sehen. (Anatoli Koroljow, Kommentator der RIA Nowosti).