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27-12-2005 Sankt Petersburg
Gasanschlag mit kriminellem Hintergrund in St. Petersburger Kaufhaus
Auf ein Kaufhaus im russischen St. Petersburg ist am Montag ein Gasanschlag mit offenbar kriminellem Hintergrund verübt worden. 78 Menschen litten unter Hustenanfällen und Atemproblemen, nachdem sie das Gas Merkaptan-Schwefel eingeatmet hatten, wie der russische Inlandsgeheimdienst FSB mitteilte.

Niemand leide unter schweren Vergiftungen. Insgesamt wurden in vier Filialen der Baumarktkette "Maxidom" Kartons mit Gaskapseln und Zeitschaltuhren gefunden, jedoch funktionierte nur in einem Fall die Uhr. In einer zweiten Filiale zerbrach eine Putzfrau versehentlich die Kapseln. Einen terroristischen Hintergrund schloss der FSB weitgehend aus.

Laut Polizei stammten alle Opfer des Gasanschlags aus der Filiale, in der die Zeitschaltuhr funktionierte und das Gas aus den zerbrochenen Kapseln ausströmen konnte. Kunden waren zum Zeitpunkt des Anschlags nicht anwesend, betroffen waren vor allem Angestellte und Polizisten. 15 Menschen wurden in Krankenhäuser eingeliefert, konnten jedoch am Abend wieder entlassen werden. In der zweiten Filiale, in der die Kapseln zerbrachen, als eine Putzfrau gegen den Karton stieß, richtete das Gas keinen Schaden an. Laut FSB wurden die Gaskapseln in den beiden anderen Kaufhäusern rechtzeitig entdeckt und zerstört. Alle vier "Maxidom"-Filialen wurden sicherheitshalber geräumt.

Bislang gebe es keine Informationen, dass es sich um einen terroristischen Angriff handeln könnte, sagte der FSB-Sprecher. "Vermutlich wollten Konkurrenten eine Rechnung begleichen." Die "Maxidom"-Firmenleitung habe von sich aus die Polizei alarmiert, nachdem sie Briefe erhalten habe, in denen angedroht worden sei, das Geschäft vor dem Jahreswechsel zu schädigen, teilte die Polizei mit. Sprengstoff sei nicht im Spiel gewesen.

Die unbekannten Täter verwendeten nach Angaben des FSB Merkaptan-Schwefel. Die nach Knoblauch oder verfaulten Eiern riechende Substanz wird benutzt, um Gas einen Geruch zu geben. Sie findet sich aber auch in Selbstverteidigungsspray. Bei manchen Menschen führe Merkaptan zu allergischen Reaktionen, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Angesichts von zahlreichen Selbstmordattentaten und Geiselnahmen in den vergangenen Jahren ist die Angst vor Terroranschlägen in Russland groß. Aber auch Streitigkeiten in der Geschäftswelt werden oft auf rüde Weise gelöst.