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23-09-2004 Sankt Petersburg
Nikolaij Sagrekow - Rückkehr nach Russland
Am Donnerstag, den 23. September eröffnet das Russische Museum Petersburg im Korpus Benois eine Ausstellung mit rund 100 Werken des deutsch-russischen Malers Nikolai Sagrekow. Mit den Ausstellungen in der Tretjakow-Galerie Moskau und im Russischen Museum kehrt der Vertreter der "Neuen Sachlichkeit", der in Deutschland lebte, in seine Heimat zurück.

Nikolai Sagrekow, der 1897 in der russischen Provinzstadt Saratow an der Wolga geboren wurde und 1992 im wiedervereinigten Berlin starb, erlebte und überlebte zwei Weltkriege und zwei totalitäre Systeme. Er beginnt seine 1914 Ausbildung im zaristischen Russland, wo er in die Entwicklung der Avantgarde vor und nach der Oktoberrevolution miterlebt. Obwohl er 1919 seine Ausbildung am Moskauer WCHUTEMAS fortsetzen kann, entschliesst er sich zwei Jahre später dazu, mit seiner Frau nach Deutschland auszureisen. An der Berliner Gewerbeschule für Kunst und Handwerk unterrichtet er und studiert gleichzeitig bei Harold Bengen. Obschon er zu Beginn der Zwanzigerjahre Versuche in Richtung Abstraktion unternimmt, bleibt er der Gegenständlichkeit treu und wird zu einem bedeutenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit in der Weimarer Republik. Den Kontakt zu seinen Verwandten in der Sowjetunion bricht er aus Angst vor Repressalien für seine Familie durch die stalinistische Geheimpolizei ab.

Nach der Machtergreifung Hitler verliert Sagrekow als Ausländer zwar seine Stelle als Lehrer, kann aber trotzdem weiter arbeiten und ausstellen und übernimmt bis 1944 die Leitung der Freilicht-Malschule in Berlin. Nach dem Einmarsch der Russen, wird in seinem Haus eine Kommandantur eingerichtet, und der Maler vermittelt zwischen Bevölkerung und Besatzern. In dieser Zeit entsteht auf Bestellung der Armeeführung eine ganze Reihe von Gemälden sowjetischer Generäle sowie von Lenin und Stalin. Da sich Sagrekows Wohnsitz im britischen Sektor Spandau befindet, setzen sich sein Leben und seine Karriere in Westeuropa weiter, wo er mit seinen Werken – Stilleben, Porträts und Landschaften – bekannt wird. Erst nach dem kalten Krieg ist es möglich, seine russische Vergangenheit zu erforschen und dem Publikum seiner Heimat sein Schaffen vorzustellen.