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08-08-2006 Sankt Petersburg
Kunstraub in St. Petersburger Eremitage war offenbar Familiensache
Der spektakuläre Kunstraub aus der weltberühmten Eremitage in St. Petersburg war offenbar das Werk der Familie der verstorbenen Museumskonservatorin. Unter den drei Festgenommenen seien der Ehemann von Larissa Sawadskaja und der Sohn des Ehepaares, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei am Montag.

Der Ehemann, Nikolai Sawadski, stehe unter Anklage. Bei einer Hausdurchsuchung bei ihm seien etwa hundert Pfandleihscheine gefunden worden. Der 54-Jährige habe Schmuckstücke verkauft. Die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau wollte die Angaben zunächst nicht offiziell bestätigen. Ein Moskauer Antiquitätenhändler erstattetete dem Museum unterdessen eine weitere gestohlene Ikone zurück.

Larissa Sawadskaja war im Herbst im Alter von 46 Jahren plötzlich verstorben, woraufhin das Schmucklager der Eremitage versiegelt wurde. Der Nachfolger der Konservatorin stellte erst bei einer routinemäßigen Inspektion nach dem Aufbrechen der Siegel fest, dass 221 Stücke aus der Sammlung fehlten. Das Museum beziffert ihren Wert auf umgerechnet 3,9 Millionen Euro. Bei Auktionen könnten die Stücke Schätzungen zufolge bis zu hundert Millionen Dollar erzielen. Die Eremitage ist mit einem Fundus von mehr als zweieinhalb Millionen Kunstwerken eines der größten und wichtigsten Museen der Welt.

Ein Polizeisprecher sagte, noch sei nicht klar, welche Rolle Sawadskaja in der Kunstraubserie gespielt habe. Die Umstände ihres Todes spielten bei den Ermittlungen jedoch keine Rolle. Sie sei an Herzversagen gestorben. Von den 221 verschwundenen Kunststücken tauchten bis Montag acht wieder auf. Ein Moskauer Antiquitätenhändler gab am Montag eine in Silber, Gold und Emaille gerahmte Ikone aus dem 19. Jahrhundert an die Eremitage zurück, wie die Behörde zum Schutz des russischen Kulturerbes, Rosochrankultura, mitteilte. Ein weiterer Moskauer Händler meldete der Behörde, ihm sei ein aus der Eremitage gestohlener Kelch verkauft worden.

Rosochrankultura-Chef Boris Bojarskow beklagte die schlechten Sicherheitsbedingungen in den russischen Museen. Der Diebstahl in der Eremitage sei kein Zufall: Jedes Jahr würden in den Museen des Landes zwischen 50 und 100 Diebstähle registriert. Von den 50 Millionen Kunstwerken in Museumsbesitz seien nur 12,5 ordnungsgemäß registriert, ergänzte Michail Schwidkoj vom russischen Kulturamt. Zu Sowjetzeiten sei das System zur Konservierung und Verzeichnung der Schätze noch schlechter gewesen, "aber heute spielt das Geld eine viel wichtigere Rolle im Leben der Konservatoren", betonte er. Schwidkoj beklagte eine Unterfinanzierung der russischen Kultur. Es fehlten mehr als 270 Millionen Euro pro Jahr.