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08-06-2007 Sankt Petersburg
Behörden in Russland erlauben Demonstration der Opposition
Die russischen Behörden haben eine Demonstration der Opposition in St. Petersburg genehmigt. Auflage sei, dass an der Kundgebung am Samstag nicht mehr als 500 Menschen teilnehmen, erklärte der Oppositionspolitiker und frühere Schachweltmeister Garry Kasparow am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Moskau.

Die Stadt habe dem geplanten Marsch "nach langen Verhandlungen" zugestimmt. Durch die Begrenzung der Teilnehmerzahl und eine Vorschrift, dass die Demonstranten auf dem Gehweg laufen müssen, behielten sich die Behörden jedoch Möglichkeiten vor, den Oppositionellen "illegale Handlungen" vorzuwerfen.
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Moderator Garri Kimowitsch Kasparow – Wer steckt hinter ihm


Wer und was ist in Russland heute Opposition?


Kasparow, der die Bewegung Anderes Russland anführt, zeigte sich trotzdem optimistisch. "Zum ersten Mal haben sich die Behörden auf konstruktive Verhandlungen eingelassen und sich gemäß dem Gesetz verhalten", sagte der Ex-Schachweltmeister. In der russischen Hauptstadt stelle sich die Situation anders dar: "Die Behörden treten die Gesetze mit Füßen." Kasparow rief für Montag zu einer Demonstration in Moskau auf.

Vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm hatte Garry Kasparow die westlichen Staats- und Regierungschefs zur Unterstützung der demokratischen Kreml-Gegner aufgefordert. Es sei verkehrt, den russischen Staatschef Wladimir Putin während des Gipfeltreffens wie den Präsidenten eines freien und demokratischen Landes zu behandeln, sagte Kasparow in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die Lage in Russland ähnele eher derjenigen in Weißrussland oder in Simbabwe als der in einem demokratischen Land. Putins Regierung sei für Russland "tödlich".

Der frühere Schachweltmeister sagte weiter, für seine oppositionelle Bewegung Anderes Russland komme es derzeit entscheidend darauf an, "politisch zu überleben". Die Repressionen des Staates gegen Oppositionelle hätten aber auch etwas Gutes: "Angesichts einer erdrückenden Übermacht - das ist meine Erfahrung beim Schach - sieht man die Dinge differenziert und hält sich zugleich bedeckt", sagte Kasparow. "Regimes dieser Art können über Nacht zusammenbrechen."

Bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr will Kasparow nicht selbst antreten, wie er sagte. Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass sich die zersplitterte Opposition in Russland auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen werde. Das Machtmonopol des Staatschefs müsse deutlich beschnitten werden. Nur so könne Russland vor dem "Virus der Diktatur" bewahrt werden.