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15-10-2004 Sankt Petersburg
Das neue Gebäude des Mariinskij-Theaters entsteht nach dem Entwurf von Dominique Perrault
Der Leiter der Föderalen Agentur für Kultur, Michail Schwydkoi, erklärte in St. Petersburg, dass er hofft, im Juli - August 2005 mit dem Bau des neuen Gebäudes für das Mariinskij-Theaters beginnen zu können und die Fertigstellung innerhalb von zwei Jahren bewerkstelligt werden kann.

"Die Probleme im Zusammenhang mit dem Bau sind überwunden, und nun kann der Bau losgehen", sagte er. Den Entwurf des Projekts schuf der bekannte französische Architekt Dominique Perrault, der zu der Top 10 der Designer in der Welt zählt. Er berichtete der Moskauer Zeitung Kommersant, in welchem Realisierungsstadium sich das Vorhaben gegenwärtig befindet.

"Heute kann man von einer Konkretisierung des Vorprojektes sprechen. Wir sind ganz wesentlich vorangekommen. Endlich wurde die Größe des Hauptsaales und die Anzahl seiner Plätze festgelegt. Nun wissen wir, dass der Saal zwei Tausend Plätze haben wird. Das neue Mariinskij wird einerseits eng mit dem alten Gebäude verbunden bleiben und sich andererseits in das Stadtbild einfügen", so der Architekt.

Die Realisierung erfolgt in dem Dreieck von Theater selbst, Stadtverwaltung und Regierung.

An dem Projekt wirken in diesem Jahr mehr als 70 Spezialisten aus aller Welt mit. Die russischen Architekten waren mit Geologie und Fundament befasst. "Ich muss sagen, wir hatten viel Glück. In der Tiefe von 25 Metern stießen wir auf festen Untergrund. Für St. Petersburg ist das schon ein Wunder, wenn man an den Sumpfboden denkt. So brauchen wir nun mit dem Fundament nicht allzu sehr in die Tiefe zu gehen, was uns Zeit und Geld erspart", meint Perrault.

All das, was mit Metallarbeiten in Zusammenhang steht, konzipierten deutsche Architekten. Ein französisches Unternehmen, schon vertraut mit Arbeiten in Russland, übernahm die Ventilation und die Klimaanlage. An der Akustik wirkt die Firma von Yasuhisa Toyota aus Japan, die den Frank Gehry Saal in Los Angeles projektierte. Momentan ist er die weltweit bedeutendste Autorität für Theater-Akustik. Als Generalberater ist die Metropolitan Opera dabei.

Dominique Perrault hält die Qualität der Bauarbeiten für die Anforderung, die für das Mariinskij-Theater von ganz grundlegender Bedeutung ist. Wir können auf das Papier bringen, was wir wollen, doch entscheidend ist, wie gebaut wird. Wenn schlecht, dann wird das nicht nur für mich persönlich eine Niederlage sein, sondern für alle: für das Theater, für die Stadtverwaltung und für die föderale Ebene", so meint er.

Der Autor des Entwurfs zeigt sich überzeugt, dass, falls die Bauarbeiten qualitativ hochwertig abgeschlossen werden, das Gebäude die Tore für eine neue Architektur aufstößt. Perrault hofft, dass "das Gebäude für die Ewigkeit ist, eine Wende der modernen Epoche".

Dominique Perrault ging aus der Ausschreibung für die Projektierung der zweiten Bühne des Mariinskij-Theaters im Sommer 2003 als Sieger hervor.

1989 erhielt er bei dem Tender für den Bau des neuen Gebäudes der Nationalbibliothek in Paris den Zuschlag. Die Diskussion über die vier Türme in Buchform aus Glas stand bei den Medien damals ganz weit oben. Es folgten Aufträge für ein Großprojekt nach dem anderen: das Olympia-Velodrom und -bassin in Berlin (1992) und das Geschäftszentrum in Innsbruck (2002). Bei allen seinen Projekten greift Perrault auf sein Lieblingsmaterial zurück: auf ein Metallnetz. Die Technologie seiner Fertigung ist nur wenigen Auserwählten bekannt. (RIA)