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22-04-2009 Sankt Petersburg
Architekturausstellung: Was tun mit der “Platte”, statt sie platt zu machen?


[ Eugen von Arb ] Im Rahmen der Deutschen Woche wird in der Newskaja Kurtina der Peter- und Paulsfestung eine deutsch-russische Architekturausstellung über die Modernisierung von Plattenbauten gezeigt. Dies Technologie für kam ursprünglich aus als technische Errungenschaft aus Russland in die DDR und andere sozialistische Staaten.



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Heute zeigt Deutschland in Russland, was für bunte Projekte sich mit der grauen Platte verwirklichen lassen, statt sie gleich abzureißen.

Aus der langjährigen Drohung wurde Tat - begleitet vom Wehgeschrei ihrer Bewohner wurden im vergangenen Jahr in Moskau die ersten fünfstöckigen “Chruschtschewka”-Häuser abgerissen, um neuen Hochhäusern Platz zu machen. Man glaubte damals, damit sei das Ende der sozialistischen Billigbauten gekommen.

Nach und nach würden die vielgescholtenen Wohnsilos verschwinden. Heute, angesichts der Krise, schaut die Sache schon wieder ganz anders aus, und auch jene Petersburger, die sich schon mit dem baldigen Abriss ihrer Häuser abgefunden hatten, können aufatmen.

Eine Zäsur zum Umdenken

Vielleicht bedeutet diese Zäsur eine Chance zum Umdenken, denn vielleicht ist es besser diese Plattenbauten zu erneuern, statt gleich die Abreissbirne zu schwingen? Die Ausstellung „Modernisierung von Plattenbauten. Erfahrungen aus Deutschland“ könnte jedenfalls wichtige Impulse dazu liefern - für Städtebauer und Bewohner.

Ausstellung Modernisierung von Plattenbauten. Es ist kein Zufall, dass der neue deutsche Generalkonsul in Petersburg Peter Schaller sich für dieses deutsch-russische Projekt eingesetzt hat. Schließlich hat er während seiner Diplomatenkarriere die “Wohnsilos” von Berlin bis Piöngjang gesehen und dabei begriffen, dass die Bauten besser sind als ihr Ruf.

Plattenbauten waren zeitgemäß

“Damals als diese Häuser gebaut wurden, erfüllten sie durchaus ihren Zweck”, erklärte er an der Vernissage. “Es ließ sich gut darin wohnen, denn die Wohnungen waren geheizt und mit moderner Infrastruktur versehen.” Heute, meinte er weiter, müssten die Häuser natürlich erneuert werden, und Deutschland biete Russland gerne sein Know-how auf diesem Gebiet an, das es in den neuen Bundesländern gesammelt habe.

Auch Wladimir Frolow, der Präsident der Petersburger Architektenkammer und Ausstellungskurator von der russischen Seite, nahm den Plattenbau in Schutz. Nach den massiven Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs auf seinem Gebiet, sei Russland keine andere Lösung geblieben, als schnell und billig Wohnblöcke zu errichten.

Allein deshalb sei damals der Plattenbau von russischen Wissenschaftlern entwickelt worden, gab er zu bedenken. Während man heute jedoch in Russland erst über die Zukunft der Plattenbauten rede, sei in Deutschland bereits vieles in die Tat umgesetzt worden, und man sei dankbar für den Erfahrungsaustausch.

Ein neuer Anstrich bewirkt oft Wunder

Tatsächlich gibt es in Russland bereits vereinzelt renovierte Plattenbauten, die mit einem frischen Verputz und Anstrich erstaunlich attraktiv wirken. Was für “Star-Bauten” jedoch aus den grauen Betonwürfeln von Wernigerode bis Schwedt machen lassen, beweist jedoch erst diese Ausstellung anhand von dreißig Beispielen.

Neue Raumaufteilungen, Dächer, Balkone, Glasverkleidungen und Beleuchtungskörper haben die erratischen Betonblöcke in architektonische Schmuckstücke verwandelt. Oft bewirken nur schon eine frische Gartenanlage oder knallige Farben eine komplette “Verwandlung” des Gebäudes.

Wertvoll für Laien und Profis

Die Ausstellung selbst ist in den schönen Räumen der Kurtina mit Rundgewölben untergebracht und erhält dadurch eine besondere Atmosphäre. Die Projekte sind anhand von Fotos und Grafiken gut dokumentiert und für alle gut verständlich - für Bauprofis und solche, die es genauer wissen wollen, sind detaillierte Rissprofile beigefügt. Bei der Vorstellung, dass sich einige der Ideen in den Satellitenstädten Moskaus oder Petersburgs durchsetzen könnten, gerät man ins Träumen.

Newskaja Kurtina,
Peter-Pauls-Festung 3.
Veranstalter: Brandenburgische Architektenkammer,
Deutsches Generalkonsulat.
Projektleitung: Walerija Kaschirina,
Kurator Russland: Wladimir Frolow,
Kuratorin Deutschland: Christina Gräwe.
Eintritt: frei.
Kontakt: Nadegda Bartels, bartels@npstv.de.
Das Projekt wird unterstützt durch Inoutic / Deceuninck, Sto AG, Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda, Eternit AG.
Dauer der Ausstellung: 21.4- 04.05.
täglich 10.00 – 18.00 Uhr.
Sprache: Deutsch / Russisch.
[ eva / Sankt Petersburger Herold ]
[ Fotos: Eugen von Arb / Sankt Petersburger Herold ]