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07-06-2009 Sankt Petersburg
Die Kunst einer Märchenprinzessin - Diane Herzogin von Württemberg stellt im Petersburger Skulpturenmuseum aus
[ Von Eugen von Arb ] Im städtischen Skulpturenmuseum ist derzeit eine umfangreiche Werkschau mit Bildern und Skulpturen von Diane Herzogin von Württemberg zu sehen. Die Herzogin entpuppte sich bei der Eröffnung als Wohltäterin und Künstlerin, die völlig abseits von Kunstkritik und öffentlicher Meinung arbeitet.



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Die Prinzessin hält in ihrer Kunst, was ihr Titel verspricht - sie eröffnet den Ausstellungsbesuchern eine Märchenwelt. Sie ist voller Tier- und Menschenfiguren - Drachen, Schmetterlinge, Schildkröten und Enten… Als wären sie aus ihren Geschichten und Fabeln davon gelaufen, so stehen sie kunstvoll versammelt in den beiden Sälen des Skulpturenmuseums. Die menschlichen Wesen treten als Symbolfiguren auf - männliches und weibliches Geschlecht in Gegensatz und Vereinigung oder als Abkömmlinge der Götterwelt.

Kunterbunt in Motiv und Technik

Die Sternzeichen, kunstvoll in einem Halbkreis aufgereiht, nehmen eine besondere Stellung im Werk der Herzogin ein - für sie gibt es sogar ein Zeichen doppelt: Widdermann und Widderfrau. “Impulsiv, mag keinen Widerstand, mächtig, einnehmend/besitzergreifend, “Alles oder Nichts”. Zeichen des Goldenen Vlieses - Die Kämpferin” - so charakterisiert die Autorin die Widderfrau und wohl auch sich selbst. Daneben malt die Herzogin, entwirft Puppen und Taschen.

So kunterbunt die Motive der Künstlerin daher kommen, so stark gemischt sind auch Techniken und Materialien. Zwar dominiert Bronze, doch wurde hier mit allen Stoffen experimentiert: Glas, Kunststoff, Stein und Keramik. Stets bleiben die Experimente jedoch im Rahmen klassischer Ästethik, selten bewegt sich Diane von Württemberg im Bereich der Abstraktion - es ist dekorative Kunst, die hier gezeigt und zu angemessenen Preisen für wohltätige Zwecke verkauft wird.

Die Journalisten begegneten einer echten Märchenprinzessin

Dass sie als Künstlerin nicht mehr und nicht weniger will, war bei der Ausstellungseröffnung nicht allen klar. Die Journalisten standen einer Person gegenüber, die sie mit ihrer Art vor den Kopf stieß - eine echte Märchenprinzessin eben, die soeben ihrem Wolkenschloss entstiegen zu sein schien.

Völlig unbedarft und direkt beantwortete sie die Fragen, beschützt durch ihren Dolmetscher Iwan Tchetschot vom Smolny-Institut, der seine Hoheit mit brillanter Rhetorik wohlbehalten durch sämtliche journalistischen Untiefen geleitete. Dennoch sorgten die Statements der Herzogin einige Male für Schmunzeln und Kopfschütteln - zum Beispiel als sie auf die Frage, welche russischen Künstler sie möge, antwortete, sie liebe viele russische Künstler, kenne aber ihre Namen nicht.

Zwei Berufe: Künstlerin und Prinzessin

Mit der Zeit begann sich jedoch das Profil einer Künstlerin abzuzeichnen, die auf ihre Weise einzigartig ist. Diane von Württemberg ist eine Autodidaktin, die trotz ihres vorbestimmten Lebens als Prinzessin schon in früher Jugend beschloss, Künstlerin zu werden und sich damit gegen alle Widerstände durchsetzte. Allerdings hatte sie ihr Künstler-Dasein immer mit ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen und ihrer Rolle als sechsfache Mutter zu vereinbaren - und womit kann sich eine Prinzessin beschäftigen: mit Wohltätigkeitsprojekten.

Fern von der Öffentlichkeit, fern von Kunstgeschichte und -Kritik, doch diszipliniert und zielstrebig begann sie, ihr Werk aufzubauen, mit dem sie ihre beiden Stiftungen finanziert. Punkt sechs Uhr stehe sie auf, erzählte sie, und fast den ganzen Tag verbringe sie in ihrem Atelier. Ebenso klar wie der Tagesablauf von “Madame-100.000-Volt”, wie die Herzogin im Schloss auch genannt wird, ist auch der Weg von der Idee zum Kunstwerk. “Meine Ideen ist voller Ideen, die ich sofort umsetze.” Manchmal nimmt sie dabei die Hilfe von Spezialisten in Anspruch, zum Beispiel beim Schweißen. “Nach einem ganzen Tag Schweißen habe ich jeweils einen schönen Sonnenbrand”, meinte sie lächelnd.

Bis am 20. Juni, Städtisches Skulpturenmuseum, Newski-Prospekt 179 (siehe Karte unten), Eintritt: 50 Rubel
[ eva / Sankt Petersburger Herold ]


Dossier:
Diane von Württemberg ist die Tochter von Henri d’Orléans aus dem Hause Bourbon und Isabelle d’Orléans-Bragance. Sie wurde 1940 in Brasilien geboren und wuchs in Marokko, Portugal, Spanien und Frankreich auf. Ihre künstlerische Karriere begann 1954, als sie sich mit der Stoffmalerei vertraut machte. Danach erlernte sie zahlreiche weitere Techniken: Holzmalerei, Siebdruck, Stuck und Glasmalerei.

Am 18. Juli 1960 heiratete sie standesamtlich Carl Herzog von Württemberg. Aus der Ehe gingen die Söhne Friedrich, Eberhard, Philipp und Michael sowie die Töchter Mathilde und Fleur hervor. Die Familie bewohnt Schloss Altshausen in Altshausen. Nach einer krankheitsbedingten Werkpause von 1968 bis 1971 entstanden 1971–1980 etwa 80 Bilder jährlich. Zu Beginn der achtziger Jahre wandte sie sich neuen Techniken zu und widmete sich der Gestaltung in Bronze und Metall.

Ihr Werk ist in zahlreichen Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt worden. Alle zwei Jahre veranstaltet Diane von Württemberg im Schlosspark von Altshausen eine Ausstellung, die 30 jungen Künstlern aus verschiedenen Ländern die Gelegenheit gibt, ihre Werke vor Publikum zu präsentieren. Diane von Württemberg ist Gründerin zweier Stiftungen, der deutschen Herzogin Diane von Württemberg, Prinzessin von Frankreich-Stiftung für Jugendpflege und Denkmalschutz (1979) sowie die französischen Stiftung Les Enfants de la Vie (1989) für Projekte für Kinder in den Elendsvierteln der Dritten Welt. (Wikipedia)