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23-07-2009 Sankt Petersburg
Gasprom-Turm: Denkmalschützer zittern um Petersburger Unesco-Weltkulturerbe-Status
Zwei Dinge haben die Petersburger Denkmalschützer in Unruhe versetzt: die 33. Sitzung des Unesco-Weltkulturerbe-Kommission in Sevilla, sowie die unerwartete Streichung des Dresdner Elbtals von der Weltkulturerbe-Liste wegen dem Bau einer Autobahnbrücke.



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An derselben Session soll laut “Kommersant” nämlich auch starke Kritik am geplanten Bau des Gasprom-Turms (”Ochta-Zentr”) im Petersburger Zentrum geübt worden sein.

Man hielt die Unesco für einen Papiertiger

Zwar hatte vor zwei Jahren bereits eine Unesco-Kommission Petersburg wegen des geplanten architektonischen Eingriffs besucht und war zum einhelligen Entschluss gekommen, der Turm würde die einmalige flache Silhouette der Stadt an der Newa zerstören. Weder die Stadtregierung noch der Gazprom hatte diesen Richtspruch damals ernst genommen – man hielt die Unesco für einen Papiertiger. Mit dem überraschend scharfen Entscheid im Falle Dresdens hat die Unesco ein klares Signal nach Russland gegeben, das den Gegnern des Hochhauses Auftrieb verschafft.

Der Schock Dresdens

Viele halten das milliardenschwere Bauprojekt allein wegen der Wirtschaftskrise für verloren – die Kassen der Stadt und des Gazprom-Konzerns sind leer. Durch die klare Stellungnahme der Unesco im Falle Dresdens erhalten die Hochhaus-Gegner jedoch weitere schwer wiegende Argumente. Der Schock Dresdens, das unter Touristen einen ähnlichen Kultstatus geniesst wie Petersburg, lässt sich leicht übertragen. Auch hier ist mittlerweile allen klar, dass es nicht bloss “ganz nett” ist, auf der Welterbe-Liste zu stehen, sondern dass sich der Wert des Unesco-Titels auch in Touristen- und Übernachtungszahlen ausdrücken lässt.
[ eva / Sankt Petersburger Herold ]