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08-08-2009 Sankt Petersburg
Schlechte Zeiten für Warmduscher
Die Wertschöpfungskette vom Mieter bis zu den Stadtwerken

Das im Sommer aus technischen Gründen das Warme Wasser für die Wartung der Leitungen und Heizwerke wochenlang abgestellt wird ist man in St. Petersburg gewohnt. Eine ganze Industrie mit Elektro- und Gasboilern lebt mit der Herstellung von Ersatzgeräten für sommerlicher Warmduscher.



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Einige St. Petersburger Hausverwaltungen sind nun auf der schwarzen Liste der “GUP TEK SANKT-Peterburg” gelandet. Die Betreiberin der so genannten “TEZ” Block heiz kraftwerk, welche neben der Fernheizung im Winter auch das Warme Wasser und einen großen Teil des Stroms erzeugt, hat angekündigt den säumigen Häusern nach der Sommerpause das warme Wasser nicht mehr anzustellen.

Von der Maßnahmen sind derzeit 50 Häuser und Hausverwaltungen mit einem gesamt Schuldbetrag von ca. 850 Millionen Rubel (ca. 19 Millionen Euro) betroffen.

Die “Genossenschaften für Eigentumswohnungen” werden normalerweise von den Eigentümern gewählten Verwaltungen juristisch vertreten. Die Leitung einer solchen Hausverwaltung gilt als gutes Geschäft und so gibt es vor jeder Neuwahl oft richtige Wahlkämpfe mit Schlammschlachten und Korruptions- und Betrugsvorwürfen.

Wie betrügen die Hausverwaltungen Ihre Mieter und Genossenschaftlichen Eigentümer ?

Ein Typischer Wohnkomplex hat gerne 2000 oder mehr Wohnungen – oft sogar in einem Haus – und bei für 1500-3000 Rubel (40-80€) Nebenkosten pro Monat kommen Millionbeträge im Jahr zu zusammen, welche durch die Hände der Verwalter fließen. Nicht selten verdienen diese dann kräftig an den Beträgen mit.

Gut funktionierende Hausverwaltungen sind daher eher ein Nebenergebnis des florierenden Geschäftszweigs “Hausverwaltungen”.

Die typische Wertschöpfungen der Hausverwaltungen sind ja nicht die milden Gehälter der Präsidenten – die Anstellung oft Illegaler Gastarbeiter zu einem hohen offiziellen Gehalt bei effektiver Auszahlung von wenigen Tausend Rubeln pro Monat. Vergabe der Wartungsarbeiten mit “Vermittlungsgebühren”, Finanz- Spekulation mit den Rücklagen für Sanierungsarbeiten, Rechenfehler bei den Abrechnungen, Auslagerung von Genossenschaftsvermögen auf eigene Konten, Umlage Gebühren und viele kleine “ortsübliche” Betrügereien. Wenn ein Präsident der Genossenschaft gar massiv unterschlägt ist auch bei Nachweis der bösen Tat oft das Geld für die Genossenschaftler (Wohnungsinhaber) verloren.

Auch die Eigentümer und Mieter zahlen oft schlecht.

Den Bewohnern ist das alles ziemlich Egal solange nichts unangenehm auffällt oder die Gebühren sprunghaft ansteigen. Schließlich zahlen sie ja oft selbst die Gebühren oft nicht bzw. nur wenn sie Lust und Geld dazu haben.

Abgesehen von der Ahnung das viel von dem Geld auf der Strecke bleibt sind sie auch nur dann gezwungen wenn mal wieder ein Gang zum Amt (Registrierung, Passantrag uvm.) erforderliche ist, welches den Stempel der Genossenschaftsverwaltung benötigt. Diese stempeln u.A. die Formulare 1, 7 und 9 welche für die Registrierung am Wohnort oder den Pass benötigt werden.

Die Schulden aktiv einzutreiben oder das die Genossenschaften gar Wohnungen zu Schuldenbegleichung enteignen, ist zwar schon vorgekommen, aber ein juristisch komplexer, daher langer und riskanter Vorgang .

Warmes Wasser als Druckmittel

Ist das Geld jedoch bereits aus dem genossenschaftlichen Vermögen entfernt und können die Lieferanten – also z.B. die TEK SANKT-Peterburg nicht bedient werden, so haben diese oft lange Geduld.

Die Ankündigung der Firma den Schuldigen das Warme Wasser nicht anzustellen bis die Schulden bezahlt sind hat somit eine “reinigende” Wirkung auf das System der Hausverwaltungen. Das Konkordat “Ihr Verwalter macht was Ihr wollt solange ich nichts davon mitbekomme und der Hof gefegt ist” wird damit aufgekündigt. Schwarze Schafe werden auffälliger, ggf. schneller abgewählt und durch neue Verwaltungprofis ersetzt, die dann etwas maßvoller am Geldfluss abgreifen oder gar wirklich eine gute Verwaltung durchführen wollen.
[ mm / Sankt Petersburger Herold ]