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21-09-2009 Sankt Petersburg
Der JCI St. Petersburg ist der Club für die Unternehmer von morgen
[ Von Markus Müller ] Die Junior Chamber Internation JCI* in St. Petersburg hat 2009 einen erfolgreichen Blitzstart hingelegt. Die jungen Mitglieder organisieren aus dem Stand Diskussionen und Trainingsveranstaltungen rund um alle Themen die ein zukünftiger Unternehmer benötigt.



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Öffentlichkeitsarbeit, Zeitmanagement, Diskussionskultur, Kooperation und Vernetzung mit den existierenden Wirtschaftsverbänden, praktische Anwendung des gelernten bei der Organisation eigener Events, Werbung Marketing und vieles mehr.

Die Bandbreite der Tätigkeiten, welche die Clubmitglieder im JCI St. Petersburg erledigen, kommt den Aufgaben einer Geschäftsleitung in der realen Wirtschaft recht nahe. Das ist ein praktisches Training und wie der amtierende Präsident Bernhard Weidigner betont, auch so gewollt.

Unter der Leitung von Weidiger arbeiten die Petersburger eng mit anderen JCI Gruppen in Skandinavien und der Ukraine zusammen. Die Anstrengungen wurden vom internationalen Verband gewürdigt und die JCI St. Petersburg im Juli als “BEST NEW JCI CHAPTER” auf der Hauptversammlung der Europäischen Verbände ausgezeichnet.

Podiumsdiskussion “Business in St. Petersburg”

Zur Feier des ersten erfolgreichen Jahres hat der JCI St. Petersburg am Samstag den 12. September u.A. auch lokale und Internationale Gäste und Mitglieder zur einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion eingeladen.

Die Teilnehmer waren:

Christoph SCHMID, ooo “Efimov”, für das Austrian Economic Forum und als Direktor eines der grössten Holzverarbeiters in Russland.
Andrey GOLUBKOV, Managing Director of Deutsche Bank St. Petersburg, als Repräsentant eines führenden internationalen Bankinstituts
Margarita KARPOVA, Delovaya Rossya, ein führender Wirtschaftsverband in St. Petersburg
Alexey MINAEV, Gründer und Direktor der Firma Velikoross/Green Krest, lokaler Marktführer für Bio-Frisch und Conveniance Food (u.a. Salate) als Repräsentant für KMU*s

und last not Least

Nadeshda ZUBKOVA, Generaldirektor der RENA Wirtschaftsnachrichten, Vorsitzende der Kommision für die Entwicklung des jungen Unernehmertums, Komitee für Aussenbeziehungen der Stadt St. Petersburg und die offizielle Vertreterin der Stadt St. Petersburg
Die “JCI” Position am Podium lautete: “In Westeuropa tragen KMU 60-85% zum Bruttosozialprodukt bei in Russland nur zu gut 20% – was kann mann tun”

Zusammenarbeite mit externen Unternehmen

Christoph Schmid führt aus, das ein spezialisiertes Unternehmen wie sein Sägewerk eine reinigende und positive Auswirkung auf die Micorökonomie rund um sein grosses Werk 300km von St. Petersburg hat. Im Gegensatz zu den inländischen Konzernen beschränkt sich die Firma auf ihr Spezialgebiet. Vergleichbare Organsiationen in “russicher Tradition” haben eigene Logistik, eigene Kantinen, eigene Wartungstrupps, eigene Elektriker, alles wird zentral aber oft miserabel gemanagt. Statt dessen beschäftigt sein Unternehmen sehr viele externe Unternehmen. Catering, Speditionen und Wartungsfirmen und auch auch speziell neu geründete Firmen.

Als Nebeneffekt lernen diese Unternehmen auch, dass mann auch als ehrlicher “Steuererzahler” gut leben kann. Sie sind sauber auch weil der Auftraggeber jede Kopeke durch die Bücher laufen lässt und – in Folge dessen haben die Subunternehmer auch keinen Grund mehr eine doppelte Buchhaltung zu führen – auf einmal ist der übliche ” Korruptionskreislauf” auf einem Schlag durchbrochen.

“Moral der Kunden niedrig”

Alexey Minaev, der u.a. die stadtbekannten Lebensmittelfrischprodukte unter der Marke “Green Krest” Grünes Kreuz herstellt, war etwas deprimierter – sein stadtbekanntes Unternehmen konnte auch in der Krise nur mit äusserster Anstrengung und auch nur zu wirtschaftlich grenzwertigen Konditionen einen notwendigen Kredit erhalten. Auch die Moral der Kunden sei niedrig. Hochwertige Bio Produkte sind teuerer, aber eben gesund. Die Einkäufer der grossen Supermarktketten würden jedoch nur den Preis sehen, der Rest – speziell die Gesundheit der Käufer – wäre ihnen schlichtweg egal.

Genau planbare Umsätze

Andrey Golubkov von der Deutschen Bank wies auf die Chancen hin, die jungen Unternehmer z.B. im Markt der “Hausverwaltungen” offenstehen. Da dieser intransparent und hochkorrupt sei, würden gute Chancen auch für sehr kleine Unternehmen mit klare Struktur und weisser Weste bestehen. Genau planbare Umsätze machten die Mühen, sich in diesem “schmuddeligen” Business zu profilieren, wieder wett.

Erhellende Hinweise kamen auch von Nadeshda Zubkova, sie berichtete von der föderalen und städtischen Initative für die Förderung von KMU, die in Gründung befindlichen Unternehmen einen nicht zurückzuzahlenden Zuschuss von 300.000 Rubel mit auf den Weg gibt. Voraussetzung sei ein schlüssiger Businessplan, der aber keine akademische Doktorarbeit sein muss. Das Unternehmen darf nicht länger als 12 Monate zuvor gegründet worden sein. Da sie Repräsentantin der Stadt und zugleich Unternehmerin ist, hatte sie auch gute Argumente gegenüber den Beschwerden der anwesenden Mittelständler bereit.

Die internationalen Teilnehmer sehen das Business positiver

Im Lauf der Diskussion wurden bestimmte Meinungsgruppen sichtbar. Während die einheimischen Teilnehmer das Glas immer halb leer sahen und sich über mangelnde Unterstützung und “aktive Behinderung” von kleinen Unternehmen durch den Staat beklagten, sahen die Ausländer in der Runde die Möglichkeiten und Chancen in Russland noch positiv. Wenn in anderen Ländern 80Prozent des BSP von KMUs erwirtschaftet werden, bedeutet dies doch schlicht, das Russland noch viel Potential für KMUs hat.

Offensichtlich unterliegen die heimischen Unternehmer immer noch der Meinung das die Äpfel in Nachbars Garten die bessern sind und andere Länder wie Finland bessere Wirtschaftsförderung betrieben. Das stimmt zwar defakto und in der Summe bringt jedoch auch Nachteile. Eine lange im Fach arbeitende russische Unternehmensberaterin aus Finnland bekannte, dass viele finnische Unternehmen, welche durch KMU Fördergelder entstehen, nur dank dieser Förderung existierten, weil es sich die “Unternehmer” zu einfach machten.

Die Fragen und sachkundigen Kommentare aus dem internationalen Publikum, zu dem neben Schweden, Finnen, Deutschen, Ukrainer, Belgiern, auch Vertreter aus Estland und Weissrussland, beitrugen, machten eines deutlich – die “Ausländer” sehen die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Russland viel positiver als die Akteuere vor Ort.

*JCI – was ist das ?

Junior Chamber International ist eine regierungsunabhängige selbstverwaltete Organisation (”NGO”) zur Heranführung und Unterstützung Junger Unternehmer. Gegründet in den USA in den 1920er ist die Organisation ist wie in einem Sportverein prinzipiell offen, religonsunabhängig, ohne Vorbedingungen und ohne nationale oder politische Vorgaben – einzige Einschränkung – die aktive Mitglieder sind zwischen 18 und 40 Jahre alt. In Deutschland und dem Begriff Wirtschaftsjunioren, in Österreich unter dem Begriff Junge Wirtschaft agierende treffen sich über all in der Welt Junge Unternehmer und solche die es werden möchten zur Weiterbildung und dem praktischen Erfahrungsaustausch.

JCI St. Petersburg : http://www.jcispb.com/

Internationaler Dachverband :http://www.jci.cc/
Östtereich: http://www.jungewirtschaft.at/
Schweiz: http://www.jci.ch
Deutschland: http://www.wjd.de

Andere:
Austrian Economic Forum http://www.austrianeconomicforum.ru/
Institut für Jungunterhnehgmer(CH) http://www.ifj.ch

[ mm / Sankt Petersburger Herold ]
Foto: Sankt Petersburger Herold