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01-10-2009 Sankt Petersburg
Im Petersburger Konservatorium spielt nach drei Jahrzehnten wieder eine Orgel – aus Deutschland


[ Von Eugen von Arb ] Das Petersburger Konservatorium besass von anfang an Orgeln, und schon bei seiner Gründung 1862 wurden Organisten-Klassen eingeführt.



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Obschon die Orgel in der russischen Kirche nicht verwurzelt ist, gab es dank dem unermüdlichen Erneuerungsdrang Peters des grossen und der religiösen Vielfalt der Stadt um diese Zeit bereits etwa 100 Orgeln an verschiedenen Orten in Petersburg.

Ursprünglich zwei Orgeln aus Ludwigsburg

Das Konservatorium besass seit Beginn über zwei Orgeln der Firma Walcker im württembergischen Ludwigsburg. Während das Instrument im grossen Saal nach wenigen Jahren ausfiel, spielte jenes im kleinen Saal eine wichtige Rolle bei der Ausbildung mehrerer Generationen von Organisten. 1961 hatte allerdings auch seine Stunde geschlagen – es wurde durch eine tschechische Rieger-Kloss-Orgel ersetzt. Die alte Orgel sollte nach Nowosibirsk verlegt werden, wurde aber während des Transports praktisch zerstört.

Da die klimatischen Bedingungen in Petersburg beim Bau der neuen Orgel nicht genügend berücksichtigt worden waren, hatte diese Orgel kein langes Leben. Abgesehen davon , dass sie von beginn weg nicht den musikalischen Ansprüchen der Hochschule genügte, entstanden wegen der hohen Luftfeuchtigkeit schon bald die ersten Schäden. Nach einem Jahr musste sie bereits überholt werden und anfangs der Achtzigerjahre musste der Orgelunterricht ganz eingestellt werden.

Wirtschftskollaps machte ersten Anlauf zur Wiederbelebung zunichte

1997 wurde ein erster Anlauf für eine Wiederbelebung der Orgelkultur am Konservatorium genommen – doch das bereits beschlossene Projekt der Berliner Orgelbaufirma Karl Schuke wurde durch den Wirtschafts-Kollaps von 1998 zunichte gemacht. Im Gegensatz zu den Orgeln in der Philharmonie, der Kapella und der Malteser Kappelle lohnte sich Renovierung der Orgel im Konservatorium nicht, und eine Neuanschaffung wurde beschlossen.

Ein zweiter Wettbewerb wurde 2007 von der Bautzener Firma Eule gewonnen, und im Februar 2009 erreichte schliesslich der 16 Tonnen schwere Transport aus Deutschland Petersburg. Nach sieben Monaten Montage ist die grösste mechanische Orgel in Petersburg fertiggestellt – die helle Orgelverkleidung entspricht genau dem historischen Bild des Saals im 19. Jahrhundert.

Pfeifen von zwei bis 550 Zentimetern Länge

Die gewaltige Anlage verfügt über mehr als 400 Pfeifen in der Grösse von zwei Zentimetern bis fünfeinhalb Metern, die Töne in den Frequenzen von 16 bis 8000 Hertz erzeugen können und mittels über drei Hand- und eine Pedalklaviatur bedient werden. Damit bietet sie praktisch sämtliche Möglichkeiten zur Interpretation von Orgelmusik und ist auch für kombinierte Auftritte mit Chor und Orchester geeignet. Am 23. September zur Eröffnung des Festivals der Konsevatorien wird die Eule-Orgel offiziell eingeweiht werden – Petersburg ist der europäischen Kultur wieder einen grossen Schritt näher gerückt.
[ eva / Sankt Petersburger Herold ]
[ Foto: eva / Sankt Petersburger Herold ]