russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



24-12-2009 Sankt Petersburg
Projekt “Kuppel” – die Isaakskathedrale im Spiegel der Fotografie


[ Von Eugen von Arb ] Eine Fotoausstellung erzählt die 170jährige Geschichte der Isaakskathedrale, die mit ihrer goldenen Kuppel zu den architektonischen Wahrzeichen von St. Petersburg zählt. Gleichzeitig wird in der Ausstellung die Entwicklung der Fotografie aufgezeigt, die ebenso alt ist wie die Kirche.



Werbung


“Am Anfang steht die Kuppel” – die Vollendung von Montferrands mächtiger Dominante leitete 1839 eine neue Epoche der Architektur Petersburgs ein. Oder: “Am Anfang steht eine Daguerreotypie” – so würde die Geschichte der Fotografie in Petersburg beginnen.
Dieses erste Lichtbild der Isaakskuppel, die der Offizier Teremin damals während 25 Minuten belichtete, gehört zu den ersten Fotografien der Stadt und war damals eine solche Sensation, dass sogar die Zeitungen davon berichteten.

Foto- und Architekturgeschichte laufen zusammen

In der Ausstellung im Generalstab laufen diese beiden spannenden Geschichten zusammen. Der architektonische “Monolith” scheint sich seit damals nicht verändert haben – aber wie sehr hat sich dessen Wahrnehmung durch die Menschen seither verändert! In den den Bildern des Hofchronisten Karl Bulla gehört die Kuppel noch zur ehrwürdigen Kulisse der zaristischen Hauptstadt.

Die glänzende Kuppel – Orientierungspunkt für Artilleriebeobachter

Dann lernt die Menschheit fliegen und nimmt die Kathedrale in den Luftnahmen des Fotojournalisten Boris Ignatowitsch als Kegel wahr. In den Kriegsreportagen sowjetischer Reporter aus den Jahren 1941 bis 1944 tritt die Kirche als getarnter, mit Tüchern verhängter Beobachtungsturm der “Festung Leningrad” in Erscheinung. Für die Artilleriebeobachter der Wehrmacht, die das Feuer auf die belagerte Stadt lenken, ist die glänzende Kuppel zum weithin sichtbaren Orientierungspunkt geworden.

Die Zeit “rennt”, die Kathedrale steht still

In der Gegenwart wird die Isaakskathedrale zum Sightseeing-Objekt, auf dem tagtäglich Touristenmassen herumsteigen. Auf ihrem Vorplatz tummeln sich Skateboarder – festgehalten vom Zeitungsreporter Alexander Petrosjan. Seine Kamera muss schnell sein, um das Geschehen einfangen zu können - die Zeit “rennt”, während die Isaakskathedrale immer noch gleich stillsteht wie im 19. Jahrhundert. Dies nur drei Beispiele aus den Bildern von rund vierzig Fotografinnen und Fotografen, welche unter der Leitung des Kurators Igor Lebedews von der Eremitage und dem Fotodepartament zusammen gestellt wurden und deren Entdeckung sich lohnt.
[ Eugen von Arb / Sankt Petersburger Herold ]

Bilder: Die Kathedrale in ihrer ganzen Vielfalt – als Alltagsmotiv im Rückspiegel (Vera Dorn, Ausschnitt), als “Scherenschnitt” im Schnee (Wladimir Antoschenkow) und als Stunt-Kulisse für Skateboarder (Alexander Petrosjan).

Bis am 30. Dezember, Eremitage, Generalstab, 4. Etage, Do-Sa von 13 bis 17 Uhr, sonntags 13 bis 16 Uhr.