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30-12-2009 Sankt Petersburg
Petersburg schaufelt Schnee – wenn nötig mit der Bratpfanne


[ Von Eugen von Arb ] Schnee, wo man hinblickt, die ganze Stadt ist darin begraben. Nach Angaben der Meteorologen haben die Niederschläge der vergangenen Tage Petersburg einen Jahrhundertrekord beschert – seit 1881 soll es nicht mehr soviel geschneit haben.



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Während sich die einen über die weiße Pracht und die bevorstehenden Festtage freuen, befreien andere fluchend ihr Auto aus der Schneewehe. Schaufeln sind Mangelware, darum machen sich viele mit einfachen Küchengeräten ans Werk. Ein Video, das momentan im Internet kursiert, demonstriert, dass sich Bratpfannen dazu am besten eignen.

Eigeninitiative ist gefragt

Eigeninitiative ist gefragt, denn obschon nach offiziellen Angaben hunderte von Arbeitskräften, darunter Wehrpflichtige, und etwa 2.500 Räumfahrzeuge pausenlos im Einsatz sind, hat die Stadt die Situation nicht im Griff. Noch zwei Tage nach den letzten starken Schneefällen sind in vielen Stadtteilen Strassen und vor allem Gehwege kniehoch schneebedeckt.

Auch dort wo Traktoren mit Schaufeln, Bagger und Schneepflüge an der Arbeit sind, erhält man den Eindruck es werde wenig koordiniert vorgegangen. Schnee wird planlos angehäuft oder einfach von der Strasse auf die Gehwege spediert. Auch vereiste Stellen werden kaum beseitigt – weder Salz noch Kies oder Sand wird verstreut.

“Ein Bild wie während der Leningrader Blockade”

Vor allem die Fußgänger, die sich im Gänsemarsch durch Trampelpfade fortbewegen müssen, sind enttäuscht vom Versagen der öffentlichen Dienste und lassen in Internetforen ihrer Wut freien Lauf. “Unsere Stadt bietet ein Bild wie während der Leningrader Blockade 1941-1944″, schreibt ein Blogger. “Wo sind denn die Freiwilligen von “Einiges Russland” geblieben – sie sollen Schnee schaufeln”, kritisiert eine Leserin von Fontanka.ru die Regierungspartei. Die Petersburger Gouverneurin Valentina Matwijenko hat inzwischen die Bevölkerung dazu aufgerufen, selbst anzupacken und den städtischen Angestellten beim Schaufeln zu helfen.

Taxis “streiken”, Flüge und Züge fielen aus

Obschon die wichtigen Strassen mittlerweile relativ frei sind, haben öffentliche Verkehrsmittel immer noch große Verspätung. Wer Bus oder Tram fährt, muss lange warten und beim Einsteigen oft durch hohe Schneehaufen waten. Viele Taxidienste lassen ihre Fahrer wegen der prekären Lage nicht auf die Strasse. Auch der Zug- und Luftverkehr ist von Verspätungen und Ausfällen betroffen. Ein Grossteil der Züge von und nach Moskau konnten nicht fahren – einzig der neue Schnellzug “Sapsan” verkehrte planmäßig und wurde deshalb regelrecht “gestürmt”.
[ eva / Sankt Petersburger Herold ]
[ Bild: Eugen von Arb / Sankt Petersburger Herold ]