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19-03-2010 Sankt Petersburg
Das weiße Gold aus drei Jahrhunderten in Russland


Große Jubiläumsausstellung mit Meissener Porzellan im Katharinenpalast

Der Stuttgarter Kurt Krockenberger, weltweit einer der größten Privatsammler des Weißen Goldes, öffnet sein privates Museum und präsentiert 300 einzigartige Schätze aus drei Jahrhunderten Meissener Porzellan im berühmten Katharinenpalast in St. Petersburg.



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Die Ausstellung unter dem Titel „Das Weiße Gold – 300 Jahre Meissener Porzellan – 300 Jahre Katharinenpalast. Eine Sammlung geht auf Reisen“ wird am 8. Juni im Beisein von Hans Georg Prinz Yourievsky, Urenkel des Zaren Alexander II., feierlich eröffnet.

Die Sammlung von Kurt Krockenberger umfasst ausschließlich Sammlerstücke, Unikate und Raritäten aus drei Jahrhunderten, darunter aufwändig gefertigte Figuren, Vasen und Dosen, bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Viele Schätze stammen aus dem Besitz des europäischen Hochadels, von Königen, Kaisern und Zaren.

Zu den Schätzen Kurt Krockenbergers zählt beispielsweise das Familienporzellan von Zar Alexander II. (1818-1881). Anlässlich des Treffens der drei Kaiser, Zar Alexander II. von Russland, Wilhelm I. von Deutschland und Franz Josef I. von Österreich-Ungarn im Jahr 1872 in Berlin, wurde das so genannte „Drei-Kaiser-Service“ als Geschenk des Königshauses von Sachsen überreicht. Hiervon sind die meisten Teile verschollen. Die aufwändig mit Watteau-Motiven bemalten Teller stammen aus dem Besitz der Familie des Prinzen Yourievsky, dem letzten Nachkommen von Zar Alexander II. von Russland. Die Familie hatte nach dem Krieg in der Schweiz eine neue Heimat gefunden.

Ein Wunder handwerklicher Porzellankunst ist das kleinste Meissener Service der Welt, das heute als Kulturgut einzustufen ist. Es besteht aus 143 Teilen und hat einen Wert von 1,45 Millionen Euro. Kaffeekanne, Zuckerdose, Milchgießer sowie sechs Ober- und Untertassen wiegen gerade mal 18 Gramm. Allein die Tassen sind kleiner als ein Fingerhut. Das kleinste Meissener Kaffee-, Speise- und Wasch-Service der Welt wurde von 1911 bis 1913 in mühevoller und filigraner Kleinarbeit von drei Porzellankünstlern in 18.000 Arbeitsstunden gefertigt. Die Purpurmuster sind handgemalt und mit echtem Poliergold versehen. Dazu gehören drei Mini-Tische und 36 Stühle im Rokoko-Stil. Das Service wurde angeblich für die Bankiersfamilie Rothschild (Frankfurt) gefertigt, blieb aber dann in Deutschland. Auch die Mutter von Königin Elisabeth II., die Puppenstuben sammelte, wollte es schon haben.

Zu den 300 Meissener Schätzen, die im Katharinenpalast ein ganzes Jahr lang gezeigt werden, gehören aber auch noch viele andere auserlesene und seltene Stücke. Zum Beispiel:

- Ein sitzender Chinese als Duftfigur (8 cm groß) aus dem Jahr 1720. Es stellt einen Glücksgott dar, durch seinen geöffneten Mund konnte der würzig duftende Rauch verbreitet werden.

- Ein Medaillon aus dem Jahr 1740-1750 von August III., Sohn von August dem Starken, der 1710 die Meissener Manufaktur gegründet hatte. Die Meissener Miniatur stammt von Johann Martin Heinrici und ist in einer größeren Version nur in der Dr. Schneider-Sammlung, Schloss Lustheim zu sehen.

- Bedeutende, frühe Porzellane von Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, den Erfindern des Meissener Porzellans aus dem Jahr 1710, mit einer Bemalung von Johann Gregorius Hörold und anderen Künstlern sowie Goldchinesen aus der Werkstatt der Gebrüder Seuter aus Augsburg. Darunter befindet sich eine seltene Kaffeekanne aus dem berühmten Jagdservice von Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar.

- Museale Stücke aus dem Goldfondservice aus dem Jahre 1730, darunter aufwändig gearbeitete Doppelhenkelbecher mit Felsvogelmalerei und Goldfond oder eine Zuckerdose mit asiatischem Floraldekor und exotischen Vögeln. Stücke aus diesem Service befinden sich in der Dr. Schneider-Sammlung, Schloss Lustheim.