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17-06-2010 Sankt Petersburg
Wirtschaftsforum PEF 2010 - Petersburg in gespannter Erwartung


[ Von Eugen von Arb ] Nach dem Krisendämpfer im vergangenen Jahr ist man gespannt, was das Petersburger Wirtschaftsforum dieses Jahr an neuen Impulsen zum Thema “Modernisierung der Wirtschaft” bringt. Neben strengen Sicherheitsmassnahmen bedeutet das PEF für die Bevölkerung vor allem Verkehrsbehinderungen durch Parkverbote und Strassensperrungen wenn die VIPs durch die Stadt kutschiert werden.



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Aussenstehende bemerken das bevorstehende PEF vor allem an dem starken Polizeiaufgebot an Bahnhöfen und Metrostationen in diesen Tagen. Laut Fontanka.ru sind die Petersburger Polizeikräfte in etwa verdoppelt worden – die Verstärkung, bestehend aus Miliz und Omon- Truppen wurden aus Petrosavodsk, Welikie Luki und Pskow herbeigeholt. Auch unsichtbar wachen Polizei und Geheimdienst – für die Frist zwischen dem 10. und 20. Juni mussten sämtliche Mobilfunkanbieter ihre Verschlüsselung abstellen, damit Gespräche abhörbar sind.

Lokalveranstaltung mit internationalem Anstrich

Vor allem an den Tagen der Hin- und Abreise der prominenten Gäste (17./19. Juni) kann es zwischen Stadt und Flughafen zu Stockungen durch Polizeieskorten kommen. Aber auch an den restlichen Tagen lässt man das Auto für Fahrten ins Zentrum besser zuhause – vor allem für die Gegend um das Lenexpo-Gelände gelten Fahr- und Parkverbote.

Eines ist klar – auch dieses Jahr wird das PEF eher eine Lokalveranstaltung bleiben, obschon die russische Seite alle Anstrengungen unternommen hat, dem Gipfel einen internationalen Anstrich zu geben. Höhepunkte werden Auftritt und Treffen von Präsident Dmitri Medwedew und seinem französischem Amtskollegen Nicolas Sarkozy am 18. Juni sein.

Aufhänger Frankreichjahr und Russlandjahr

Offizieller Aufhänger ist das Russlandjahr in Frankreich und das französische Gegenstück in Russland, die mit vielen kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen bepackt sind. Spekulationen darüber, am Forum werde der Vertrag für den Kauf des französischen Mistral-Hubschrauberträgers für die russische Flotte unterzeichnet, wurden bereits im Vorfeld klar dementiert.

Wichtigstes Gesprächsthema werde die Zukunft des Euro nach der Krise sein, liess der Kreml verlauten. Zudem werden die beiden Präsidenten die Eröffnung des Innovationszentrums bei Skolkovo im Moskauer Gebiet erörtern – eine Art russisches Silicon Valley mit Forschungszentren für Biochemie, Kernphysik, Nanotechnologie mit russischer, europäischer, amerikanischer und asiatischer Beteiligung. Russland will seine Fortschritte zeigen – so werden erstmals sämtliche PEF- Fahrzeuge mit dem Glonass-Navigationssystem ausgerüstet sein.

Wucher-Hotelpreise sorgen für Skandal

Neben Sarkozy sind wenige klingende ausländische Namen auf der Gästeliste – die meisten stammen aus der russischen Wirtschafts- und Politsphäre. So wurde zum Beispiel der Premier von Südossetien Vadim Browzew und der Minister für Wirtschaftsentwicklung Alexandr Schmailo eingeladen.

Insgesamt sind über 2000 Teilnehmer sowie rund 600 Medienvertreter angekündigt. Sie werden während den vier Tagen die sieben Terminale des Lenexpo-Messekomplexes bevölkern. Die Petersburger Hotels werden praktisch ausgebucht sein – das, obschon viele die Preise für diese Frist um 30 bis 800 Prozent erhöht hatten. Diese imageschädigende, aber gewinnbringende Praxis hatte im Vorfeld bereits zu heissen Diskussionen geführt, und sogar die Gouverneurin hatte die Hoteliers verwarnt.

Flughafen Pulkovo und Newa-Tunnel

Bezüglich Investitionen hat das diesjährige PEF immerhin das milliardenschwere Erweiterungsprojekt des Flughafens Pulkowo zu bieten, dessen Spatenstich in diese Tage fällt. Des weiteren sollen die Vereinbarung zum Bau einer Pharmafabrik in Puschkin sowie ein Memorandum zum Bau des Orlowski-Tunnels unterschrieben werden. Dieses ambitiöse Projekt, mit dem die Newa auf der Höhe des Smolny untertunnelt werden soll, war im Krisenjahr 2009 vorübergehend auf Eis gelegt worden.

Pikalewo II während des Forums?

Welche Rolle Ministerpräsident Putin dieses Jahr spielen wird, ist noch unbekannt. Im vergangenen Jahr musste er sich um den Krisenfall “Pikalewo” kümmern. Die Kleinstadt im Leningrader Gebiet, stand im vergangenen Jahr kurz vor dem Bankrott und trotzte dem Staat durch eine Strassenblockade während des Forums massive Wirtschaftshilfe ab.

Vorsorglich erhielt der Ort kürzlich weitere 350 Millionen Rubel Unterstützung. Wie aber Fontanka.ru schreibt, wartet auch dieses Jahr ein hilfsbedürftiges Objekt auf den “Wirtschafts-Sheriff” Putin – die Petersburger Kirow-Werke, welche kurz vor der Pleite stehen sollen.
[ Eugen von Arb / Sankt Petersburger Herold ]