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12-07-2010 Sankt Petersburg
Ausstellung mit Schweizer Glasmalerei in der Eremitage
Bis am 3. Oktober zeigt die Eremitage Schweizer Glasmalereien aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die aus eigenen Beständen stammen. Die Schweiz Vitrage-Meister waren seit jeher in ganz Europa wegen ihrer Handfertigkeit bekannt – die Sammlungen in Russland und in der Schweiz verbindet eine interessante Geschichte. Auf relativ kleiner Fläche werden in der Eremitage (Säle 163 – 173) rund siebzig Exponate gezeigt.

Es könnten weit mehr sein, wäre nicht kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein Teil der Glasmalerei-Sammlung aus dem Zarenhaus dem Historischen Museum Bern geschenkt worden.




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Erst als nach der Oktoberrevolution private Kunstsammlungen verstaatlicht wurden, vergrösserte sich der Bestand der Eremitage durch Stücke aus der Sammlung Stieglitz.

Die internationalen Fäden rissen nie ab, und die russischen Glasmalerei-Spezialisten blieben dank regelmässigen Fachkonferenzen mit ihren ausländischen Kolleginnen und Kollegen in Verbindung. Tagungsort war dieses Jahr St. Petersburg, und mit schweizerischer Unterstützung wurde kurz vor der Ausstellungseröffnung die Jahreskonferenz abgehalten.

Traditionelles Handwerk – traditionelle Motive

Das traditionelle Kunsthandwerk ist mit einer ebenso traditionellen Motiv-Welt verbunden. Da die meisten Glasmalereien für wichtige Gebäude wie Kirchen, Ratshäusern, Schlössern oder Festsäle angefertigt wurden, stammen auch die Abbildungen aus der Welt der Geschichte, Politik oder Religion. Heiligenbilder, Bibelszenen, historische Szenen, Wappen und Symbole prägen die leuchtend farbigen Glasscheiben.

Ein wichtiges Anwendungsgebiet in der Schweiz waren die Glasscheiben, genannt “Schweizer Scheiben”, auf denen Hochzeiten, Taufen und Wappen von Adelsgeschlechtern, Städten, Zünften, Bürgern und Bauern abgebildet wurden. Städte, Kantone, Zünfte und Vereine tauschten unter einander Wappenscheiben aus – ein Brauch, der sich bis heute gehalten hat.

Einfacher Stil – aufwändige Technik

Der meist einfache Stil von Glasmalereien täuscht darüber hinweg, dass dahinter ein äusserst kompliziertes und aufwändiges Verfahren steckt. Seltene, teure und oft giftige Stoffe werden dabei verwendet, die sich unter hohen Temperaturen mit dem Glas verbinden und eine hohe Lichtbeständigkeit und Leuchtkraft besitzen.

Die Schweizer Scheiben wurden wegen wegen ihres hohen künstlerischen Niveaus geschätzt – ihre Meister Christoph Murer, Hans Rütte und Lukas Zeiner waren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Schöne Exemplare im Bestand der Eremitage Die Eremitage widmete ihren Schweizer Glasmalereien erstmals 2002 im Rahmen einer Ausstellung von Glamalereien Westeuropas grössere Aufmerksamkeit. Im Bestand des Museums finden sich sehr schöne Exemplare, wie zum Beispiel der Fahnenträger-Landsknecht (1551), des Zürcher Glasmalermeisters Carl von Aegeri, der mit der Tocher des Zürcher Bürgermeisters verheiratet und Mitglied der Zunft zur Meise war.

Seine Scheiben mit Wappen und Veduten wurden von vielen Städten und Klöstern erworben und viele haben sich bis heute erhalten – beispielsweise jene in den Rathäusern von Stein am Rhein und Rheineck und im Kloster Muri. Als leuchtende Symbole des Schweizer Bürgertums bewirken die Schweizer Glasmalereien in den Sälen des Winterpalasts einen besonderen und interessanten Kontrast.

Bis am 3. Oktober 2010 in den Sälen 163-173. Eremitage, Dvorzowaja nab. 34., Tel. 710-90-79. Eintritt: 100-350 Rubel. www.hermitage.ru
[ eva/Sankt Petersburger Herold ]