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16-09-2010 Sankt Petersburg
Jan Dunning erobert Hauptsitz der Lenta-Supermarktkette mit Waffengewalt zurück


[ Video am Ende ]

In einem zweiten Anlauf gelang es Dienstag dem ehemaligen Lenta-Generaldirektor Jan Dunning seinen Platz im Petersburger Hauptquartier zurück zu erobern und seinen Konkurrenten Sergei Juschenko zu vertreiben.




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Nachdem der erste “Sturm” des Verwaltungsgebäudes von seinem Konkurrenten Sergei Juschenkos vereitelt werden konnte, traf Dunning gestern Abend mit einem bewaffneten Kommando an der Uliza Sawuschkina 112 ein und verschaffte sich gewaltsam Eintritt zu seinem früheren Arbeitsplatz.

Wie bei einem militärischen Kommandounternehmen wendeten die Privatsoldaten Tränengas und Nebelkerzen an und drangen in deren Schutz zuerst in die Halle und dann in die Büroräume der Firma ein, deren Türen teilweise aufgebrochen wurden (siehe Film unten). Nach Aussagen des Korrespondenten von Fontanka.ru sollen während der Übernahme auch Schüsse gefallen sein, und obschon offiziell niemand verletzt wurde, sollen einige Personen mit Blutspuren gesehen worden sein.

Die Polizei, welche nach der Verhaftung der ersten Welle aus zirka 30 Personen beschäftigt war, griff nicht ein, und umstellte erst nach Abschluss des Unternehmens das Gebäude. Außerdem lässt Dunning den Hauptsitz durch private Wachleute sichern. Dunning, der die Aktionäre TGP Capital und WTB Kapital vertritt, entschuldigte sich gegenüber der Öffentlichkeit für das rabiate Vorgehen – er habe jedoch keine andere Wahl gehabt, um an seinen legitimen Posten zurück zu kehren. Der Verlierer dieser Runde, der von Grossaktionär August Meyer eingesetzte Sergei Juschenko, hat inzwischen eine Klage gegen seinen Konkurrenten bei der Staatsanwaltschaft eingereicht.

Das Vorgehen Dunnings erinnert an die bewaffneten Firmenübernahmen während der Neunzigerjahre – so genannte “Reiderskie Sachwati”. Der Konflikt zwischen den beiden Parteien hatte sich im Oktober 2009 entfacht, als der Aktionär Oleg Scherebzow nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Mehrheitsaktionär August Meier (40,6 Prozent) seine Anteile an TGP Capital (24 Prozent) und WTB Kapital (6 Prozent) verkaufte.

Jan Dunning war der Kompromiss-Kandidat nach dem Verkauf, der laut einer Vereinbarung zwischen den Eignern durch Sergei Juschenko abgelöst werden konnte, falls seine Arbeit nicht befriedige. Von dieser Regelung macht Meier diesen Juli Gebrauch – doch die Gründe für Dunnings Entlassung waren umstritten. Die Seite von TGP Capital und WTB Kapital klagten Dunnings Absetzung vor Gericht an, unterlagen jedoch.

Bild: Streiten um die Führung beim Supermarkt-Giganten Lenta: Jan Dunning und Sergei Juschenko (Foto: Lenta)

Film des ersten “Sturms” bei Fontanka.ru



[ eva/Sankt Petersburger Herold ]