russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



18-11-2010 Sankt Petersburg
Boris Smelow – der Leningrader “Stadtstreicher” mit Kamera


Das Städtische Skulpturenmuseum zeigt vom 16. November bis am 15. Dezember eine weitere Ausstellung der Petersburger Fotografenlegende Boris Smelow. Seine poetischen Schwarzweissbilder spiegeln die Untergrundkultur und das Alltagsleben in den Strassen und Hinterhöfen in einer Zeit als Petersburg noch Leningrad war.




Werbung


Er fotografierte die Sowjet-Bohème und war Teil von ihr – Boris Smelow (1951-1998) porträtierte die Künstlerinnen und Künstler der Leningrader Untergrundszene und gehörte selbst zu ihnen. Seine Person und sein Schaffen wurden erst in den Neunzigerjahren in großem Stil ausgestellt und publiziert, denn seine Motive und Perspektive passten in keiner Hinsicht in die optimistisch-sozrealistischen Schablone der offiziellen Sowjetkunst.

Das heißt aber keineswegs, dass seine Fotografie pessimistisch ist – im Gegenteil gab er seiner Stadt ein poetisch-romantisches Gesicht, das dem Paris eines Doisneau in nichts nachsteht. Seine Szenen sowjetischer Beschaulichkeit und die neblig-grauen oder hart kontrastierenden Stadtlandschaften bestechen durch ihre Rauheit.

Blick hinter die verführenden Kulissen der “Kulturhauptstadt”

Smelow blickt hinter die verführenden Kulissen der “Kulturhauptstadt”, anstelle arrangierter Schönheit wirken Zufall und Spontaneität. Die Kamera ist immer dabei, sie liegt auf dem Küchentisch und neben dem Bett, sie wird auf jedem Spaziergang, während mitgetragen. Fotografie nicht Projekt mit Anfang, Ende und Ziel, sondern das Leben selbst ohne Grenzen zwischen Beruf und Privatleben.

Entsprechend seiner unsteten Biografie wurde auch Smelows Schaffen auf eine Vielzahl von Sammlungen verstreut. Nach einer umfassenden Ausstellung in der Eremitage und in der Galerie “Borey” präsentiert nun das Städtische Skulpturenmuseum einen weiteren Ausschnitt von Smelows Werk aus den Siebziger- Achtziger- und Neunzigerjahren.

24. November 17.00 Diskussionsrunde zum Thema “Boris Smelows Ästethik”
15. Dezember 16.00 Finissage

Ausstellungssaal des städtischen Skulpturenmuseums, Newski Prospekt 179/2. Eintritt 50-100 Rubel. Тel. 314-12-14.


[ eva /Sankt Petersburger Herold ]