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01-03-2011 Sankt Petersburg
Michail Gluschenko legt Geständnis im Mordfall Kapysch ab
Der Petersburger Mafioso und Ex-Duma-Abgeordnete Michail Gluschenko, mutmasslicher Erpresser über zehn Millionen Dollar und Beteiligter an einem Dreifachmord auf Zypern, hat ein Geständnis abgelegt. Allerdings betrifft es einen anderen Mordfall – das spektakuläre Attentat auf den Grossunternehmer und “Öl-Baron” Nordwestrusslands Pawel Kapysch 1999.



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Kapysch war am 26. Juli 1999 mit seiner gepanzerten Limousine im Petersburger Stadtzentrum unterwegs. Als er an einer Kreuzung hielt, beschossen mehrere maskierte Killer auf Motorrädern den Wagen mit Granatwerfern und Maschinenpistolen. Kapysch erlag im Spital seinen Verletzungen.

Gluschenko, der diese Aussage offenbar in der Absicht auf Strafmilderung machte, soll den Anschlag damals im Auftrag des Mafiabosses Wladimir Barsukow geplant haben. Gluschenko soll indirekt in eine weitere blutige Schiesserei verwickelt sein, die 1996 im Hotel “Newski Palace” über die Bühne ging.

Gluschenko “verspätete sich”

Damals versuchte ein Killerkommando den Unternehmer Viktor Gawrilenko zu erschiessen – er überlebte allerdings verwundet, während zwei seiner Leibwächter und ein unbeteiligte englischer Tourist im Kugelhagel getötet wurden. Der Mord fand während einer Verabredung mit Michail Gluschenko statt, die vermutlich fingiert war, weil Gluschenko sich “verspätete”.

Die Organisation dieses Anschlags wird dem Ex-Politiker Andrei Rybkin angelastet, der ebenfalls behauptet, Wladimir Barsukow habe ihn “bestellt”. Die mutmassliche Beteiligung Rybkins in dieser Angelegenheit kam während Ermittlungen zur räuberischen Übernahme des Restaurants “Peterburgski Ugolok” und zehn weiteren ähnlichen Fällen ans Licht.

Die Fäden laufen bei Barsukow zusammen

Während Rybkin bei diesen Verbrechen nach 15 Jahren auf eine Verjährung hoffen kann, könnte der Verdacht im Fall Gawrilenko zu einer Verurteilung sorgen. Auffällig, so schreibt Fontanka.ru, ist die Tatsache, dass sowohl Gluschenko als auch Rybkin den Gründer der berüchtigten “Tambower Mafia” Wladimir Barsukow für die Killeraufträge verantwortlich machen.

Der aus Tambow stammende Berufsboxer und König der Petersburger Unterwelt begann Ende der Achtzigerjahre sein Syndikat aufzubauen. 1990 wurden er und weitere Bandenmitglieder verurteilt und eingesperrt. Nach seiner Rückkehr 1993 ereignete sich eine Reihe blutiger Verbechen, für die Barsukows Organisation verantwortlich gemacht wird. 1994 wurde ein Attentat auf ihn verübt, wobei sein Leibwächter getötet und Barsukow seinen rechten Arm verlor. 1995 wurde er Vizevorstand des Öl- und Treibstoffunternehmens PTK (Peterburgskaja Topliwaja Kompania), die er 2000 verliess.

Der Geldwäsche über deutsch-russisches Unternehmen beschuldigt

Laut Kommersant wurde er 2004 von der deutschen Justiz wegen des Verdachts verhört, in den Neunzigerjahren über die St. Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG (SPAG) Mafia-Gelder gewaschen zu haben. Barsukow gilt als Teilhaber mehrerer Petersburger Firmen, darunter das Businesszentrum “Grand Palace und die Fleischkonservenfabrik Parnas-M. 2009 wurden Barsukow und mehrere Mitglieder seiner Bande zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
[ eva / Sankt Petersburger Herold ]
Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold