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15-02-2005 Sankt Petersburg
Nach St. Petersburg ist ein Kreuz aus dem 14. Jahrhundert mit einem Teilchen der heiligen Reliquien des Großmärtyrers Panteleimon gebracht
Nach St. Petersburg ist ein Kreuz aus dem 14. Jahrhundert mit einem Teilchen der heiligen Reliquien des Großmärtyrers Panteleimon gebracht. Das teilte Michail Schischkow, Pressesprecher des Walaam-Klosters, am Dienstag mit.

Dieses Reliquienkreuz gehörte im Verlaufe von über sechs Jahrhunderten dem berühmten Bojarengeschlecht der Naschtschokins, das beim Werdegang des Russischen Staates eine wichtige Rolle gespielt hat. Das Heiligtum war nie weitgehend zugänglich, erst im vorigen April wurde das Kreuz bei einem Privatsammler gekauft und dem Walaam-Kloster zum Geschenk gemacht.

Im September wurde das Kreuz auf Anregung des Erzbischofs Pankratius, Vorsteher des Walaam-Klosters, nach Moskau, in das Verbrennungszentrum gebracht, wo Kinder behandelt werden, die beim Terrorakt in der nordossetischen Stadt Beslan in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Später befand sich das Kreuz im Walaam-Klosteranwesen in Moskau, am Dienstag kehrte es nach St. Petersburg zurück.

Am Vormittag wurde das Heiligtum von den Bewohnern des Walaam-Klosters im Moskauer Bahnhof empfangen. Danach wurde das Reliquienkreuz feierlich in das Walaam-Klosteranwesen in die Kirche des Muttergottesbildes von Kasan gebracht, wo es von dem Klostervorsteher Erzbischof Pankratius mit Klosterbewohnern, Gemeindemitgliedern und Gläubigen der Stadt empfangen wurde.

Nach dem feierlichen Empfang wurde der feierliche Gottesdienst und ein Gebet abgehalten sowie eine Kirchenprozession durchgeführt.

Das Heiligtum wird im Klosteranwesen voraussichtlich rund zwei Monate bleiben und danach erneut nach Walaam gebracht, sagte Schischkow.

Das Walaam-Mönchskloster zu Christi Verklärung gehört neben dem Solowki-Kloster im Weißen Meer zu den bekanntesten Klöstern von Nordrussland und wird als Nördlicher Athos bezeichnet. Es ist auf Walaam, der größten Insel des gleichnamigen Archipels im nordwestlichen Teil des Ladoga-Sees, gelegen.

Im 14.-15. Jahrhundert bestand hier bereits eine zahlreiche Mönchsbrüderschaft, die das Andenken der Gründer des Klosters - der heiligen Sergius und Hermann - ehrte. Die neue Geschichte des Kosters beginnt im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts als Peter I. Westkarelien endgültig an Russland angliederte. Die intesivste Bautätigkeit entfaltete sich im 19. Jahrhundert, damals bildete sich auch die architektonische Gestalt des Klosters in allgemeinen Zügen heraus. In seinem Dasein vereinigte sich seit alters her das Mönchsgemeinschaftsleben mit dem Eremitenleben. Walaam zog als großes religiöses und wirtschaftliches Zentrum neben den Pilgern auch viele Maler an.

Im Zeitraum von 1917 bis 1940 gehörte das Kloster zusammen mit dem ganzen Archipel Finnland. Nach der Beendigung des sowjetisch-finnischen Krieges /1939-1940/ gingen die Mönche, die Repressalien befürchteten, von hier weg. Sie gründeten das Neue Walaam-Kloster in Heinavesi, jenseits der verschobenen Grenze. Auf der "alten" Walaam-Insel wurde eine Schule für Schiffsjungen, später /ab 1945/ ein Internatsheim für Kriegsinvaliden und ab 1979 das historisch-architektonische und Naturschutzreservat eingerichtet. Das der Russisch-Orthodoxen-Kirche zurückerstattete Kloster /die Übergabe der Gebäude begann 1988/ stellt seine historisch-kirchliche wie auch historisch-künstlerische Würde wieder her. (RIA)