Regierung: Informationen über bevorstehende Rubel-Abwertung sind „kompletter Unsinn“

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Die russische Regierung will den Rubel nicht künstlich schwächen. Anderslautende Informationen bezeichnete die Pressesprecherin von Premier Medwedjew, Natalja Timakowa, gestern gegenüber dem Internetdienst Lenta.Ru als „kompletten Unsinn“.

„Derartige Pläne kann es nicht geben, weil der Kurs des Rubels zu anderen Währungen von der Nachfrage und dem Angebot abhängt. Die Volatilität des Rubelkurses wird in bedeutendem Maße von der Dynamik der Preise für das Erdöl bestimmt“, betonte Timakowa. Sie versicherte, dass die Haushalts- und Steuerpolitik der Regierung auf die Senkung des Defizits gerichtet sei, was sich in der Perspektive auf eine  Festigung des Rubels auswirken werde.

Auch im Finanzministerium wurde erklärt, dass die Frage einer gezielten Abwertung des Rubelkurses nie wirklich stand. „Vielmehr arbeiten wir zurzeit an Maßnahmen zur Haushalts-Konsolidierung und zur Reduzierung des Haushaltsdefizits. Diese Schritte werden, aus Sicht des Finanzministeriums, einen kräftigenden Einfluss auf den Kurs haben“ teilte ein Ressort-Sprecher auf Anfrage von RIA Nowosti mit.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters auf zwei Insider verwiesen, die behauptet hatten, dass die russische Regierung die Möglichkeit einer Abwertung des Rubels diskutiert, um die Verluste für den Staatsetat infolge der einbrechenden Erdöleinnahmen auszugleichen. Demzufolge würde die Abschwächung des Kurses um einen Rubel die Haushaltseinnahmen um 35 bis 40 Mrd. Rubel  vergrößern.

Ursprünglich hatte die russische Regierung beim Haushalt 2016 auf der Basis eines Preises für Erdöl der Marke Ural von durchschnittlich 50 Dollar je Barrel mit einem Defizit von 2,361 Billionen Rubel (3 Prozent des BIP) kalkuliert. Bei einem Erdölpreis von 40 Dollar pro Barrel würde die Lücke zwischen den Haushalts-Einnahmen und -Ausgaben, nach Berechnungen des russischen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Handel auf 3,9 Billionen Rubel (ca. 40 Mrd. Euro) wachsen.

Auch die russische Zentralbank lehnt jede Manipulation des Rubelkurses ab.

„Der künstliche Einfluss auf den Rubelkurs bringt letzten Endes nichts, außer Schaden für die russische Wirtschaf“, heißt es in einer Pressemeldung.

Die russischen Währungshüter hatten am 10. November 2014 den früher geltenden Mechanismus der Kurspolitik aufgehoben und waren zu flexiblen Wechselkursen übergegangen.

Der Fall des Rubels hatte in der zweiten Hälfte 2014 begonnen, als von Juni bis Dezember die russische Währung zum Dollar um mehr als die Hälfte einbrach. Im vergangenen Jahr  verlor der Rubel vor dem Hintergrund des Preissturzes bei Erdöl zum Dollar 31 %, zum Euro 17 %.

Seit Beginn dieses Jahres stiegen der Dollar zum Rubel um weitere acht Prozent, zeitweilig bis über die Marke von 80 Rubeln, und der Euro sogar um 12 % auf mehr als 90 Rubel.
(hh/russland.ru)

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.