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12-03-2010 Kultur
Lenas Opa in Moskau


Aus den Heerscharen der Casting-Sternchen strahlt aktuell eine außergewöhnliche Sängerin aus Hannover hervor: Lena Meyer-Landrut. Sie steht heute im Finale um die Eurovisions-Fahrkarte nach Oslo und gilt dort mit ihrem außergewöhnlichen Gesangsstil als haushohe Favoritin. Aber was hat das hier zu suchen und mit Russland zu tun?




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Ganz einfach – der nun plötzlich in zahlreichen Zeitungsartikeln auftauchende Großvater der Sangeskünstlerin Andreas Meyer-Landrut stammt aus der späteren Sowjetunion und hat einen Großteil seines Lebens als angesehener Experte in Russland verbracht – am Ende als Deutscher Botschafter in Moskau.

Geboren in Tallin flüchtete er 1945 mit der Mutter in die Bundesrepublik, um jedoch, anders als die meisten anderen Flüchtlinge 1957 nach Osteuropa zurückzukehren: Als junger Attaché frisch nach der Ausbildung in die Deutsche Botschaft Moskau. 12 Jahre wird er hier in mehreren Abschnitten leben, als promovierter Slawist und Osteuropa-Historiker ein wichtiger Experte, der es in den 80ern bis zum Botschafterposten bringt. Er erlebt einiges, Schwimmen mit Breschnjew, Beratungen mit Helmut Schmidt, Kreml-Erkundungen mit Franz-Josef Strauß und später einen Job als Genscher-Berater zur Perestroika-Zeit. Den Russen begegnet das Flüchtlingskind am Anfang mit wenig Sympathie, wandelt sich dann aber über die vielen Jahre im Land zum Kenner und Russlandfreund, der die Herzlichkeit der Menschen schätzt – nachzulesen in seinem fast vergessenen Buch „Mit Großvaters Biberpelz“, das sogar noch im Buchhandel zu finden sein dürfte (auch wenn es wahrscheinlich vor dem Enkelerfolg kaum jemand mehr gesucht hat).

Interessant hierbei – auch Großvater Meyer-Landrut war nicht der stille Diplomat im Hintergrund, sondern liebte in der Moskauer Zeit das Theater-und Konzertleben – und die eigene Darstellung im Rampenlicht, die in seinem Buch nicht zu kurz kommt. So liegt die große Bühne der Welt wohl hier in der Familie. Von dieser musste aber der Russlandexperte Andreas M-L nach der letzten Station Bundespräsidialamt 1994 in Richtung Ruhestand abtreten, um immer wieder für die eine oder andere Ehrung in Berlin aufzutauchen.

Bleibt abzuwarten, ob die nun plötzlich so prominente Enkelin, die ihren Opa auf seine alten Tage wieder mit in die Scheinwerfer gespült hat, zu dem Dauerstar wird, zu dem Medien wie Spiegel, Bunte oder Welt sie schreiben. Wenn ja, werden wir russisch am Ball bleiben und das hübsche Russlandbuch von ihrem Großväterchen auch einmal ausführlicher rezensieren. Und natürlich jede Russland-Tour des neuen Stars begleiten. Und natürlich auch nach Russlandverbindungen der Sängerin fahnden, über deren Privatleben aktuell erstaunlich wenig bekannt ist. Immerhin stammt auch unser Herausgeber aus Hannover und ist Lokalpatriot.
[ Roland Bathon – russland.TV, Russland hören und sehen ]



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