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Flattr this 03-03-2008 Special Wahlen
Russland nach der Wahl: Kantersieg für Putins Wunschnachfolger Medwedew umstritten
Der Ablauf der russischen Präsidentschaftswahl ist international auf Kritik gestoßen. Der haushohe Sieg des 42-jährigen Dmitri Medwedew, den Amtsinhaber Wladimir Putin als seinen Wunschnachfolger designiert hatte, sei weder gerecht noch frei zustandegekommen, befand die Beobachtermission des Europarates am Montag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Medwedew, bedauerte aber zugleich Unregelmäßigkeiten bei der Wahl.




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Andere westliche Politiker gratulierten und wünschten bessere Beziehungen zu Moskau. Der Chef der russischen Wahlkommission, Wladimir Tschurow, wies die Kritik an dem Urnengang zurück. Medwedew siegte mit mehr als 70 Prozent.

"Wir denken, dass diese Wahl nicht frei war", kritisierte der Chef der Europaratsmission, Andreas Gross. Russland habe sein "demokratisches Potenzial" nicht ausgeschöpft. Tschurow erwiderte: "Ich kenne kein Dokument, das die Ausschöpfung des demokratischen Potenzials regelt." Die Europaratsbeobachter waren die einzigen westlichen Experten bei der Wahl. Die Beobachter der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) nannten die Wahl "frei und transparent". Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte ihre Mission wegen Behinderung durch die Behörden von vornherein abgesagt. Der Oppositionspolitiker Garry Kasparow bezeichnete Medwedews Wahl als "illegitim".

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Wahlkommission stimmten für Medwedew 70,2 Prozent der Wähler, von den drei Gegenkandidaten schnitt der Kommunist Gennadi Sjuganow mit 17,8 Prozent am besten ab. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 70 Prozent. Sjuganow kündigte an, er werde wegen Wahlbetrugs die Justiz einschalten. Westliche und unabhängige russische Beobachter hatten schon vor der Wahl den ungleichen Zugang zu den Medien bemängelt. Am Sonntag wurde die Beeinflussung oder auch Einschüchterung von Wählern kritisiert sowie das Verbot für russische Wahlbeobachter, die Wahllokale zu betreten.

In Berlin gratulierte Bundeskanzlerin Merkel dem Wahlsieger. Nach den Worten von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg wurden "demokratische Grundsätze nicht durchgehend eingehalten". Merkel wolle aber Putins Nachfolger so schnell wie möglich treffen. Andere EU-Vertreter gratulierten, ohne auf Unregelmäßigkeiten hinzuweisen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte die Hoffnung auf einen Ausbau der Beziehungen der EU zu Russland. Und während Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Medwedew zu seinem "überzeugenden Sieg" gratulierte, verlangte Außenminister Bernard Kouchner, Russland den Platz zu gewähren, der ihm zustehe. US-Präsident George W. Bush erklärte, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten.

In Russland wurde weiter über die künftigen Rollen von Medwedew und Putin spekuliert, der jetzt Regierungschef werden will. Medwedew sagte auf einer Pressekonferenz nach der Wahl, dass er eine Verlagerung der Präsidialmacht auf den Ministerpräsidenten nicht anstrebe. "Der Präsident hat seine Befugnisse und der Ministerpräsident hat seine. Diese wurden vor langer Zeit eingerichtet, und niemand will sie ändern", sagte er mit Blick auf Kritiker, die eine neue Machtfülle bei einem künftigen Regierungschef Putin erwarten. "Ich habe den Eindruck, dass Medwedew unabhängiger ist, als er zunächst schien", sagte der Experte Alexej Malaschenko vom Carnegie-Zentrum in Moskau.


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