RUSSISCHE REGIERUNG FÖRDERT GOLDBERGBAU

Deutsche Bergbautechnik in Russland zurzeit schwer absetzbar / Kunden fehlt 2016 die Finanzierung

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Von Ullrich Umann Moskau (gtai) – Für deutsche Hersteller von Bergbautechnik verschlechtern sich die Lieferchancen nach Russland. Der Abwärtstrend aus dem Vorjahr setzt sich 2016 fort. Die Investitionskraft russischer Bergbaugesellschaften schrumpft. Sinkende Weltmarktpreise auf Edelmetalle, Rohstoffe und Energieträger sowie gesättigte Märkte im In- und Ausland verhageln die Betriebsergebnisse. Nachfrage nach Technologie ist von der Erschließung von Goldminen in Transbaikalien und im Fernen Osten zu erwarten.

Die Föderalregierung gewährt Investoren in Goldminen finanzielle Rückendeckung. Für den Ausbau der Infrastruktur an der Goldlagerstätte Natalkinsk im Gebiet Magadan unterschrieb Premierminister Medwedew am 8.2.2016 Zahlungszusagen über 130 Mio. US$. Zu den staatlichen Zuschüssen kommen 1,2 Mrd. $ an Eigenmitteln von Polyus Soloto hinzu. Der russische Konzern schürft in Natalkinsk künftig nach Gold. Die Vorkommen werden auf 16,3 Mio. Feinunzen Gold geschätzt.

Staat konzentriert sich auf Förderung der Goldgewinnung

In Suchoj Log nahe der Stadt Irkutsk (Region Transbaikal) befinden sich die drittgrößten Goldvorkommen der Welt. Die zur Erschließung erforderlichen Investitionen werden auf 1,3 Mrd. $ geschätzt. Experten rechnen damit, dass die Behörde Rosnedra Ende 2016 oder Anfang 2017 eine Förderkonzession erteilt. Voraussichtlich erhält ein Konsortium aus Rostec und Polyus Soloto den Zuschlag.

Investitionen in Goldminen in Planung

Für neue Projekte der Goldgewinnung müssen massiv Gelder in die Hand genommen werden, denn in der gegenwärtigen Konjunkturkrise sind nur noch Megavorhaben wirtschaftlich. Darauf wiesen Experten auf der Fachveranstaltung „MINEX 2015“ in Moskau mehrfach hin. Pro Projekt müssten mindestens 300 Mio. US$ investiert werden. Nur auf diese Weise könne eine Abbaumenge von 1 Mio. jato Erdreich unter Tage beziehungsweise von 10 Mio. jato im Tagebau garantiert werden.

Projekte geringeren Ausmaßes würden sich dagegen nicht mehr rechnen, zumindest beim gegenwärtigen Weltmarktpreis von etwa 1.200 $ pro Feinunze Gold. Dieser liegt weit unter dem Höchstwert von mehr als 1.800 $ aus dem Jahr 2012.

Kosten für Infrastruktur immens hoch

Die Investitionskosten werden zusätzlich um 30 bis 50% in die Höhe getrieben dadurch, dass zur Goldförderung Strom- und Gasanschlüsse verlegt sowie Schienenwege und Straßen in klimatisch unwirtlichen Gegenden gebaut werden müssen. Neben der hohen Mindestsumme für Investitionen ist die zu geringe Zahl an Fachkräften für den Ausbau der Goldförderung in Russland hinderlich.

Ohne finanzielle Beteiligung des Staates wird es daher vielerorts nicht gehen. Doch ist die Investitionskraft des Staates wegen niedriger Einnahmen aus dem Ölexport gesunken. Die Auswahlverfahren der Regierung haben sich verschärft. Bei anderen Bodenschätzen (außer Gold) sieht die staatliche Förderung schon weniger großzügig aus. Im Ergebnis ist die Erschließung neuer Lagerstätten, zum Beispiel an Kupfer- und Eisenerz, im gesamten Land auf ein Minimum heruntergefahren worden.

Interesse an Kupfer- und Eisenerzförderung aktuell niedrig

Der Konzern Norilsk Nickel hat sich von der Förderung von Kupfererz in der Region Transbaikal fast komplett verabschiedet. Konkret zog sich der Konzern aus den Standorten Zergunsk, Lugokansk und Kultuminsk zurück. In diesen Fällen lag es daran, dass potenzielle Geldgeber und Geschäftspartner aus der VR China kein Interesse mehr signalisierten. Daher fehlen Norilsk Nickel die nötigen Finanzen.

Lediglich am Standort Bystrinski treibt Norilsk Nickel ein Projekt zur Erschließung von Kupfer- und Eisenerzvorkommen voran. Neben Erzen wird dort auch Gold vermutet, was die Anziehungskraft des Vorhabens auf Investoren erhöht. Der chinesische Highland Fund wird zusammen mit Norilsk Nickel die notwendigen 750 Mio. $ für die Erschließung aufbringen.

Technologiewandel im Bergbau bis 2030

Um produktiver und damit auf den Weltmärkten konkurrenzfähiger zu werden, müsssen die russischen Bergbaukonzerne massiv in Technologie investieren. Das gilt für alle Rohstoffe, darunter Gold-, Kupfer- und Eisenerze, Diamanten und Kohle. Deshalb setzt die Branche in ihrer Entwicklungsstrategie bis 2030 auf Produktivitätszuwächse durch technologischen Wandel. Im Ergebnis sollen die Selbstkosten sinken. Angestrebt wird eine fortschreitende Automatisierung und der Einsatz von Robotertechnik im Bergbau.

Bei Bergbautechnik, insbesondere bei automatisierten Verfahren, besteht eine hohe Importabhängigkeit. Modernstes Abraumgerät muss zu 85% eingeführt werden. Bei Transportsystemen liegt der Importanteil bei 70%, ebenso bei Belüftungs- und Klimatechnik für die Anwendung unter Tage. Bei Nachrichtentechnik stammen 50% aus dem Ausland. Selbst bei Förderbändern liegt der Einfuhranteil bei 40%. Hauptlieferländer für Bergbautechnik sind die Ukraine, Belarus, Deutschland, die USA, die VR China, Polen und die Tschechische Republik.

Krise im russischen Bergbau

Der russische Bergbau steckt insgesamt in einer tiefen Krise. Ähnlich wie bei Öl und Gas müssen sinkende Weltmarktpreise auf Metallerze, Edelmetalle, fossile Energieträger und andere Rohstoffe durch höhere Fördermengen kompensiert werden. Zusätzliche Liefermengen lassen sich auf dem Inlandsmarkt in der aktuellen Konjunkturlage jedoch nicht unterbringen. Einen Ausweg bildet die Ausfuhr von Bergbauprodukten. Der fallende Außenwert des Rubels kommt den Exportbemühungen sogar entgegen. Doch setzen Kapazitätsengpässe im sibirischen Schienentransport und in den fernöstlichen Verladehäfen sowie die rückläufige Nachfrage nach Rohstoffen im wichtigen Abnehmerland VR China dem Export Wachstumsgrenzen. Der neue Hoffnungsträger für russische Rohstoffanbieter heißt Indien.