Russische Stimmen zum Brüsseler Terroranschlag

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Franz Klinzewitsch, der Erste stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit im Föderationsrat, sagte, dass „man die heutigen Terroranschläge in Brüssel als einen massiven Angriff auf Europa bezeichnen kann und dass sie fast identisch mit den Anschlägen in Paris sind.

„Sie zeigen die gleiche Taktik: So viele Menschen wie möglich töten und noch schlimmer, an verschiedenen Orten zugleich, um eine Massenpanik zu erzeugen. Es ist absolut offensichtlich, dass beide Operationen von einem Zentrum geplant wurden“, sagte der Senator. Aber „so schrecklich das auch klingt, ich will nicht ausschließen, dass beide Vorgänge nur Generalproben sind. Ich will daran erinnern, dass Frankreich im Juni Gastgeber der Fußball-Europa-Meisterschaft ist.“

„Die Anschläge von Paris und von Brüssel machen deutlich, „dass die Menschheit mit einer schrecklichen und durch nichts aufzuhaltenden Macht konfrontiert ist. Und wir müssen ehrlich gestehen, dass die Welt sich als unvorbereitet erwiesen hat, diese terroristische Bedrohung effektiv zu bekämpfen. Die Anstrengungen zur Koordination müssen deutlich erhöht werden. Russland ist zu einer solchen Koordinierung bereit und wir werden unsere Erfahrungen bei der Bekämpfung des Terrorismus mit einbringen.“

Laut dem Vorsitzenden des Russischen Föderationsrates des Ausschusses für Internationale Angelegenheiten, Konstantin Kosatschew, erfordert die terroristische Bedrohung im „europäischen Haus“ eine schnelle Bündelung der Kräfte auf der Grundlage der gemeinsamen Werte unabhängig von politischen Ambitionen und taktischen Zielen.

Er zitierte Putins Worte auf der UN-Generalversammlung „nicht durch Ambitionen, sondern durch gemeinsame Werte und Interessen bei der Gestaltung einer wirklich breiten anti-terror-Koalition“ könne man Erfolg haben. Aber leider verfolge jeder mögliche Partner immer nur seine eigenen Interessen.

Er erinnerte auch daran, dass der Föderationsrat im November einen Appell an die Parlamente der Welt geschickt und sie aufgefordert hat, „politische Differenzen beiseite zu legen, und entschlossen eine umfassende und wirksame zwischenstaatliche Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus in Angriff zu nehmen.“

Der Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der Duma, Alexej Puschkow, verknüpfte die Bombenexplosionen mit der Politik der NATO. Die Terroranschläge hätten gezeigt, wie recht diejenigen haben, die die Bedrohung der Welt nicht in Russland, sondern im internationalen Terrorismus sehen und geografisch sei diese in der Zone von hoher Instabilität im Nahen und Mittleren Osten angesiedelt.

„NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte auf der Münchener Konferenz, dass die Bedrohung durch Russland die wichtigste Aufgabe für das Bündnis sei. Dabei ist allen klar, dass die Bedrohung aus dem Süden kommt.“

„Während die NATO eifrig mit Vorbereitungen für die Bereitstellung mehrerer militärischer Einheiten in den baltischen Ländern und in den Vereinigten Staaten beschäftigt ist und die NATO-Länder Ihre militärische Präsenz in Osteuropa drastisch verstärken, werden die Menschen buchstäblich nebenan, in Brüssel, der Stadt des NATO-Hauptquartier, in die Luft gesprengt“, sagte Puschkow.

„Mit anderen Worten, dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die NATO-Prioritäten völlig falsch sind. Es ist ein völliges Unverständnis der aktuellen internationalen Situation. Ich muss sagen, die westliche und Europäische öffentliche Meinung ist völlig verwirrt, denn statt der realen Bedrohung eines wirklichen Feindes, wird Russland als angeblicher Feind hingestellt.“ Eine grundlegende Revision der Außenpolitik und der Prioritäten sei notwendig.

„Ein Akt der Rache für den Verlust Ihres Führers“

Der ehemalige Chef des russischen Geheimdienstes (FSB), Nikolai Kowaljow, hält die Anschläge in Brüssel für Racheakte für die Verhaftung Salah Abdeslam, des vermeintlichen Chefs der Terroristen, die für die Anschläge in Paris verantwortlich sind.

„Er ist einer der Führer im Untergrund.“ Und dieser Racheakt bedeute, dass die europäischen Geheimdienste mit ihrer Annahme recht und vorzüglich gearbeitet hätten.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit zehn Jahren bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.