Russland flüchtet aus dem Dollar

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Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 wechseln immer mehr Zentralbanken ihre Dollarbestände gegen Gold ein und lagern es in ihren Tresoren.

Es sind dies insbesondere Ostasiatische Zentralbanken mit China und Russland an der Spitze. Wie Bloomberg schreibt, lösten bis zu dieser Trendwende die Zentralbanken ihre Goldreserven auf und setzten seit 1971, als die USA die Koppelung des Dollars an das Gold aufhoben, auf den Dollar. Heute erfolgt eine massive Gegenbewegung.

Allein im vergangenen Jahr kauften staatliche Zentralbanken 590 Tonnen Gold (1 t = 1.000 kg) laut dem World Gold Council. Dies sind 14 % des gesamten Jahres-Goldhandels. Experten sind der Meinung, dass es den Zentralbanken allein darum geht, ihre Devisenreserven – bevorzugt den US-Dollar – los zu werden und die Reserven mit Gold zu sichern.

Russland und China forcieren diese Entwicklung und werden auf diese Weise unabhängiger von den USA. Russland hat allein im Januar für 800 Mio. $ 22 t Gold gekauft.
„Das war der elfte Monat in Folge, in dem sie große Goldmengen gekauft hat. Denn Russland hat im Jahr 2015 seinen Goldreserven eine Rekordmenge von 208 Tonnen hinzugefügt, im Vergleich dazu 172 Tonnen im Jahr 2014. Jetzt hält Russland 1437 Tonnen Gold in Reserve und ist damit laut dem World Gold Council in London die Nation mit der sechstgrößten Reserve. Nur die Zentralbanken der USA, Deutschlands, Italiens, Frankreichs und Chinas halten eine größere Tonnage an Goldreserven“, so der Analyst von Zerohedge William Engdahl.

Den Sinn dieser „Flucht“ ins Gold erkennt man, wenn man weiß, dass Russland das Gold mit amerikanischen Staatsanleihen bezahlt hat – eine weitere „Unannehmlichkeit“ für die USA, wenn plötzlich vermehrt Staatsanleihen auf dem Markt sind. Anfang 2014 hatte Russland für 132 Milliarden $ US-Staatsanleihen im Besitz, Ende 2015 waren es nur noch 92 Milliarden.

Auch China arbeitet in dieselbe Richtung wie Russland und hat 17 t eingekauft. Zwischen 2009 und Mitte 2015 sind Chinas Goldreserven um ca. 60 % auf 1.780 t gestiegen. Immer deutlicher wird, dass sich wichtige asiatische Staaten „entdollarisieren“. Diese „Entthronisierung“ des Dollars (und damit der USA) geschieht unaufhaltsam aber langsam, damit auf dem Markt keine Unruhen ausgelöst werden, die die Staaten selbst und die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen würden.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit zehn Jahren bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.