Russland ist dicht: Der Rückzug aus Afghanistan jetzt ein logistischer Alptraum

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Nach den von Russland als feindselig empfundenen Aktionen und Androhungen der NATO – wie u.a. Ausrichtung des angeblich gegen den Iran gerichteten Raketen-„Schutzschildes“ auf Russland und vieles mehr – hat Russland jeglichen Transport von NATO-Militärgütern über russisches Staatsgebiet untersagt.

Auf dieser zwar langsamen und mühsamen Route gelangten 75 Prozent der in Nordeuropa angelandeten und dann via viele Tausend Kilometer Eisenbahn durch Russland und Kasachstan beförderten Militärgüter schließlich nach Afghanistan.

Rückzug wird zum logistischen GAU

Da die USA Russland für die Krise in der Ukraine verantwortlich macht sind die Russland-US-Beziehungen im Moment sehr stark „beansprucht“.

Ein Ergebnis der diplomatischen Depression besteht darin, dass sich Russland weigert zu erlauben, militärische NATO-Ladungen durch sein Territorium zu bringen. “Das ist nicht ein militärisches Problem”, so Brigadegeneral Dave Reist (Retd). zu RT. “Das ist ein diplomatisches Problem, das den Rahmen für den Abzug für mehrere Ländern setzt.”

Damit ist der Abzug der Truppen aus Afghanistan für die NATO und besonders für die USA zum logistischen Alptraum, zum logistischen GAU geworden. Man spricht bereits von der größten Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. 30.000 Soldaten und 48.000 Fahrzeuge, insgesamt 81,5 Millionen Stück Güter müssen aus Afghanistan gebracht werden, was ungefähr 33 Milliarden US$ kosten sollte.

Andere Wege kaum realisierbar

Grundsätzlich gäbe es noch zwei andere Landwege, die sogar kostengünstiger wären:
Da wäre einmal der Landweg durch den Iran, ein Land, das man allerdings als den Intimfeind der USA betrachten muss. Diese Route ist zumindest nach dem heutigen Stand der Dinge ausgeschlossen. Bei dem „Pragmatismus“ der US-amerikanischen Politik ist allerdings nicht auszuschließen, dass die USA durch eine Kosten-Nutzen-Rechnung plötzlich erkennt, dass der Iran eigentlich doch ein ganz angenehmer Zeitgenosse sei.

Der zweite und eigentlich kostengünstigste Weg führt von Südafghanistan durch Pakistan, das den USA einstmals eigentlich nicht so sehr feindlich gesinnt war, zu dessen wichtigstem Hafen Karachi.

Durch eine rücksichtslose, in jeder Beziehung keine Grenzen kennende Terrorbekämpfung mit großen Verlusten auch in der pakistanischen Zivilbevölkerung und bei unbeteiligten pakistanischen Soldaten durch Jagdflugzeuge und vor allem Drohnen ist die Wut der Bevölkerung ins Unermessliche gestiegen.

Riesenlange Konvois durch das Land wären vielleicht verlustreicher als der Kampf in Afghanistan selbst. Nicht umsonst wurde diese sogenannte Südroute zugunsten der erheblich teureren und beschwerlicheren Route durch Russland aufgegeben.

Im Übrigen gibt es außer diesen drei Routen in Afghanistan keine Straßen, die das tonnenschwere militärische Equipment tragen könnten.

Ein weiterer zumindest theoretisch möglicher Weg wäre durch Turkmenistan, das Kaspische Meer und Aserbaidschan, Georgien in das Schwarze Meer. Turkmenistan ist jedoch grundsätzlich außenpolitisch neutral, befreundet jedoch mit China, Russland und dem Iran.

Luftweg würde die Kosten ins Unermessliche steigen lassen

Ein scheinbar möglicher Ausweg wäre, alles auf dem Luftweg außer Landes zu bringen, was allerdings fast unbezahlbar wäre, denn ein Kilogramm (Menschen oder Güter) kostet auf dem Luftweg zehn Mal mehr als auf dem Landweg, wie der ehemalige Chef des US-Transport Commandos, General Duncan McNabb, berechnet hat.

Darüber hinaus ist es ein gefährliches Unternehmen, wie ein Vorfall im April 2013 gezeigt hat, als eine Boeing 747, gestartet vom Luftstützpunkt Bagram, der größten US-Militärbasis in Afghanistan, kurz nach dem Abheben abstürzte; die schwere Fracht hatte sich aus den Verankerungen gelöst und durch die Verschiebung des Gleichgewichts das Flugzeug abstürzen lassen.

Vielleicht setzt sich aber auch die vernunft durch und die NATO und Russland versuchen wieder einen gemeinamen Weg zu gehen. So sieht es aber im Moment nicht aus.