Russland wieder im Doping-Strudel – nun stolpert Tennisstar Scharapowa

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Mitten in den beschaulichen Feiertagen schlug diese Nachricht ein wie eine Bombe: Am Montag beichtete Russlands Tennis-Superstar Maria Scharapowa auf einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz in Los Angeles, sie sei des Dopings überführt worden. Nun drohen ihr bis zu vier Jahre Sperre. Die Anwälte hoffen auf mildernde Umstände – angeblich hat Scharapowa das Medikament Meldonium seit zehn Jahren genommen. Ab dem 1. Januar 2016 steht es allerdings auf der WADA-Verbotsliste.

Die verhängnisvolle Doping-Probe war am 26. Januar in Melbourne genommen worden, wo Scharapowa bei den Australian Open im Viertelfinale gegen Serena Williams ausschied. In der vergangenen Woche bekam sie den „blauen Brief“ von der Weltdoping-Behörde (WADA). Daraufhin entschloss sie sich, selbst vor die Presse zu treten, bevor irgendwo etwas durchsickert.

„Ein Riesenfehler“

„Ich habe einen Riesenfehler gemacht. Ich habe meine Anhänger und den Sport betrogen. Ich übernehme die volle Verantwortung“, so Scharapowa. „Ich weiß nicht, was mich jetzt erwartet“, so Scharapowa weiter. „Ich hoffe, man gibt mir noch eine Chance.“ Sie wolle ihre Karriere auf keinen Fall auf diese Weise beenden. Sie nehme das Medikament seit 2006: „Ich hatte Probleme mit der Gesundheit, war oft krank.“ Die Ärzte hätten bei ihr Diabetes vermutet. „Das Mittel half mir, gesund zu werden, deshalb habe ich es weiter eingenommen.“

Bis um 1. Januar dieses Jahres war daran auch nichts Kriminelles. Aber inzwischen ist das Präparat, das die physische und geistige Belastungsfähigkeit steigern und den Bewegungsapparat stärken soll, von der WADA in den Giftschrank verbannt worden. Scharapowas große Dummheit: Sie hatte den Brief, in dem die WADA über Änderungen auf der Dopingliste informierte, ungelesen liegenlassen.

Ausgerechnet die Sportikone Russlands…

Die fünfmalige Grand Slam-Gewinnerin und aktuell siebte auf der Weltrangliste galt als Russlands Vorzeigesportlerin schlecht hin. Über Jahre baute sie sich das Image eines Superprofis mit hundertprozentigem Verantwortungsbewusstsein und von absoluter Ehrlichkeit auf. Und ausgerechnet ihr passiert so ein „Malheur“ – anstatt sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen und ihr Team darüber zu informieren, ignoriert sie das Schreiben von der WADA. Das ist alles andere als professionell.

Und nun? Ab dem 12. März ist Scharapowa gesperrt. Im schlimmsten Fall drohen ihr vier Jahre Disqualifikation. Wie sie selbst sagt, werden ihre Anwälte „mit dem Internationalen Tennisverband arbeiten“, um eine milde Strafe zu erreichen. „Mild“ könnte eine Sperre von einem halben Jahr sein – dies würde ihr die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio ermöglichen (die Disqualifikation würde ab dem 26. Januar, dem Tag der Öffnung der Dopingprobe, gelten), die sie als ihr großes Ziel ausgegeben hatte.

[sb/russland.RU]