RUSSLANDS KOHLEINDUSTRIE KÜNDIGT NUR WENIGE PROJEKTE AN

Abbautechnologie in den Regionen Transbaikal, Magadan und Sachalin gefragt

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Von Ullrich Umann Moskau (gtai) – Im russischen Kohlebergbau ist 2016 nur mit wenigen Projekten zu rechnen. Ursachen sind die gesunkenen Weltmarktpreise für Kohle, die Stagnation des Absatzes im Inland und das nachlassende Kaufinteresse der VR China für fossile Energieträger. Neue Vorhaben konzentrieren sich auf die fernen Regionen Transbaikal, Magadan und Sachalin.

Die Lage in der Branche ist kritisch. Der größte russische Kohleproduzent SUEK musste seinen Abbau 2015 um 1,1% auf 97,8 Mio. t drosseln. Hoffnungen verknüpft SUEK aktuell mit der Lagerstätte Apsatski in der Region Transbaikal. Der Staat greift dem Konzern in diesem speziellen Fall finanziell unter die Arme.

Methangas-Technologie für Kohlebergwerk östlich des Baikalsees gesucht

Das Kohlevorkommen Apsatski steht in den Projektlisten der Regionalverwaltung und der föderalen Regierung in Moskau zur Entwicklung des Fernen Ostens. Das gegenwärtige Förderniveau von knapp 1 Mio. jato Steinkohle soll mit staatlicher Hilfe bis 2018 auf 6 Mio. jato gesteigert werden.

Dazu fließen für Apsatski 410 Mio. US$, wovon SUEK 227 Mio. $ beisteuert. Wie einer Studie des Instituts für Energieforschung der russischen Akademie der Wissenschaften zu entnehmen ist, wird hier neben Abraumtechnik speziell Technologie zum Auffangen und zur Verwertung des bei der Förderung anfallenden Methangases gesucht.

Ausbaupläne hängen vom Kohleexport in die VR China ab

Ein Gemeinschaftsunternehmen aus Wostsibugol (wird durch die Gruppe En+ kontrolliert) und der China Shenhua Energy ist auch in der Region Transbaikal aktiv. Investiert wird in die Lagerstätte Tschikoiski. Das Joint Venture firmiert unter dem Namen OOO Razrez Ugol. Razrez Ugol hat von der Behörde Rosnedra die Förderkonzession für das gesamte Kohlebecken Zaschulan (Region Transbaikal) erhalten, zu dem Tschikoiski gehört. Dort werden Vorkommen von 252 Mio. t Steinkohle vermutet. Durch die unmittelbare geographische Nähe zur chinesischen Grenze bietet es sich an, einen Teil der Kohleförderung am Bedarf des chinesischen Marktes auszurichten.

Die Ausbaupläne von Razrez Ugol sehen ferner die Erschließung der Tagebaue Krasnoschikoisk, Schimbilinsk und Zaschulan mit einer Gesamtförderung von 20 Mio. jato vor. Dafür sind Investitionen von 1,1 Mrd. $ erforderlich. Aber nur 20% stehen aus Eigenmitteln zur Verfügung. Der Rest des Geldes muss durch Kredite und staatliche Zuschüsse aufgebracht werden.

Projekte zum Kohleabbau in Magadan und auf Sachalin

Im Fernen Osten gibt es Projekte zur Erschließung von Kohlelagerstätten in der Region Magadan und auf der Insel Sachalin. In der Region Magadan sollen drei Minen im Kohlebecken Omsuktschanski erschlossen werden. Diese verfügen zusammen über geschätzte Vorkommen von 100 Mio. t. Die Östliche Bergbaugesellschaft (russ.: WGK) umwirbt asiatische Investoren. Auf diese Weise sollen 0,8 Mrd. $ zusammenkommen, welche für die Erschließungsarbeiten notwendig sind. Denn für die Investitionen stehen nur 30% aus Eigenmitteln zur Verfügung. Vom Staat erhofft sich die Gesellschaft weitere 5% zum Bau der Verkehrsinfrastruktur. Den Rest sollen asiatische Investoren beisteuern. Bei WGK handelt es sich um ein ein Joint Venture aus Sachalinugol-2 (Anteil von 55%) und dem Investitionsfonds IST (Anteil von 45%).

Transportengpässe auf Sachalin werden überwunden

Auf Sachalin ist WGK mit der Grube Solnzewskoje schon seit längerem aktiv. Im dortigen Kohlebecken werden Vorkommen von 230 Mio. t vermutet. Deshalb soll die Kapazität der Grube Solnzewskoje von derzeit 3 Mio. auf 12 Mio. jato erweitert werden. Um die zusätzliche Kohlemenge überhaupt abtransportieren zu können, muss ein Terminal im Hafen Schachtjorsk für 220 Mio. $ ausgebaut und ein 30 km langes Förderband im Wert von 130 Mio. $ zum Hafen finanziert werden. Vom ehemals angedachten Ausbau der Schienenwege zum Hafen scheint sich WGK dagegen verabschiedet zu haben.

Für alle Ausbauarbeiten werden insgesamt 470 Mio. $ benötigt. Rund 70% der Kosten sollen fremdfinanziert werden. Im Tausch bietet WGK Unternehmensanteile an; alternativ erwägt der Konzern die Emission von Obligationen. Der Staat beteiligt sich über den Fonds zur Entwicklung des Fernen Ostens. Der Fonds hat einen Kredit zum Ausbau der Infrastruktur über 2,8 Mrd. Rubel (rund 37 Mio. $) mit einem Zinssatz von 10,5% und einer Laufzeit von zehn Jahren zugesagt.

Rubelschwäche kommt Kohleexport entgegen

Russland gehört zwar zu den führenden Förderländern für Kohle, hält aber keine starke Position auf dem Weltmarkt – anders als bei Erdöl oder Erdgas. Zudem hat die Kohleindustrie selbst auf ihrem angestammten Inlandsmarkt gegen den Vormarsch von Erdgas als Energieträger anzukämpfen. Um dieser wachsenden Inlandskonkurrenz contra zu bieten, können lediglich die Absatzpreise gesenkt werden.

Auf dem Weltmarkt für Kohle bestehen aktuell Überkapazitäten von 100 Mio. bis 150 Mio. t. Dies insbesondere, weil die Nachfrage der VR China nachlässt. Daher knüpft Russland Exporthoffnungen künftig eher an Indien. Durch den gesunkenen Außenwert des Rubels konnte die russische Kohleindustrie ihre Exportpreise in US-Dollar senken, ohne dadurch spürbare Verluste in nationaler Währung zu erleiden.