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08-12-2004 Sachalin
Sachalins Ureinwohner gegen Aktivitäten von Ölunternehmen auf der Insel
Für den 20. Dezember ist im Kreis Nogliki im Norden der Insel Sachalin der Beginn einer unbefristeten Protestaktion von Vertretern der Ureinwohner dieser fernöstlichen Insel geplant.

Wie die Vereinigung der Urvölker des Nordens Sachalins am Mittwoch mitteilte, würden Streikposten der Völkerschaften Nichwen, Oroken, Nanai und Ewenken Transportwege blockieren, die bei der Herstellung der Infrastruktur für internationale Öl- und Gasprojekte auf der Insel verwendet werden.

Alexej Limanso, Leiter der Vereinigung, verwies darauf, dass der Beschluss über die Abhaltung der Protestaktion vom 5. Kongress der kleinen Urvölker des Norden Sachalins in der Inselhauptstadt Juschno-Sachalinsk vor mehr als einem Monat angenommen worden sei.

Die Kongressteilnehmer äußerten ihre Besorgnis darüber, dass die Aktivitäten der Öl- und Gasunternehmen nach ihrer Ansicht die Umwelt auf dem von den kleinen Völkerschaften besiedelten Territorium und in den Gebieten deren wirtschaftlichen Aktivitäten belasten.

Außerdem müsse nach Ansicht der Vereinigung eine unabhängige Untersuchung der industriellen Erschließung der Ortschaften im Norden der Insel vorgenommen werden, die traditionsgemäß von den Urvölkern besiedelt werden.

"Die Protestaktion ist der legitime Selbstschutz der Verfassungsrechte der Urvölker Sachalins", erklärte Limanso. In diesem Zusammenhang schlägt die Vereinigung den Leitern der Unternehmen Rosneft-Sachalinmorneftegas, Exxon Neftegas Limited und Sakhalin Energy vor, ein Treffen unter der Ägide des Gebietsgouverneurs Iwan Malachow abzuhalten, um noch vor dem Beginn der Blockade der Transportinfrastruktur der Projekte Sachalin-1 und Sachalin-2 eine gegenseitig annehmbare Lösung zu finden.

Die Öl- und Gasvorkommen auf dem Sachalin-Schelf sind gleichzeitig wichtige Fischereigebiete sowie Laichstellen wertvoller Lachsfische. Fische und andere Meeresprodukte sind eine Grundlage der Wirtschaft und der Lebensversorgung Zehntausender Einwohner der Insel, von den kleinen Völkerschaften Sachalins ganz zu schweigen.

Die nordwestliche und die nordöstliche Sachalin-Küste wie auch das Ochotskische Meer insgesamt sind hinsichtlich der Fischerei einmalig, und zwar nicht nur in Russland, sondern in der ganzen Welt.

An der Küste Nordsachalins, wo sich alle Ölvorkommen befinden, sind die Gemeinschaften der Ureinwohner zu Hause, für die der Lachsfang nicht nur die wirtschaftliche Lebensgrundlage, sondern auch ein wichtiger Teil der nationalen Kultur und der Traditionen ist.

In den Regionen der Erschließung der Öl- und Gasprojekte ist die Seefauna besonders vielfältig. Neben Lachs und anderen Fischarten sind dort 25 Arten von Delphinen und Walen verbreitet, von denen elf vom Aussterben bedroht sind. Es handelt sich unter anderem um die Population von Grauwalen, die nur 60 Tiere zählt.

Durch den eventuellen Ölauslauf sind nun acht Naturschutzgebiete gefährdet. (RIA)