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18-02-2009 Sachalin
Russland nimmt erste Flüssiggas-Anlage in Betrieb
Russland hat am Mittwoch auf der Pazifikinsel Sachalin seine erste Flüssiggas-Anlage in Betrieb genommen. Der russische Präsident Dmitri Medwedew sagte während der offiziellen Zeremonie zur Eröffnung der Anlage, der Schritt stärke die Position Russlands als "wichtigen Spieler auf dem globalen Energiemarkt" und er verhehle nicht, "dass wir darüber sehr erfreut sind".




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Rund zwei Drittel des produzierten Flüssiggases sollen demnach künftig nach Japan gehen, der Rest nach Südkorea und in die USA. Die Anlage, die an der Küste der Aniva-Bucht im Süden der Insel entstand, solle jährlich 9,8 Millionen Tonnen des Energieträgers fördern, womit bis zu fünf Prozent der weltweiten Liefermenge dieses Brennstoffs abgedeckt werden. Sie ist Teil des 20 Milliarden US-Dollar (15,8 Milliarden Euro) schweren Erdöl- und Gasprojekts Sachalin II.

Die Lieferungen von Flüssiggas seien bereits für 25 Jahre im Voraus weitgehend vertraglich gebunden, führte Medwedew weiter aus. Außerdem werde der Betrieb neue Arbeitsplätze auf Sachalin schaffen und zu einer Verbesserung der Wirtschaftssituation in dieser Region beitragen.

Sachalin II wird nach einem umstrittenen Wechsel bei den Eigentümern im Jahr 2007 mehrheitlich vom russischen Energieriesen Gazprom geführt, der 50 Prozent plus eine Aktie an dem Gemeinschaftsprojekt hält. Der Mineralölkonzern Shell hält nach dem rechtlichen Konflikt mit der russischen Regierung noch 27,5 Prozent der Anteile, die japanischen Konzerne Mitsubishi und Mitsui sind mit ingesamt 22,5 Prozent beteiligt. Flüssiggas ist für die Wirtschaft vor allem deshalb interessant, weil der Energieträger nicht über Pipelines transportiert werden muss, sondern über die Straße, Schiene oder auf dem Wasser geliefert werden kann.

Bei einem Gespräch mit Prinz Andrew, Herzog von York, der zur Eröffnung des Betriebs eingetroffen war, sagte Medwedew: "Ich hoffe, dass derartige erfreuliche Ereignisse häufiger geschehen und sowohl die internationale Agenda, als auch unsere bilateralen Kontakte schmücken werden." Herzog von York bezeichnete das Gasverflüssigungswerk als ein "erstklassiges Projekt von Weltniveau". Die Umsetzung dieses Projekts bewertete er als eine gute Möglichkeit für die Entwicklung der bilateralen Beziehungen, sowohl speziell in der Gasindustrie als auch insgesamt.

Der russische Energiekonzern Gazprom führt derzeit mit seinen Partnern vom Konsultationen über deren Beteiligung an einem Gasprojekt auf der Halbinsel Jamal im Norden Russlands, teilte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew am Mittwoch mit. Es handle sich um den Bau eines Gasverflüssigungswerks auf der Basis der Gasvorkommen auf Jamal-Halbinsel (Nordsibirien). "Wir berücksichtigen das Interesse aller anwesenden Unternehmen - Shell, Mitsui und Mitsubishi - an diesem Projekt", hieß es. "Konsultationen sind bereits im Gange."

Japans Regierungschef Taro Aso, der bei der Einweihung der Anlage ebenfalls anwesend war, betonte die Bedeutung des Projekts für die japanisch-russischen Beziehungen. Sachalin gehört zur pazifischen Inselgruppe der Kurilen, über die die zwischen beiden Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg ein politischer Konflikt entbrannt ist. Der Streit um die vier Inseln, die am Ende des Kriegs von der Sowjetunion besetzt worden waren, verhinderte bislang den Abschluss eines formalen Friedensvertrages zwischen beiden Ländern. Erst am Dienstag hatte Russland mit China ein milliardenschweres Abkommen über die Lieferung von Erdöl in den kommenden 20 Jahren geschlossen. [ russland.RU ]