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29-06-2006 Schlagzeilen
Die Perspektiven des US-Dollars als globale Ölwährung
[von Dr. oec. Igor Tomberg, führender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Energiestudien des Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften]
Die offensichtliche Tendenz zur Revision des bestehenden Verrechnungssystems im Ölsektor kann das jetzige, scheinbar unerschütterliche Monopol des US-Dollars ins Wanken bringen.


Für Russland, das in letzter Zeit zusammen mit Saudi-Arabien zu den größten Öllieferanten der Welt gehört, ist das Problem der Festlegung des Ölpreises und der Verrechnung für die Öllieferungen von großer Bedeutung.
bei russland.RU
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Präsident Bush in den verbleibenden Jahren seiner Amtszeit mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen hat. Sein russischer Amtskollege Vladimir Putin sagte in seiner bemerkenswerten Ansprache an die Nation in der letzten Woche, daß Russland konkret die Einrichtung einer Handelsbörse für Öl- und Gasexporte plant, die auf Rubel-Basis arbeiten soll. ... mehr...
Das Hauptproblem besteht darin, dass Russland nicht in der Lage ist, den Preis des eigenen Erdöls auf dem Weltmarkt zu beeinflussen. Das bestehende System des Ölhandels hat sich so herausgestaltet, dass die größten Gewinne nicht die Ölförderer, sondern diejenigen erzielen, die das Erdöl an die Endverbraucher verkaufen. Das sind keinesfalls russische Unternehmen (auch nicht die irakischen oder die iranischen). Der Preis für das russische Exportöl der Marke Urals wird an den Börsen in London (International Petroleum Exchange) und New York (New York Mercantile Exchange) bestimmt. Die Börsennotierungen weichen stark vom tatsächlichen Warenwert ab. Sie hängen von einer derart großen Anzahl subjektiver Faktoren ab, dass von einem reellen Preisindikator keinesfalls die Rede sein kann.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied des Erdölhandelssystems ist die Vertragswährung. Die Ölnotierungen werden traditionell in US-Dollar errechnet. Bezahlen kann man in beliebiger Währung, doch die Bewertung erfolgt immer in US-Dollar. Um überflüssige Umrechnungskosten zu vermeiden, rechnen die Verkäufer und die Käufer in US-Dollar ab. Das sichert dem US-Dollar die Stellung als Weltreservewährung.

Angesichts der Veränderung des Kräfteverhältnisses auf dem Erdölmarkt und des riesigen Haushalts- und Handelsdefizits in den USA versucht man in der letzten Zeit hin und wieder, dieses Handelssystem zu revidieren. Diese Versuche führten zu bedeutenden Wandlungen in der Weltpolitik. In der Medienwelt wird öfters die Meinung vertreten, dass die USA sich zu der Invasion in Irak entschlossen, nachdem Saddam Hussein gefordert hatte, im Rahmen des Programms "Erdöl gegen Nahrungsmittel" nicht in Dollar, sondern in Euro abzurechnen. Im September 2000 erklärte Hussein, sein Land empfange für das Erdöl keine Dollar mehr, und ließ die zehn Milliarden Dollar auf dem von der UNO verwalteten Konto in Euro konvertieren. "Das entschied das Schicksal des Irak", sagt William Clark, Sicherheitsexperte und Verfasser eines Werkes über die Ökonomie des Erdölmarktes. "Das war ein politischer Schritt, der angesichts des sinkenden Kurses des US-Dollars Profit bringen sollte. Das war das letzte Argument für den Einfall in Irak. Seit die US-Marines in Bagdad einmarschierten, wird irakisches Erdöl wieder gegen US-Dollar verkauft."

Das ist womöglich nicht der letzte Krieg um die Stabilität des US-Dollars. 2006 drohte der Iran, eine Erdölbörse einzurichten, an der der Erdölpreis in Euro festgesetzt wird. Bei den Erdölhändlern, vor allem bei den amerikanischen, erregte diese Nachricht tiefe Besorgnis. Und nicht ohne Grund: Die iranische Ölbörse hat gute Chancen, den beiden traditionellen Börsen Konkurrenz zu machen, weil über ein Drittel der iranischen Exporte nach Europa geht. Die geographische Nähe des Iran zu den wichtigen Erdöl- und Erdgasimporteuren China, Indien und Europa bestimmt die strategische Bedeutsamkeit des Landes als globaler Erdöllieferant. Mit 130 Milliarden Tonnen nachgewiesenen Ölreserven verfügt der Iran über zehn Prozent der Weltreserven.

bei russland.RU
[von Hartmut Hübner]
Am 1. Juli tritt der russische Rubel in die Gemeinschaft der frei konvertierbaren Währungen der Welt ein.
Das verkündete Präsident Putin in seiner diesjährigen Botschaft an die Bevölkerung des Landes. Damit wurde der ursprünglich geplante und auch gesetzlich verankerte Termin um ein halbes Jahr vorgezogen. Den Auftrag für diese Veränderung in der Währungspolitik hatte der Staatschef bereits 2003 der Regierung erteilt. ...
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Der mögliche Ölverkauf gegen Euro findet auch bei lateinamerikanischen Förderern Unterstützung. Zu den Befürwortern zählen etwa der venezolanische Präsident Hugo Chavez, Ölfirmen der Golfstaaten, Russlands und Chinas. Teheran selbst bekundet seit drei Jahren den Wunsch, sein Erdöl Asien und Europa gegen Euro zu verkaufen.

Obwohl eine Umstellung des weltweiten Ölhandels auf Euro den Status des US-Dollars als Weltreservewährung in Zweifel ziehen würde, erscheinen die Folgen eines möglichen Übergangs des Iran auf die Abrechnung in Euro als übertrieben. Die Währung, in der das Erdöl notiert wird, wirkt sich nicht auf die Abrechnungswährung aus.

Im Fall Iran handelt es sich um die Börse. Die Börse ist aber lediglich eine indikative Notierung. Denn die Ölmengen, die dort verkauft werden, sind zu gering. Hinzu kommt, dass die Börse in der Regel nicht mit den tatsächlichen Lieferungen, sondern mit Verträgen zu tun hat, wobei ein massenhafter Übergang auf eine andere Währung den Dollarkurs beeinflussen kann. Dieser Übergang wird selbstverständlich dafür maßgeblich sein, welche Währung zur Reservewährung wird. Aber nicht die Eröffnung einer Börse mit Notierungen in Euro. In dem oben beschriebenen Fall des Irak hätte es sich um Abrechnungen in Euro für bedeutende Ölmengen handeln können. Das hätte negative Auswirkungen auf die monopolistische Rolle des Dollars bei der Abrechnung für das Erdöl nach sich ziehen können, ganz zu schweigen davon, dass ein solcher Präzedenzfall für die USA unerwünscht war.

Dennoch ist gegenwärtig keine ernst zu nehmende Gefahr für den US-Dollar als einzige Währung des Erdölvertrags in Sicht. 60 bis 70 Prozent der Weltexporte werden in Dollar verrechnet. Auf den US-Dollar kommen etwa 60 Prozent der Devisenreserven aller Staaten der Welt. Die US-amerikanische Währung wird bei 80 Prozent der Transaktionen auf dem Weltdevisenmarkt und bei 70 Prozent der Bankkredite in Anspruch genommen. Führende russische Finanziers blicken einem Ersatz des US-Dollars als Verrechnungswährung auf dem Ölmarkt skeptisch entgegen.

Viktor Geraschtschenko, einst russischer Zentralbankchef und heute Vorsitzender des Aufsichtsrats des angeschlagenen Ölkonzern Yukos: "Wer mit Erdöl handelt, muss am Dollar festhalten. Ich gehe davon aus, dass das Erdöl auf dem Weltmarkt in den kommenden zehn Jahren keinesfalls in Euro, Yuan oder anderen Währungen notiert wird. Der Preis wird weiterhin in Dollar berechnet. Dafür spricht allein das Gewicht der US-Wirtschaft. Es sei denn, China macht Druck."

Der Chef des russischen Föderalen Amtes für Finanzmärkte, Oleg Wjugin, sieht dafür objektive Gründe. "Der Ölpreis wird bekanntlich in Dollar notiert. Notierungen in Euro gibt es nicht. Ein jeder Vertrag, selbst wenn er auf Euro lautet, muss daher trotzdem auf die Dollar-Notierungen der Erdölmärkte Bezug nehmen... Wenn aber ein liquider Großmarkt entsteht, wo das Erdöl in Euro notiert wird, dann können auch Verträge in Euro entstehen", sagte er.
bei russland.RU
[Hintergrund zur aktuellen Iran-Diskussion]
Für Krassimir Petrov haben die aktuellen außenpolitischen Spannungen mit dem Iran einen handfesten ökonomischen Hintergrund. Die geplante iranischen Ölbörse könnte den unausweichlichen Kollaps des Dollars auslösen und hat damit das Potential, der Sargnagel für das amerikanische Imperium zu werden. ...
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Seit Jahren thematisieren russische Experten die Notwendigkeit, solche Bedingungen zu schaffen, unter denen Russland auf die Preisbildung auf dem Erdölmarkt Einfluss nehmen kann. Angesichts der globalen Wandlungen auf dem Devisen- und Finanzmarkt fällt das besonders schwer ins Gewicht. Die Reform der Weltfinanzinstitutionen IWF und IBRD, die viele Ökonomen als Reform des Bretton-Woods-Finanzsystem bezeichnen, nähert sich ihrem Abschluss. Als wichtiger Bestandteil dieser Transformation wird unvermeidlich die Reform des Preisbildungssystems auf dem Weltölmarkt in den Vordergrund rücken.

In letzter Zeit nimmt sich die russische Regierung des Problems der Teilnahme an der Preisbildung auf dem Weltölmarkt an. Dabei verfolgt sie das Ziel, die russische Nationalwährung, den Rubel, frei konvertierbar zu machen und in eine internationale Transaktionswährung zu verwandeln. In diesem Zusammenhang schlug der russische Staatspräsident Wladimir Putin in seiner Ansprache zur Lage der Nation am 25. April 2006 vor, in Russland einen Börsenhandel mit den wichtigsten russischen Exportartikeln wie Erdöl und Erdgas mit Verrechnung in Rubel zu organisieren. Nach dem Plan soll dieser Schritt die Staaten, die russische Energieträger abnehmen, zur Deponierung von Rubel veranlassen. Somit würde eine internationale Nachfrage nach Rubeln entstehen, die russische Währung würde an ausländischen Währungsbörsen notieren - so wie der US-Dollar und der Euro heutzutage in Russland notieren. Mit diesen Währungen rechnet Russland für Importe von Waren und Leistungen ab.

Wird die Anregung des Präsidenten Realität, dann steigt die Bedeutung des Rubels auf dem Weltmarkt. Ein solcher Markt lässt sich aber nicht durch Anweisung etablieren. London und New York sind traditionell Standorte für den Handel mit Erdöl und Erdgas. Die Versuche des Irak und des Iran (künftig womöglich auch Venezuelas), das Rohöl in Euro zu notieren, haben das Nachfrage-Angebot-Verhältnis nicht verändert, diese Staaten wurden nicht zu neuen Handels- und Preisbildungszentren, das Erdöl wird nach wie vor in US-Dollar notiert; als sein Preisindikator dient der Preis der Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) und der Marke Brent.

Der Beitritt Russlands zum "Reformerklub" des Weltölmarktes beweist ein weiteres Mal die stabile Tendenz zur Revision des bestehenden Notierungssystems und Verrechnungssystems im Ölsektor. Diese Tendenz kann im Endergebnis zur Entstehung neuer Vertragswährungen führen, die das jetzige, scheinbar unerschütterliche Monopol des US-Dollars ins Wanken bringen würden. [ RIA Novosti ]
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